12.03.2014 - Ich faste. Sechseinhalb Wochen lang verzichte ich auf viele Köstlichkeiten. 40 Tage lang – nein eigentlich 46 Tage lang, denn ich faste auch sonntags – trinke ich nicht nur keinen Alkohol. Nein, ich setze noch einen drauf und esse keinerlei tierische Produkte.

Schluss mit Fleisch. Schluss mit Käse und Wurst. Schluss mit meinem heiß geliebten Joghurtdrink zum Frühstück. Schluss mit vielem. Und vor allem Schluss mit einfach. Genau das trifft’s am besten. Konnte ich noch letzte Woche beim Stadtbummel in eine Bäckerei einkehren, um meinen Heißhunger mit einem köstlichen Quarkbällchen oder noch besser mit einem gut gemachten Puddingteilchen zu stillen, muss ich jetzt genau überlegen und nachfragen, was geht und was nicht geht. Leider bleibt dann meist nur ein trockenes Brötchen übrig. Das macht satt – ja, aber es ist nicht ganz das Gleiche. Stattdessen gehe ich ab jetzt ein paar Schritte weiter zum Obst- und Gemüsehändler, der seit Neuestem auch frisch gepresste Säfte anbietet. Was habe ich ein Glück! Aber warum tue ich mir das an, vegan zu fasten? Weil ich jedes Jahr faste. Und weil ich neugierig bin. Ich wollte einfach wissen, wie es sich als Veganer so lebt. Theoretisch war es mir klar: Ich weiß, welche Lebensmittel Veganer essen können und welche nicht. Ich weiß auch, auf welche Nährstoffe sie achten müssen und wovon sie deshalb mehr essen müssen. Aber wie der Alltag aussieht, vor welchen Herausforderungen sie stehen, wenn sie einkaufen, sich mit omnivoren Freunden treffen oder eben einen Stadtbummel machen, wusste ich nicht.

Vegan Fasten im Alltag

Und wie klappt das Vegan sein? Zu Hause klappt‘s prima. Weil ich mir schon zwei, drei Wochen vorher überlegt habe, wie ich vorgehen werde. Was werde ich essen? Was wird mir schwerfallen? Welche Alternativen habe ich? Kann ich das durchhalten? Und ja, es geht. Statt mit Frischkäse auf meinem Brot verwöhne ich mich mit einer selbst gemachten Erdnusscreme oder Auberginenpaste. Oder ich bediene mich aus dem recht breiten Angebot an pflanzlichen Brotaufstrichen, die man inzwischen nicht mehr nur im Reformhaus bekommt, sondern auch im Supermarkt und beim Discounter. Das sind definitiv Produkte, die ich mir ohne Fastenzeit wohl nicht besorgt hätte. Aber: Sie sind eine gute Alternative und schmecken um Längen aufregender als meine bisherigen Pausenbrote mit Frischkäse wahlweise mit und ohne Kräuter oder Schnittkäse. Auch die (warme) Hauptmahlzeit daheim ist kein Problem – mit dem richtigen Rezept  erst recht nicht. Zumal ich auch vorher mehr oder weniger bewusst als Teilzeit-Vegetarier gelebt habe, war die Umstellung nicht mehr allzu groß.

Etwas schwieriger ist es bisher außerhalb. Vorher war ich ein gern gesehener Gast in der Kantine, die jeden Tag vier Gerichte anbietet, wovon eins vegetarisch ist. Aber eben nicht vegan, sondern mal gratiniert mit Käse, mal mit Honigdressing, mal mit Butter verfeinert. An solchen Tagen (also vier von fünf) kann ich natürlich auf das Salatbuffet ausweichen oder mir etwas von zu Hause mitbringen. Und auf Letzteres läuft es jetzt meist hinaus. Also stelle ich mich am Abend vorher noch in die Küche und probiere neue Kreationen aus. Mal einen Salat, mal etwas Warmes. Etwas, das ich mir vorher nicht vorstellen konnte – mich nach einem langen Arbeitstag noch in die Küche zu stellen und zu kochen – ist auf einmal gar nicht mehr so tragisch. Nein, es macht sogar Spaß. Eigentlich klar, denn auch am Wochenende koche ich liebend gerne und probiere neue Gerichte aus. Naja, so kommt man dann gut durch den Tag als Fastenzeit-Veganer. Die erste Woche ist schon geschafft.

Mein Rückblick auf die Schnelle:

Mein höchstes Hoch nach einer Woche fasten:

Das ist leicht. Ich bin ein Freund von Eintöpfen, so auch Linseneintopf mit Speck – in der Fastenzeit natürlich nicht. Aber dafür habe ich eine indische Linsensuppe ausprobiert. Klar, sie schmeckt komplett anders als der deftige Linseneintopf, aber sie schmeckt fantastisch und ging schnell (besonders wochentags wichtig für mich).

Mein tiefstes Tief nach einer Woche fasten:

Es gab gleich drei Tiefs. Ich kann mich nicht entscheiden, welches tiefer liegt. Nummer 1: Mir fehlen meine Lakritze (böse, böse Gelatine!). Nummer 2: An meinem zweiten Fastentag hat mein Kollege Christian sein Zweijähriges bei Chefkoch gefeiert (Herzlichen Glückwunsch) und für alle Mettbrötchen spendiert. Schön für die anderen. Unschön für jemanden, der auf Fleisch verzichtet und dessen Bürozimmer neben der Küche liegt (man glaubt nicht, wie sehr Mett mit Zwiebeln duftet). Nummer 3: Am Montag hat meine Kollegin Katja Muffins und Schokosahnekuchen mitgebracht und alles appetitlich in der Küche aufgebaut. Das war hart. Sehr hart als mein nachmittäglicher Süßjieper mich überkam. Aber ich konnte widerstehen und bin stolz darauf.

Darauf freue ich mich:

Lakritz!

Darauf kann ich weiterhin gut verzichten: 

Milch im Kaffee. Reis- und Haferdrinks sind wirklich gute Alternativen. Ich musste mich zwar erst daran gewöhnen, dass sie den Kaffee nicht umfärben, selbst wenn man große Mengen reinschüttet. Aber wenn man sich an die übliche Milchmenge hält, schmeckt das wirklich gut. Irgendwie getreidiger.

Als Ernährungswissenschaftlerin schaue ich genau auf mein Essen – und lasse es mir schmecken!

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