Speiseinsekten essen

Wir wollen ein wenig Licht in die Thematik bringen und haben außerdem höchstselbst mit Insekten gekocht. Schaut einfach mal rein, wenn ihr euch traut.

Eines möchte ich klar stellen: Insekten sind nicht gleich Insekten. Wer denkt: Ach, ich gehe mal eben in den Garten, suche mir 'nen Regenwurm, ein paar Käfer und vielleicht noch eine flauschige Raupe dazu, alles in den Topf und gib' ihm. Das ist NICHT der Ansatz von Speiseinsekten! Vielmehr geht es darum, Rezepte zu kochen, für die speziell (nicht in freier Wildbahn) gezüchtete, gefriergetrocknete (nicht mehr lebende und ohne Körperflüssigkeiten) Insekten verwendet werden. Somit hat mein Selbstversuch auch nichts mit einer Dschungelprüfung im Privatfernsehen zu tun.

Mir geht es nicht darum, die Moralkeule zu schwingen oder alle Fleischesser zu alternativer Insektenkost zu missionieren, dafür esse ich selbst zu gerne Fleisch von Rind, Schwein, Geflügel und Co. Ich will das Thema neutral betrachten und euch zeigen, warum Speiseinsekten (noch) keine Chance bei uns haben. Wenn einige von euch an dieser Stelle aufhören zu lesen, dann ist das okay für mich. Es werden hier keine Bauchpinsel- und Lobhudeleien, aber auch keine Abfälligkeiten für oder gegen den menschlichen Verzehr von Insekten ausgebreitet werden. Ich werde lediglich berichten, über das, was ich persönlich im Dienste der Foodwelt getestet habe.

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht

Speiseinsekten gelten als proteinreiche Alternative zu Fleisch und Fisch. Das Problem ist, dass es in der westlichen Welt schlichtweg nicht von kindesbeinen an gelernt ist, dass Insekten menschliche Nahrung sind. Für uns sind sie Ungeziefer, das nur dort auftaucht, wo es schmutzig ist und nichts, aber auch gar nichts in Töpfen und auf Tellern verloren hat. Sie lösen also nicht nur Abneigung, sondern bei vielen Menschen unüberwindbaren Ekel aus. Ich wollte wissen, was das Thema bei mir macht und habe darum den Selbsttest gemacht.

Der Selbsttest mit Insekten

Wie schmecken Insekten denn nun? In der Rezension zum Kochbuch "Das Insekten Kochbuch" von Folke Dammann und Nadine Kuhlenkamp bin ich der Frage nachgegangen. Keine Angst – ich kann verraten, sie beißen nicht.

Wir haben 4467 Leute gefragt...

Wir haben Chefkoch-Nutzer befragt, wie sie zum Thema Insekten stehen. Interessant ist, dass nur ein Viertel der Teilnehmer Insekten unter keinen Umständen jemals probieren würden. Etwa genauso viele können sich immerhin bei Nahrungsengpässen vorstellen, Insekten in den Speiseplan aufzunehmen. Ebenfalls mehr als ein Viertel stehen dem Thema Speiseinsekten offener gegenüber: Sie haben schon einmal probiert oder würden es bei Gelegenheit tun.

"Könnten Insekten irgendwann Teil eurer Ernährung sein" – das Ergebnis einer Umfrage unter Chefkoch-Nutzern:Umfrage Chefkoch-Nutzer

Das zeigt im Prinzip den Grundtenor der "Warum-Insekten-essen-Diskussion": Als einmaligen abenteurlichen Snack oder Mutprobe würden einige Leute Insekten durchaus probieren, jedoch ist die Hemmschwelle für den regelmäßigen Genuss (noch) zu groß. Aber woran liegt das?

Warum Ungeziefer essen? – kleine Warenkunde

Der Grund, warum man auch in den westlichen Ländern auf die Idee kommt, Insekten in den Speiseplan aufzunehmen, ist dass sie sehr proteinreiche Nahrung darstellen. Da Angebot und Nachfrage noch sehr niedrig sind, ist der Verkaufspreis von speziell für den menschlichen Verzehr gezüchteten Insekten sehr hoch. Nachfolgend ein paar Nährwert- und Preisangaben zu Insekten im Vergleich zu anderen proteinreichen Lebensmitteln:

Nahrungsmittelmittlerer Preis in Euro pro 100 gKalorien (kcal pro 100 g)Protein (in g pro 100 g)Kohlenhydrate (in g pro 100 g)
Heuschrecken65,-55948,21,1
Buffalowürmer20,-48456,26,7
Grillen33,-458690
Mehlwürmer20,-55045,15,4
Thunfisch eingelegt1,50426240
Sojabohnen0,404463630
Harzer Käse1,00392240,1
Putenbrustfilet1,50106211

Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis von günstigem Preis zu proteinreicher Kost bekommt man bei Grillen. Nichtsdestotrotz muss man sagen: Ein Menü für viele Personen kann ganz schön ins Geld gehen – je nachdem, wie viele Sorten Insekten man verwendet. Man muss aber auch sagen: Proteinreich und kohlenhydratarm sind sie allemal.

Stellen wir uns einmal einen Dialog zwischen einem Pro-Insektenesser und einem Kontra-Insektenesser vor:

Kontra: "Warum sollte ich Insekten essen? Ich, der im Überfluss anderer Köstlichkeiten lebt. Außerdem sind die Viecher auch noch sauteuer. Weiß der Teufel, ob sie überhaupt schmecken."

Pro: "Welche außergewöhnlichen Delikastessen gibt es denn in den europäischen Ländern? Froschschenkel und Schnecken in Frankreich, Haggis (Schafshirn) in England, rohe Austern, Schalentiere aus dem Meer und Kaviar usw. Die Liste ist lang. Alles Delikatessen, die nicht Jedermanns Fall sind und ebenso stolze Preise haben. Wieso dann keine Insekten probieren?"

Kontra: "Diese Speisen sind Delikatessen, weil die Menschen damit aufgewachsen sind. Oder weil sie einfach lecker schmecken. Insekten und anderes Ungeziefer kommen doch nur in Asien oder sonst wo auf den Teller."

Pro: "Sie werden als Delikatessen deklariert, das heißt nicht, dass sie es auch sind. Aber was ist, wenn ich dir sage, dass bis vor einigen Jahrzehnten auch in Deutschland die Maikäfersuppe eine etablierte Speise war. Es ist immer die Frage, was wir gewohnt sind, zu essen. Bestes Beispiel dafür ist Sushi: Es gab vor 20 Jahren nicht viele Menschen, die kiloweise rohen Fisch und getrocknete Algen gegessen haben, heutzutage ist es sogar schick, Sushi zu essen. Alles, was fremd ist, schreckt erst einmal ab und wenn es hochwertig und lecker ist und die Masse auf den Geschmack kommt, kannt es sich mit der Zeit auch durchsetzen."

Ich hab's getan – der Videobeweis

Kaust du noch oder schmeckt's dir schon? Vanilleeis mit Grillentopping war meine erste Begegnung mit dem Insektenthema. Das Video liefert euch den Beweis – ich hab's getan!

Vanilleeis mit Grillentopping
Von: Chefkoch.de, Länge: 0:27 Minuten

Esst Insekten!

Von Zeit zu Zeit nehmen verschiedene Medien das Thema "Insekten als Nahrung für den Mensch" auf; meist immer dann, wenn von Überbevölkerung, Klimawandel oder einer Nahrungsalternative zu Fleisch die Rede ist. Das Totschlag-Argument für den Verzehr von Insekten ist die weiter steigende Bevölkerungszahl und der damit verbundene prognostizierte Zusammenbruch des globalen "Ernährungssystems", wie wir es heute kennen. Medien und Politik erreichen damit aber nicht, dass die Menschen in den westlichen Ländern sich nun von Insekten ernähren. Solange sich Werbung, Supermarktketten, Politik und Wirtschaft gegen dieses Thema sträuben, werden Insekten eine Nische bleiben und es nicht mal zu einem Trendprodukt wie zum Beispiel Sushi schaffen – meine These.

Es fehlt an Aufklärungsarbeit, vielleicht auch der Wille zum freiwilligen Genuss. Auf Prognosen legen wir nicht viel Wert, solange in unserer Gegenwart alles in Ordnung ist – der Mensch ist eben ein Meister der Verdrängung.

Speiseinsekten Restaurant

Auch wenn Insekten schon heute für etwa 2 Milliarden Menschen – also für mehr als 25% der Weltbevölkerung – faktisch zum Speiseplan gehören, stößt das Thema in Industriestaaten auf wenig Interesse. Grund dafür ist der Nahrungsmittelüberfluss, aber auch die mangelnde Akzeptanz von Insekten als Nahrungsmittel. In diesem Sinne lege ich nun meine Neutralität ab und fordere, dass jeder in den Wald geht und seine Brotdose randvoll mit Insekten füllt. Oder einmal hier vorbeischaut:

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Warum Insekten als Nahrung (für uns) super sind

 Warum sind Insekten das neue Superfood?
 Sie passen perfekt in jede Hosen- oder Handtasche.
 Ein knuspriger Snack, der auch in rauen Mengen nicht dick macht.
 Isst du Insekten, bist du deiner Generation um einige Jahrzehnte voraus.

Vergesst Açai, Goji und Chia, Lucuma, Chlorella und wie sie alle heißen! Es gibt da eine neue Macht am Foodfirmament, die alle bisher da gewesenen Superfoods in den Schatten stellt: Insekten! Insekten sind der neueste heiße Shit und die Zukunft des alternativen Fleisch- und Proteinkonsums. Ende des Plädoyers.

Hobbykoch mit einem Faible für Küchenequipment. Fleisch und Bier sind mein Lieblings Fast Food.

Leidenschaftlicher Hobbykoch, aber nur mit praktischem Küchenequipment. Soll es doch mal schnell gehen, dann am liebsten Fleisch und Bier.

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