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Zutaten

Portionen
3 EL Olivenöl
1 m.-große Zwiebel(n), in nicht zu feine Würfel geschnitten
1 EL Currypulver, mittelscharfe oder scharfe Mischung
1 TL Garam Masala
4 EL Tomatenmark
1 kl. Dose/n Tomate(n), gehackte oder Pomodori passati
Tomate(n), ausgeräumt und gewürfelt
1 EL Worcestersauce
2 EL Rotweinessig
1 TL Honig
1 TL Paprikapulver, rosenscharf
1 TL Paprikapulver, edelsüß
100 ml Apfelsaft
  Sauce, (Habanero-Pfeffersauce), bei Bedarf
Bratwürste, al gusto
4 Port. Pommes frites
  Außerdem: 4 Original-OpTicker (Currywurst-/Fritten-Gabeln)

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Zubereitung

Arbeitszeit: ca. 30 Min. / Schwierigkeitsgrad: simpel / Kalorien p. P.: keine Angabe

Ich schäle eine mittelgroße Zwiebel, halbiere sie und schneide sie in reelle Würfel, die man später noch zwischen den Zähnen spüren kann. Ich dünste sie gute 5 bis 7 Minuten in Olivenöl. Glasig und weich sollen sie werden. Nun pudere ich sie mit einem Esslöffel Currypulver und einem Teelöffel Garam Masala und lasse sie eine halbe Minute rösten bis sie gelb sind. Anschließend gebe ich 4 EL Tomatenmark hinzu und verrühre die Curryzwiebeln mit dem Mark. Nun sind sie rot. Nach diesem Vorspiel ist es Zeit für den Rest der Zutaten: Gehackte Tomaten aus der Dose oder Pomodori passati, frische Tomatenwürfel, Worcestershire-Sauce, Rotweinessig, Honig, Apfelsaft, die beiden Paprikasorten und Salz. Gut durchgerührt lasse ich die Zutaten bei mittlerer Hitze 10 Minuten köcheln. Zum Schluss prüfen, ob die Sauce etwas süßer (Apfelsaft oder Honig?), saurer (mehr Essig?) oder schärfer werden sollte. Fehlt noch ein Tick Schärfe, wird diese durch eine Habanero Pepper Sauce ergänzt (die macht nämlich "Warm ums Herz").

Ein Currywurst-Junkie wird nicht vergessen, parallel die Bratwürste in die Pfanne zu legen und in der Fritteuse die Pommes frites zuzubereiten.
Nach der Taufe der in Querscheiben geschnittenen fertig gebratenen Bratwurst mit der frischen Sauce, dekoriert der aufmerksame Gatte die Portion für seine geliebte Frau mit einer Scheibe Orange und zwei Cocktailkirschen. Ist aber optional und kein Muss. Hoffentlich müssen Sie sich nicht in Ermangelung eines Original Currywurst-OpTickers mit einer ordinären Gabel behelfen!

Dieses Rezept wurde entwickelt vom Landesamt für Inner-Westfälische Angelegenheiten (LfIWA)

In Westfalen guckt keine Frau pikiert, wenn sie von einem Mann zur Currywurst eingeladen wird. Mit Hape Kerkeling gesprochen ist das "Total normal". Die routinemäßige Nachfrage der Currywurst-Fachverkäuferin: "scharf?", würde sie mit der Gegenfrage "Sieht man das?" kontern, während der Mann verlegen, aber durchaus wahrheitsgemäß: "Auch!" hauchen würde. Machen wir uns nichts vor: Currywürste sind erotisch. Currywürste machen an. Und ein Da capo schafft doppelte Befriedigung.

Currywurst ist Arbeitswelt. Einem Personalchef mit Abitur, der von einem Gelsenkirchener Arbeitnehmer statt eines deutschen Lebenslaufes ein lateinisches Curryculum einfordert, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit eine chronologische Liste der Currywurst-Buden, die dieser Arbeitnehmer in seinem Leben mit gelegentlichen Auftritten beehrt hat. Einschließlich einer Top 10 zur Orientierung des Chefs.

Currywürste sind Kultur. Seit Hebäät Grönemeyer darf die Bestellung gesungen werden und seit Uwe Timm's Roman "Die Entdeckung der Currywurst" kann eine Nebenlinie der Currywurstgeschichte bis auf den Großneumarkt in Hamburg zurückverfolgt werden. Currywürste sind wahrhafter homerischer Gesang. Ilias und Odyssee sind nur noch Drittes Programm.

Currywürste sind Philosophie. Die Westfalen sind, um ein populäres Beispiel zu nennen, längst über Stefan Remmlers philosophischen Ansatz "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" hinaus. Der wird einfach ignoriert zugunsten eines Traums von der CURRYWURST OHNE ENDE. Ein Traum, der immer seltener geträumt werden kann, weil die Globalisierung auch an der Currywurst-Kultur in Deutschland nagt. Kultbuden müssen weichen. Die scharfen Ecken einer Stadt werden allzu oft durch Allerwelts-Alternativen geglättet.

Currywurst ist Heimat. Und Heimat lässt sich nicht so einfach verdrängen. Die Currywurst hält dem internationalen Fast Food-Tsunami stand. Ob pseudo-türkischer Döner, Asia-Einheitswürz-Gerichte oder Sushi aus der Tiefkühltruhe, alle Wellen verliefen sich. Die Currywurst verschwindet nicht. Sie ist ein Teil des Volksvermögens. Von einem Volkssnack wandelt sie sich zu einer Spezialität, die in Currywurst-Museen und neuen Gourmet-Currywurst-Restaurants Wiederauferstehung feiert.

Currywurst bleibt Budenzauber. Trotzdem müssen wir uns eingestehen, dass die Currywurst in Style-Restaurants nicht das Amalgam der Gerüche aus den alten Volksküchen ersetzen können, den Geruch nach Brathähnchen, nach frisch gebratenen Frikadellen, nach Schaschlik, der sanft in seinem Saft simmert, nach Frittenfett, Curry, Paprika und Bratwurst vom Rost.

Currywurst ist Science Fiction. Denken wir das scheinbar Undenkbare. Könnte es nicht sein, dass ein Eau de Parfum mit dem Namen "Currywurst", "Frittenbude" oder "Budenzauber" durchaus regionale Erfolge feiern könnte? In Westfalen, Hamburg und Berlin? Vermutlich bleibt dies nur ein Traum, weil der Einzige, dem man die Umsetzung dieser Aufgabe zutrauen könnte, der Supernase Grenouille aus Patrick Süskinds Roman "Das Parfum", längst verstorben ist.

Currywurst ist Selbsthilfe. Oft bleiben uns nur individuelle Lösungen, die die Tradition in Ehren halten, aber sich nicht sklavisch an ihr festklammern. Ich laufe sowieso als anatomisches Wunder mit zwei appen Beinen rum, weil man mir meine beiden Currywur(st)zeln gekappt hat. "Schneider's Imbiss" in Paderborn musste einem Parkplatz weichen und ob es "Onkel Klaus - Das Würstchen aus Pinneberg" noch gibt, kann ich nun auch wieder nicht mit absoluter Wahrscheinlichkeit sagen. Allerdings zeichneten sich beide Erste-Hilfe-Buden dadurch aus, dass sie eine ausgezeichnete Schaschlik-Sauce zur Currywurst lieferten, in der - als Beispiel für eine frühe Bonus-Strategie - häufig ein Stück Zwiebel, Speck oder Fleisch zu finden waren. Diese frühen Chunky-Style-Saucen waren pures Doping und lösten spontane Glücksgefühle aus. Nur die strikte Diskretion der Kunden bewahrte sie davor, vor der Zeit wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz geschlossen zu werden.