Laborfleisch

(Symbolfoto)

Was steckt eigentlich hinter Fleisch aus dem Labor? Wir klären auf und wollen von euch wissen: Ist Laborfleisch die perfekte Alternative für Vegetarier? 

Ob Sojawurst oder Tofuschnitzel – Veggieprodukte als Fleischersatz findet ihr mittlerweile in nahezu jedem Supermarkt und Discounter. Glaubt man Tönnies, einem der größten Fleischkonzerne Deutschlands, machen jedoch immer mehr Menschen einen Bogen um Veggieabteilungen. Tönnies ist vor drei Jahren selbst mit Veggie-Produkten an den Start gegangen, hat die Produktion aber kürzlich eingestellt. Der Hype sei vorbei, heißt es. 

Während Fleischersatzprodukte scheinbar ihren Reiz verlieren, verbreiten sich Meldungen zum nächsten großen Ding: Fleisch aus dem Labor. Den Anstoß dafür hat 2013 ein niederländisches Forscherteam mit der ersten im Labor gezüchteten Burgerfrikadelle gegeben. Die Forscher haben einer Kuh eine einzelne Muskelzelle entnommen und diese sich einige Trillionen Mal in einem Wachstumsbad teilen lassen. Das Ergebnis nennt sich "In-vitro-Fleisch" (von lat. in vitro: im Glas) oder Clean Meat und könnte die Zukunft des weltweiten Fleischkonsums sein. 

Weltweiter Fleischkonsum

Die weltweite Fleischproduktion hat sich in den letzten 50 Jahren auf rund 321 Millionen Tonnen vervierfacht (Stand 2016). Der durchschnittliche Erdenbürger verbraucht ca. 42 Kilo Fleisch pro Jahr, der Durchschnittsdeutsche sogar rund 60 Kilo.

Keine Massentierhaltung, kein Antibiotika

Der größte Vorteil von Fleisch aus dem Labor ist, dass das Tier, dem die Stammzelle entnommen wird, der Schlachtbank entrinnt. Noch dazu erübrigt sich mit In-vitro-Fleisch als Massenprodukt das Problem von Antibiotika in Fleisch, da Massentierhaltung der Vergangenheit angehören würde. Der Stammzellforscher Andreas Trumpp vom Deutschen Krebsforschungszentrum stellt außerdem klar, dass das Fleisch kein Krebsrisiko birgt. Insgesamt könnte es sich also um eine nachhaltigere Alternative zu "echtem" Fleisch handeln. Klingt nach dem perfekten Produkt, oder? 

Leider ist es das nicht – zumindest noch nicht. Trotz enormer Fortschritte verbraucht die Produktion noch zu viel Energie und das fertige Fleisch ist ein gutes Stück von einem massentauglichen Preis entfernt. Während das niederländische Forscherteam 2015 verkündet hat, man habe einen Preis von ca. 70 Euro pro Burgerfrikadelle erreicht, hat es 2017 schon geheißen, man könnte den Burger mittlerweile für etwa 10 Euro auf den Markt bringen.

Für Vegetarier, die aus ethischen Gründen auf Fleisch verzichten, stellt In-vitro-Fleisch noch keine wirkliche Alternative dar. Grund ist, dass ein entscheidender Bestandteil des Wachstumsbads, in dem das Laborfleisch entsteht, das Serum des Bluts von Kälberföten ist. Den Föten wird Blut direkt aus dem Herzen entnommen – ein Eingriff, den sie nicht überleben. Das niederländische Forscherteam arbeitet aber bereits an einer Alternative auf Pflanzenbasis.

Das Fleisch der Zukunft – auch für Vegetarier? 

Schon jetzt kämpfen zahlreiche Bewerber darum, als Erster mit In-vitro-Fleisch den Markt zu erobern. Nach aktuellem Stand rechnen die niederländischen Forscher allerdings damit, dass das Laborfleisch frühestens 2021 marktreif sein wird. Dann könnte es ein globales Problem lösen, das in den kommenden Jahren immer weiter wachsen wird: der stets steigende Fleischkonsum und die damit verbundenen Umweltbelastungen.

Bleibt noch die Frage, ob In-vitro-Fleisch in Zukunft auch für Vegetarier interessant sein wird. Hier seid ihr gefragt, liebe Vegetarier der Chefkoch-Community: Stellt euch vor, man setzt euch ein perfektes Stück Fleisch vor, das aus einer einzelnen, schmerzfrei entnommenen Zelle einer glücklichen Kuh stammt. Gleichzeitig ist die Forschung so weit fortgeschritten, dass das Wachstumsbad auf Pflanzenbasis beruht. Schnappt ihr euch Messer und Gabel und probiert? 

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