28.03.2014 - Die Hälfte meiner veganen Fastenzeit ist nun geschafft. Ich kann es gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Trotzdem freue ich mich darauf, bald wieder essen zu können, wonach mir die Laune steht. Klar, macht es mir weiterhin viel Spaß und fühle mich als Veganer wohl – aber es ist schon schwierig und mein Respekt vor den echten Veganern steigt mit jedem Tag.

Was habe ich in den letzten zwei Wochen Neues über die vegane Küche gelernt? Dass vor allem die indische Küche viele Gerichte für Veganer bereithält. Das ist großartig, denn an die indische Küche habe ich mich vorher kaum rangetraut. Das würde ich ohnehin jedem Neu-Veganer oder –Vegetarier raten: Statt die alt bekannten Gerichte einfach ohne Fleisch und Käse nachzukochen, ist es viel einfacher, sich auf neue Gerichte einzulassen. Sonst sucht man beim ersten Biss  nach dem alten Geschmack und erreicht ihn doch nie zu 100 Prozent. Aber muss man auch nicht, es gibt sooo viele vegane Gerichte, die richtig toll sind. Man muss sich nur mal darauf einlassen.

Meine vegane Backstube

Natürlich gelingt auch nicht alles auf Anhieb… Wie in meinem Fall das Backen. Statt Süßigkeiten zu naschen und mich an den Kuchen, Weingummis, Krümelmonstermuffins und Franzbrötchen zu bedienen, die die Kollegen hier immer wieder mitbringen – warum gibt es ausgerechnet in der Fastenzeit so viele Geburtstage, menno! – backe ich mir am Wochenende vegane Kuchen.

Mein erster Versuch war ein Apfelnuss-Kuchen. Geschmeckt hat er super, nur die Konsistenz war ungewohnt: Matschig. Obwohl ich mich an die Temperatur und Zeit gehalten habe und obwohl mein Ofen bestens funktioniert. Nur habe ich nicht eingesehen, mir für 3 EL extra ein Sojamehl zu kaufen. Das andere Mehl tut’s doch auch – dachte ich. Jetzt weiß ich es besser, denn das Sojamehl dient als Ei-Ersatz, wie ich dann erfahren habe. Bei meinem zweiten veganen Kuchen, einem Schokokuchen, war ich schlauer. Dieses Mal habe ich mich nicht nur an die Backanleitung gehalten, sondern auch an alle Zutaten. Scheinbar war die erste Erfahrung aber doch ein bisschen zu lehrreich, denn dieser Kuchen war ein bisschen zu lange im Ofen. Deswegen war er dieses Mal auch nicht matschig, sondern einen Tick zu trocken. Lecker war er trotzdem. Doch wie heißt es so schön: Aller guten Dinge sind drei. Ich bin zuversichtlich, dass der nächste mir perfekt gelingen wird. Denn ganz unmöglich scheint es nicht zu sein. Meine Kollegin Katja, die extra vegane Muffins mit einer Zuckeralternative gebacken hat, damit auch wirklich alle veganen (Zucker & Kaffee-)Fastler mitessen können, hat es ja auch hinbekommen. Ihre Muffins waren perfekt. Das möchte ich auch schaffen.

Als Veganer „outen“

Bisher habe ich überwiegend positives Feedback zu meiner veganen Fastenzeit bekommen. Familie und Freunde unterstützen mein Vorhaben und haben immer eine vegane Alternative zu essen mit eingeplant. Vielen lieben Dank dafür. Selbst Ausessen gehen hat bei mir prima funktioniert. Auch wenn ich ein bisschen gefuscht habe und mir ein Restaurant ausgesucht habe, dass auch vegane Gerichte anbietet. Aber auf der anderen Seite: Wenn ich etwas Italienisches essen möchte, gehe ich ja auch nicht auf gut Glück zum Chinesen. Deswegen ist es nur halb gefuscht, finde ich. Später am Abend wollte ich jedenfalls noch ins Kino gehen. Und dort Popcorn essen. Ich stehe also an der Theke und frage, ob an dem Popcorn Butter sei. Zucker und irgendein Öl oder Butter werden schon dran sein, war die Antwort. Ich: „Na gut, dann frage ich genauer: Ist das Popcorn vegan?“ Er, laut Richtung Kasse rufend: „Oh mein Gott, Markus (ich glaube so war der Name): Darf man unser Popcorn offiziell als vegan bezeichnen?“ – dass der Unterton genervt war, muss ich wohl nicht mehr erwähnen. Schön. Nun weiß also die ganze Schlange an der Kasse und die Schlange hinter mir, dass ich vegan esse – und dass ich ihn mit so einer blöden Frage belästige. Naja, letztendlich habe ich meine Antwort und auch mein Popcorn bekommen, aber das war mir schon ziemlich unangenehm und ich war geneigt, ihm zu erklären, dass ich es nur als Experiment mache. Aber dann dachte ich mir: wozu? Ist doch meine Entscheidung und ich darf nachfragen, was sie verkaufen. Ob man das an der Kino-Snacktheke wissen muss, ist wieder eine andere Frage. Aber er hätte auch einfach sagen können: Tut mir leid, das weiß ich nicht. Wäre mir auch egal gewesen. Ich setze nicht voraus, dass jeder meinen Entschluss, vegan zu essen, versteht oder gut findet – warum auch? Aber so offenkundig zu zeigen, wie lästig ihm meine Nachfrage ist, muss auch nicht sein, finde ich. Schließlich bleibt einem Veganer im Zweifel nichts anderes übrig, als nachzufragen. Aber gut, für meinen nächsten Kinobesuch weiß ich Bescheid.

Mein Rückblick auf die Schnelle:

Mein kulinarisches Highlight

Die indische Linsensuppe aus meiner ersten Fastenwoche ist noch nicht von ihrem Thron gestoßen worden. Aber ganz, ganz dicht dran sind Vollkornbratlinge. Die sind super gut und schmecken mir sogar besser als Frikadellen.

Mein kulinarischer Flop

Leider, leider mein selbst gemachter veganer Parmesan-Ersatz. Ja, wirklich leider, leider, denn ich liebe Pasta. Am liebsten als aglio e olio e peperoncino-Variante mit gebratenen Paprikastreifen oder kurz in der Pfanne geschwenkten und halbierten Cherrytomaten. Dazu gehört natürlich eine ordentliche Portion echter Parmesan, der mindestens 36 Monate gereift ist. Der saugt das Olivenöl nochmal schön auf und gibt dem Ganzen die perfekte Würze. Mmh, lecker! Nun fehlt der Parmesan leider in der Fastenzeit und die Pasta schmeckt mir nur noch halb so gut. Was habe ich mich über das Rezept für veganen Parmesan gefreut, das ich gefunden habe: Mit Hefeflocken, Pinienkernen und Knoblauch. Klingt gut, schmeckt für mich aber leider nach Brühwürfeln.

Meine neusten Gelüste

Meine Lakritzlust habe ich hinter mir – zum Glück. Jetzt sehne ich mich nach Schafskäse. Letzte Woche hatte ich nicht wenig Lust, in den Supermarkt zu gehen, mir ein Paket Schafskäse zu kaufen und reinzubeißen, als wäre es ein knackiger Apfel – ich habe es natürlich nicht gemacht. Und ich werde das so auch nach der Fastenzeit nicht machen. Schafskäsebrösel auf einem Salat wird aber eine Sache sein, die ich ziemlich bald nach Ostern essen werde.

Womit belohne ich mich zur Halbzeit?

Da dürft ihr nur einmal raten: mit der indischen Linsensuppe, die ich direkt in meiner ersten Fastenwoche kennen- und liebengelernt habe. Ich freu mich schon auf heute Abend.

Als Ernährungswissenschaftlerin schaue ich genau auf mein Essen – und lasse es mir schmecken!

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