Sie war Seele und treibende Kraft von Chefkoch, und ihr Lachen strahlte Lebensfreude und Energie aus. Anne Bartel ist im Alter von 36 Jahren gestorben.

 

Was kann eine Germanistin in der Welt des Internets bewirken, wenn es doch eine Tech-Domäne der IT-Experten ist? Enorm viel! Als Redaktionsleiterin von Chefkoch konnte Anne die Sprache des Online-Magazins so formen, dass die redaktionellen Artikel auf die erste Seite von Suchmaschinen katapultiert wurden. Aus Literaturwissenschaft wurde Suchmaschinenmarketing. Einmal wurmte es sie, dass das Suchwort „Olivenöl“ keine guten Suchergebnisse für Chefkoch brachte. Sofort schrieb sie einen Artikel, bis Chefkoch spitzenmäßig platziert war. Lange behielt sie diesen Fokus bei, ließ Artikel zu wichtigen Themen produzieren und optimieren und schulte ihre Mitarbeiter im Bereich der Suchmaschinenoptimierung – selbst als diese Disziplin noch in den Anfängen steckte, erkannte sie das Potential. Als Social Media strategisch wichtig wurde, hat sie federführend ein interdisziplinäres Team auf einen erfolgreichen Weg Richtung Facebook & Co. geschickt. Kaum hatten die IT- und Produktkollegen agile Methoden eingeführt, hat Anne kurzerhand auch die Redaktion auf agiles und selbstorganisiertes Arbeiten umgestellt und ihre Mannschaft als Coach zu neuen Höchstleistungen motiviert. Als Führungspersönlichkeit hat sie wissbegierig gelernt und zielstrebig mehrere Geschäftsführer und Abteilungsleiter „überstanden“, wodurch sie von allen anerkannt zur dienstältesten und zugleich jüngsten Führungskraft wurde.

Seit 2011 hat Anne Chefkoch geprägt. Sie packte begeistert an und steuerte mit Geschick den inhaltlichen Ausbau des Online-Magazins Rubrik um Rubrik. Nutzwertige Werbeformen hat sie mit ihrem Team und den Vermarktungskollegen ebenso geschaffen wie vielfältige unterhaltsame Videoformate, die für Chefkoch.de und Social Media konfektioniert wurden. Aber auch die Einführung eines effizienteren Content-Management-Systems hat sie energisch getrieben und gekonnt mit den Kollegen aus Produktmanagement und IT in kürzester Zeit an den Start gestellt. Voller Stolz und zurecht gingen Auszeichnungen wie die „beste Website des Jahres“ an sie. 

Ihre Erfolge waren aber nicht nur das Ergebnis ihrer leidenschaftlichen Arbeit, sondern auch ihrer emotionalen Intelligenz. Anne hat sich gefreut wie eine Schneekönigin über das erste „Chefkoch-Baby“. Sie hat mitgelitten und in der Kaffeeküche getröstet, wenn jemand Liebeskummer hatte. Gab es mal schlechte Stimmung, dann hat sie es sofort offen und ehrlich angesprochen, sodass alles wieder gut wurde. Anne hat Aussprachen organisiert und Konflikte moderiert. Sie spürte und verstand, wie es Kollegen ging, und sie hat sich immer gekümmert, weil Anne die Menschen liebte.

Ihr liebster Platz bei Chefkoch war die Terrasse. Hier hat sie manches geregelt oder einfach das Leben in vollen Zügen genossen. Selbst wenn sie mal morgens als Muffel verschlafen zur Tür hereinschlich, später etwas schiefging, schlechte Nachrichten reinplatzten, dann hat Anne abends trotzdem beim Feierabendbierchen auf der Terrasse den Tag Revue passieren lassen und ihm dabei so viel Gutes abgerungen, bis alle versöhnt und happy nach Hause gehen konnten. So war sie, von Grund auf konstruktiv und optimistisch. „Anne würde nicht wollen, dass wir verzagen“, sagte ein Kollege und Freund von Anne auf der Terrasse. Am Dienstag nach Ostern, dem schrecklichsten Tag, den Chefkoch je erlebt hat. Als alle erfahren hatten, aber es nicht glauben wollten, dass Anne nie wieder auf diese Terrasse kommen würde.

Annes Zaubermittel war das Lachen. Sie beherrschte alle Spielarten dieser „fröhlichen Magie“ aus dem Effeff. Immer wenn sie vertieft mit ihrem Kopfhörer vorm Monitor saß, konnte sie plötzlich loskichern. Schickte ein Kollege Witze in die Runde, konnte Anne lauthals losprusten, bis selbst zwei Büros weiter alle mitlachen mussten. Wenn sich Kollegen in Meetings verfranzten, kam irgendwann ein souveränes Lächeln: „So, Leute, jetzt ist mal Schluss! Wie kommen wir nun konkret voran?!“ Klappte sie ihr Notebook auf für eine Präsentation, grunzten als Hintergrundbild die schwimmenden Schweinchen am Traumstrand ihres Bahamas-Urlaubs und Anne griente kurz verträumt. Im Flur schnupperte sie leckerem Essen hinterher, und wenn sie dabei mit dem „Chefkoch-Hund“ Rakete spielte, fing selbst die Französische Dogge an, schnaufend zu gickeln. Beim Firmenlauf in der Bonner Rheinaue feuerte sie Kollegen an und kugelte sich vor Lachen, wenn die Kollegen beim Laufen oder beim Trinken danach Faxen machten. 

Die Rheinländer können feiern. Nicht nur zu Karneval. Aber wenn es die Beueler Weiberfastnacht nicht schon gegeben hätte, dann hätte Anne sie erfunden. „Ich bin ein Bönnsche Mädsche!“ Bei Sturm oder Schnee zog Anne jedes jecke Frühjahr nach Küdinghoven, wo sie aufgewachsen ist, mit einem Trupp vom Tennisvereinsheim in die Garage eines Freundes und weiter in die Bonner Altstadt oder wo sie gern gesehen war. Und sie war gern gesehen. Das ganze Jahr über. Von vielen in ganz Bonn. Freitags war die Frage, ob sie feiert, eigentlich überflüssig. Die einzig richtige Frage war, wen, was oder wo sie feiert.

Anne wurde 1981 in Bonn geboren. Sie ging zur Ennertschule und machte später Abitur am Friedrich-Ebert-Gymnasium. An der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn absolvierte sie Germanistik und Komparatistik. Nach einem Abstecher ins TV-Metier bei Endemol wurde sie Onlinerin mit Haut und Haaren. Nach zwei Startups landete sie bei Chefkoch. Dort war ihr letzter Beitrag als Führungskraft das Anbringen eines „Company Boards“: eine Übersicht von Chefkoch-Projekten, die sie mit ihrem Vertriebskollegen im Flur bei Chefkoch gestaltet und aufgehängt hat. Das Company Board dient dem Austausch aller Mitarbeiter, um übergreifende Initiativen für alle transparent zu machen und damit sich alle bestmöglich für den Erfolg von Chefkoch abstimmen und einsetzen können. Das war ihr Anliegen bei allem, was sie tat: Hand in Hand und leidenschaftlich das Unternehmen Chefkoch erfolgreich machen.

In der Nacht zum Karfreitag ist Anne tödlich verunglückt. Sie lebte gerne in der Bonner Südstadt, und gleich nebenan in Poppelsdorf wird sie bleiben. Sie hinterlässt ihre Eltern, einen Bruder und sehr, sehr viele Menschen, Freunde und Kollegen, die sie schätzten und liebten. Wir werden sie vermissen. Sie ist ein Teil von Chefkoch – sie wird immer ein Teil von Chefkoch sein. Und eins kann uns keiner nehmen, Annes Lachen in unseren Herzen.

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