Don Diegos schnelle Currywurst-Sauce, chunky-style


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westfälischer Budenzauber macht "warm ums Herz"

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30 Min. simpel 11.04.2014 900 kcal



Zutaten

für
3 EL Olivenöl
1 m.-große Zwiebel(n), in nicht zu feine Würfel geschnitten
1 EL Currypulver, mittelscharfe oder scharfe Mischung
1 TL Garam Masala
4 EL Tomatenmark
1 kl. Dose/n Tomate(n), gehackte oder Pomodori passati
1 Tomate(n), ausgeräumt und gewürfelt
1 EL Worcestersauce
2 EL Rotweinessig
1 TL Honig
1 TL Paprikapulver, rosenscharf
1 TL Paprikapulver, edelsüß
100 ml Apfelsaft
Chilisauce (Habanero-Pfeffersauce), bei Bedarf
4 Bratwürste, al gusto
4 Port. Pommes frites

Außerdem: 4 Original-OpTicker (Currywurst-/Fritten-Gabeln)


Nährwerte pro Portion

kcal
900
Eiweiß
21,30 g
Fett
61,66 g
Kohlenhydr.
64,61 g

Zubereitung

Arbeitszeit ca. 30 Minuten Gesamtzeit ca. 30 Minuten
Ich schäle eine mittelgroße Zwiebel, halbiere sie und schneide sie in reelle Würfel, die man später noch zwischen den Zähnen spüren kann. Ich dünste sie gute 5 bis 7 Minuten in Olivenöl. Glasig und weich sollen sie werden. Nun pudere ich sie mit einem Esslöffel Currypulver und einem Teelöffel Garam Masala und lasse sie eine halbe Minute rösten bis sie gelb sind. Anschließend gebe ich 4 EL Tomatenmark hinzu und verrühre die Curryzwiebeln mit dem Mark. Nun sind sie rot. Nach diesem Vorspiel ist es Zeit für den Rest der Zutaten: Gehackte Tomaten aus der Dose oder Pomodori passati, frische Tomatenwürfel, Worcestershire-Sauce, Rotweinessig, Honig, Apfelsaft, die beiden Paprikasorten und Salz. Gut durchgerührt lasse ich die Zutaten bei mittlerer Hitze 10 Minuten köcheln. Zum Schluss prüfen, ob die Sauce etwas süßer (Apfelsaft oder Honig?), saurer (mehr Essig?) oder schärfer werden sollte. Fehlt noch ein Tick Schärfe, wird diese durch eine Habanero Pepper Sauce ergänzt (die macht nämlich "Warm ums Herz").

Ein Currywurst-Junkie wird nicht vergessen, parallel die Bratwürste in die Pfanne zu legen und in der Fritteuse die Pommes frites zuzubereiten.
Nach der Taufe der in Querscheiben geschnittenen fertig gebratenen Bratwurst mit der frischen Sauce, dekoriert der aufmerksame Gatte die Portion für seine geliebte Frau mit einer Scheibe Orange und zwei Cocktailkirschen. Ist aber optional und kein Muss. Hoffentlich müssen Sie sich nicht in Ermangelung eines Original Currywurst-OpTickers mit einer ordinären Gabel behelfen!

Dieses Rezept wurde entwickelt vom Landesamt für Inner-Westfälische Angelegenheiten (LfIWA)

In Westfalen guckt keine Frau pikiert, wenn sie von einem Mann zur Currywurst eingeladen wird. Mit Hape Kerkeling gesprochen ist das "Total normal". Die routinemäßige Nachfrage der Currywurst-Fachverkäuferin: "scharf?", würde sie mit der Gegenfrage "Sieht man das?" kontern, während der Mann verlegen, aber durchaus wahrheitsgemäß: "Auch!" hauchen würde. Machen wir uns nichts vor: Currywürste sind erotisch. Currywürste machen an. Und ein Da capo schafft doppelte Befriedigung.

Currywurst ist Arbeitswelt. Einem Personalchef mit Abitur, der von einem Gelsenkirchener Arbeitnehmer statt eines deutschen Lebenslaufes ein lateinisches Curryculum einfordert, erhält mit hoher Wahrscheinlichkeit eine chronologische Liste der Currywurst-Buden, die dieser Arbeitnehmer in seinem Leben mit gelegentlichen Auftritten beehrt hat. Einschließlich einer Top 10 zur Orientierung des Chefs.

Currywürste sind Kultur. Seit Hebäät Grönemeyer darf die Bestellung gesungen werden und seit Uwe Timm's Roman "Die Entdeckung der Currywurst" kann eine Nebenlinie der Currywurstgeschichte bis auf den Großneumarkt in Hamburg zurückverfolgt werden. Currywürste sind wahrhafter homerischer Gesang. Ilias und Odyssee sind nur noch Drittes Programm.

Currywürste sind Philosophie. Die Westfalen sind, um ein populäres Beispiel zu nennen, längst über Stefan Remmlers philosophischen Ansatz "Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei" hinaus. Der wird einfach ignoriert zugunsten eines Traums von der CURRYWURST OHNE ENDE. Ein Traum, der immer seltener geträumt werden kann, weil die Globalisierung auch an der Currywurst-Kultur in Deutschland nagt. Kultbuden müssen weichen. Die scharfen Ecken einer Stadt werden allzu oft durch Allerwelts-Alternativen geglättet.

Currywurst ist Heimat. Und Heimat lässt sich nicht so einfach verdrängen. Die Currywurst hält dem internationalen Fast Food-Tsunami stand. Ob pseudo-türkischer Döner, Asia-Einheitswürz-Gerichte oder Sushi aus der Tiefkühltruhe, alle Wellen verliefen sich. Die Currywurst verschwindet nicht. Sie ist ein Teil des Volksvermögens. Von einem Volkssnack wandelt sie sich zu einer Spezialität, die in Currywurst-Museen und neuen Gourmet-Currywurst-Restaurants Wiederauferstehung feiert.

Currywurst bleibt Budenzauber. Trotzdem müssen wir uns eingestehen, dass die Currywurst in Style-Restaurants nicht das Amalgam der Gerüche aus den alten Volksküchen ersetzen können, den Geruch nach Brathähnchen, nach frisch gebratenen Frikadellen, nach Schaschlik, der sanft in seinem Saft simmert, nach Frittenfett, Curry, Paprika und Bratwurst vom Rost.

Currywurst ist Science Fiction. Denken wir das scheinbar Undenkbare. Könnte es nicht sein, dass ein Eau de Parfum mit dem Namen "Currywurst", "Frittenbude" oder "Budenzauber" durchaus regionale Erfolge feiern könnte? In Westfalen, Hamburg und Berlin? Vermutlich bleibt dies nur ein Traum, weil der Einzige, dem man die Umsetzung dieser Aufgabe zutrauen könnte, der Supernase Grenouille aus Patrick Süskinds Roman "Das Parfum", längst verstorben ist.

Currywurst ist Selbsthilfe. Oft bleiben uns nur individuelle Lösungen, die die Tradition in Ehren halten, aber sich nicht sklavisch an ihr festklammern. Ich laufe sowieso als anatomisches Wunder mit zwei appen Beinen rum, weil man mir meine beiden Currywur(st)zeln gekappt hat. "Schneider's Imbiss" in Paderborn musste einem Parkplatz weichen und ob es "Onkel Klaus - Das Würstchen aus Pinneberg" noch gibt, kann ich nun auch wieder nicht mit absoluter Wahrscheinlichkeit sagen. Allerdings zeichneten sich beide Erste-Hilfe-Buden dadurch aus, dass sie eine ausgezeichnete Schaschlik-Sauce zur Currywurst lieferten, in der - als Beispiel für eine frühe Bonus-Strategie - häufig ein Stück Zwiebel, Speck oder Fleisch zu finden waren. Diese frühen Chunky-Style-Saucen waren pures Doping und lösten spontane Glücksgefühle aus. Nur die strikte Diskretion der Kunden bewahrte sie davor, vor der Zeit wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz geschlossen zu werden.

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thomas_etzbach

Gerade wenn Kinder dabei sind, die ja nun nicht so scharf essen wollen,sollen,können kann man die Schärfe mit etwas Apfelmus abmildern

23.07.2022 11:10
Antworten
thomas_etzbach

Don Diego, Ich lebe seit über dreißig Jahren in Italien, bin aber im Ruhrpott aufgewachsen, in Duisburch ;-). Wenn ich hier mal die richtige Bratwurst kriege, gibts Currywurst für alle: Familie, Freunde und Feinde. Ich hab schon mehrere Soßen ausprobiert, aber deine ist die BESTE! Auch deine literarische Erklärung der Currywurst ist toll! Besonders das "Curryculum"

16.07.2022 09:23
Antworten
LeeNoo

Das ist wirklich mit ABSTAND das beste Currywurst Rezept! Das auch am ALLER schönsten formuliert wurde. Eine ganze Geschichte wurde darum gebastelt... xD ich lieb diese Variante gibt es bei uns jetzt NUR noch! da kann normale Currywurst gar nicht mehr mithalten! Alle Daumen hoch!!!! <3

12.05.2022 16:34
Antworten
Kuechenwohner

Das trifft mitten ins Schwabenherz, Don Diego, vielen Dank dafür! Natürlich fremdelt die Currywurst immer mit einer Privathausküche, sie ist nun mal ein Strassenkind. Das Brötchen, dass die klassische Erdgeschossgastronomie dazu reicht, würden wir daheim nicht auf den Esstisch lassen, die Papierserviette, die sich nicht einmal den Anschein von Saugfähigkeit gibt, macht jede Küchenrolle platt. Aber manchmal findet man halt ums Verrecken keine Bude, an der es so richtig schmeckt, wie es sich gehört, Läden, die eine zerkleinerte Wurst mit kaltem Eimerketchup überziehen und mit irgendwas gelben bepudern: Dann ist Selbermachen Gebot der Stunde. Und danke auch für das schöne Bild mit der ziselierten Wurst; so mache ich das auch immer. Ist ein kleines bisschen Arbeit aber eine Zeitspanne, in der Platz für die Vorfreude ist. Für mich liegt das Problem mit der guten Currywurst an Schaschlik: Früher ein Standard an praktisch jeder ordentlichen Bude, heute - warum auch immer - vom Aussterben bedroht. Da wird nun überall nach Schutzwürdigen Minderheiten gesucht und gegendert: Das arme Schaschlik fällt dabei buchstäblich durch den Rost. Dabei ist die Sauce, in der ungezählte Tage lang diese leckeren Fleischspiesschen vor sich hinblubbern, der großartige Aromensammler, der - wie so treffend von Dir beschrieben - die Currywurst erst so richtig zur Hochform auflaufen lässt. Längst schon ist ihre Bude irgendeiner Innenstadtverschönerung zum Opfer gefallen: In Kornwestheim hat Frau Weiss den „Kornwestheimer“ kredenzt: je eine Currywurst rot (Bockwurst) und weiss (Rostbratwurst) in Scheiben ( kein Mann kann beim maschinellen Zerteilen einer Wurst ohne ein gewisses Gefühl der Beklommenheit zusehen…), darauf geschmälzte Zwiebeln, Ketchup, reichlich Schaschliksauce und wirklich gutes Currypulver. Das konnte man in Anbetracht des labilen Pappschälchens und der eigenen Gier nie unfallfrei vertilgen… Gleichgesinnte Grüße von „Nudelwassee klassisch“

15.02.2022 09:37
Antworten
aleha

Superlecker. Ich dachte ja, dass sie meinem Mann und meiner Tochter nicht so schmeckt, aber siehe da, beide waren genauso begeistert wie ich. Immer wieder gerne. ***** von uns. Viele Grüße aus dem Frankenland Aleha

22.03.2021 09:15
Antworten
Angelika_ready2cook

... es ist mir völlig egal ob dieses Rezept schmeckt - ich habe es auf jeden Fall in meinem Kochbuch gespeichert! Ich werde es auch gelegentlicch ausprobieren und auf jeden Fall grinsend vorm Kochtopf stehen, schon alleine diese Tatsache sind 5 Sterne wert! Dankeschön für diese erschöpfende Geschichte, die einer Bayerin wie mir, die für mich exotische Currywurst näherbringt.

22.07.2014 16:51
Antworten
Angelika_ready2cook

... noch eines - es ist leider schier unmöglich dieses Rezept in seiner vollen Länge auszudrucken - sie ist drei Seiten lang ...

22.07.2014 16:52
Antworten
roadside

... die ersten drei Seiten einer "unendlichen Geschichte"! Unser Dank gebührt Sonia* von CK, die als Bearbeiterin dieses Beitrages beide Augen zugedrückt hat. Ich weiß, ich sollte mich schämen (tue es aber nicht), ich weiß, es gibt sehr viele Currywurst-Saucen-Rezepte (und sicherlich einige, die besser sind als meins), aber wenn das Herz überläuft.... Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße nach Bayern Don Diego

22.07.2014 18:28
Antworten
kochbuche

Herrlich Ihre philosophischen Auslassungen über die scheinprofane Currywurst. Curry fürs Hirn. Danke :-) Und woher krieg ich jetzt eine Currywurst? sabber...

09.07.2014 18:22
Antworten
roadside

... und dabei wurden wesentliche Fragen nicht mal gestreift! Currywurst als UNESCO-Weltkulturerbe. Eine entsprechende Initiative ist längst überfällig, woll? Warum sollen nur die mexikanische und peruanische Küchentradition eine solche Ehrung erhalten? Um nur ein weiteres Beispiel zu nennen... vorläufig. LG Don Diego

12.07.2014 19:52
Antworten