Statistisch gesehen tut es jeder von uns: Wir werfen Lebensmittel weg. Pro Person und Jahr landen 82 Kilogramm Lebensmittel in der Tonne. Gründe gibt es genug: Weil wir uns beim Einkauf verkalkulieren, die Lebensmittel nicht optimal lagern oder weil wir die Mengen für die Party zu großzügig geplant haben. Damit ist jetzt Schluss: So vermeidet ihr Essensreste.

Klar: Lebensmittel einfach wegwerfen, das will keiner. Und man selber gehört sicher nicht zu denen, bei denen 82 Kilogramm Essen im Mülleimer landen. Oder doch? Mal Hand aufs Herz: Lag vor dem letzten Urlaub nicht doch noch ein Joghurt im Kühlschrank, den wirklich niemand mehr essen konnte? Lauern im Vorratsschrank nicht doch noch irgendwo abgelaufene Konserven? Und wie war das nach der letzten Party: Wer sollte die übrig gebliebenen Salate noch essen? Sicher, immer alle Vorräte im Blick zu haben, ist nicht leicht. Aber mit ein paar einfachen Tricks, lassen sich Essensreste, die sonst in der Mülltonne landen würden, vermeiden.

Essensreste schon beim Einkaufen vermeiden

Planen, überlegen und vorausschauen ist das A und O, um Essensreste zu vermeiden. Auch wenn es Arbeit macht: Setz dich am besten einmal pro Woche bewusst hin und mach dir einen Wochenplan. Das fängt damit an, sich zu überlegen, was in der kommenden Woche ansteht: Was ist diese Woche los, wer aus der Familie isst wann, kommen Gäste? Schon ist der erste Schritt geschafft: Du weißt, für wie viele Personen du planst und einkaufen gehst.

„Schau vor dem Einkauf in deinen Vorratsschrank und in den Kühlschrank: Was läuft bald ab und wie kann ich das in meinen Wochenplan einbauen?“, rät Sarah Hermges von der Initiative "Zu gut für die Tonne!". Wenn du immer alle Produkte, mit dem kürzesten Mindesthaltbarkeitsdatum nach vorne stellst, ist das schnell erledigt. Ein Blick in die vorderste Reihe genügt dann schon und du siehst sofort, ob du die Sahne, passierten Tomaten, die eingelegten Oliven oder die Nudeln bald kochen solltest. Alles, was dir jetzt noch fehlt, kommt auf den Einkaufszettel.

Brotsalat
Von: The_Krauts, Länge: 3:22 Minuten

Das Rezept zum Video:

Der Einkaufszettel ist einer der wichtigsten Strategien, um Essensreste zu vermeiden. Wenn du dich im Supermarkt an diese Liste hältst und wirklich nur die Lebensmittel kaufst, die auf deiner Liste stehen, entgehst du am sichersten den typischen Supermarkt-Fallen. „Es gibt zwei typische Supermarkt-Fallen“, sagt die Expertin. „Das fängt schon bei dem Aufbau des Supermarktes an: Die Sonderangebote liegen meist dort, wo man automatisch vorbeigeht. Um aber zu den Grundnahrungsmitteln zu kommen, muss man meist längere Wege zurücklegen.“

Wenn man es eilig hat und ohne Einkaufszettel unterwegs ist, sind solche Sonderangebote besonders reizvoll – und zack – schon liegen sie im Einkaufswagen. Brauche ich die Schokolade überhaupt? Ist meine Tochter, die diesen Joghurt so liebt, überhaupt zuhause? – Solche Gedanken kommen einem bei diesen günstigen Angeboten erst gar nicht in den Sinn. Wer aber einen Einkaufszettel hat und sich vorher überlegt hat, welche Lebensmittel er wirklich braucht, dem passiert das nicht so leicht – und der hat vermutlich eine Woche später weniger Essensreste daheim.

„Natürlich sind nicht alle Rabatte und Angebote per se schlecht: Mengenrabatte können durchaus sinnvoll sein, wenn man diese Lebensmittel wirklich braucht“, erklärt Sarah Hermges weiter. Um den Supermarkt-Fallen zu entgehen und weniger potentielle Essensreste zu haben, geht man bestenfalls nur einmal pro Woche (mit Einkaufszettel) einkaufen. Natürlich klappt das nicht immer. Manche Lebensmittel müssen frisch eingekauft werden, weil sie leicht verderblich sind. Das gilt zum Beispiel für Fleisch und Fisch.

Keine Essensreste mehr durchs richtige Lagern

Wo und wie lange Lebensmittel am besten lagern, ist von Lebensmittel zu Lebensmittel unterschiedlich:

  • Gemüse ist im Kühlschrank mehrere Tage haltbar. Möhren, Radieschen, Pastinaken und anderes Wurzelgemüse muss nicht in den Kühlschrank, sie lagern auch im kühlen Keller gut. Kartoffeln bewahrst du am besten dunkel, trocken, luftig und kühl, dann bleiben sie mehrere Monate frisch.
  • Obst lagert je nach Sorte unterschiedlich: Äpfel und Birnen lagern am liebsten wie Kartoffeln: dunkel, luftig und kühl. Beeren gehören in den Kühlschrank, Süd- und Zitrusfrüchte nicht.
  • Frische Milch und Milchprodukte gehören in den Kühlschrank, am besten in die Mitte. Butter lagerst du am besten in der Kühlschranktür.
  • Fisch und Fleisch ist leicht verderblich. Beides kaufst du am besten frisch. Direkt über dem Obst- und Gemüsefach können sie aber durchaus ein paar Stunden liegen, denn da ist der Kühlschrank am kältesten.

Essensreste einfrieren

Obwohl du gut geplant hast, sind der Joghurt, Brokkoli und Camembert einfach zu viel und du schaffst es beim besten Willen nicht, sie noch zu essen? Wie wäre es dann mit einfrieren? Die meisten Lebensmittel lassen sich einfrieren und sind dann ein paar Wochen länger haltbar.

Bei allen Gemüsesorten gilt: Am besten in kleinen Portionen einfrieren. Das verhindert, das sie matschig werden. Bei Fruchtgemüse, das viel Wasser enthält, lässt sich das allerdings auch durch diesen Trick nicht verhindern: Tomaten können also eingefroren werden, sind danach aber matschig und eignen sich am besten zum Kochen. Damit Kohl, Hülsenfrüchte und Spinat ihre Farbe, Vitamine und ihren Geschmack behalten, müssen sie kurz blanchiert werden, bevor sie in der Kühltruhe landen.

Wie Gemüse muss auch Obst in kleinen Portionen eingefroren werden, weil es sonst matschig wird. Da wasserreiches Obst trotzdem durch das Gefrieren matschig wird, sind es weniger gut zum Einfrieren geeignet. Stattdessen kannst du Obst pürieren und als Smoothie genießen - so wird aus den Essensresten ein schneller, schmackhafter Drink. Die meisten Südfrüchte gehören ebenfalls nicht in die Tiefkühltruhe.

Auch Milchprodukte kannst du einfrieren, wenn der Frischkäse, der voll ausgereifte Weichkäse und die Butter einen hohen Fettgehalt haben. „Auch H-Milch kannst du bedenkenlos einfrieren. Sie schmeckt dann zwar etwas anders, aber mit ihr zu backen oder zu kochen, ist problemlos möglich“, weiß Sarah Hermges. Buttermilch, Joghurt und Hartkäse vertragen die Kälte allerdings nicht.

Fleisch muss vor dem Einfrieren luftdicht verpackt werden, um Gefrierbrand zu verhindern.

Essensreste bei einer Party vermeiden

Ob Weihnachten oder Geburtstagsfeier: Werden viele Gäste zu einer Party eingeladen, stellt einen das immer vor eine große Herausforderung. Jeder soll satt werden, jeder das bekommen, was ihm schmeckt – aber Essensreste soll es auch nicht geben. Mit guter Planung ist auch das möglich: Es ist nicht nötig, jeden Partygast mit einer oder gar mehreren Portionen von jedem Salat vom Buffet einzuplanen. Durch das breite Angebot und die Vielfalt werden alle Gäste satt. Die Initiative "Zu gut für die Tonne!" hat aufgrund von Erfahrungswerten, Mengen an fertig zubereiteten Speisen für ein Buffet zusammengestellt, die du für deine Party einplanen kannst:

PartygästeMenge zubereiteter Speisen
pro Person
Durchschnittsesser800 g
Vielesser oder starke Männer1000 g
Wenigesser, zierliche Frauen oder ältere Herrschaften600 g
Kinder bis 8 Jahre200 g

Quelle: Zu gut für die Tonne!

Wenn du das bei deiner Party berücksichtigst und vorher deine Gäste fragst, ob jemand etwas zum Buffet beitragen will, bleiben bestimmt nur wenig oder sogar gar keine Essensreste übrig.

Obwohl du Einkauf und Party gut geplant hast, sind trotzdem Essensreste übriggeblieben? Hier findest du viele Ideen und Rezepte zur Resteverwertung.

Zur Person

Sarah Hermges arbeitet im Kommunikationsbüro der Initiative "Zu gut für die Tonne!"

Jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, werfen wir weg. Pro Person und Jahr sind das rund 82 Kilogramm Lebensmittelabfall. Rund zwei Drittel davon wären vermeidbar. Wie sich Lebensmittelabfälle reduzieren lassen, zeigt die Initiative "Zu gut für die Tonne!" des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Akteure aus Industrie, Handel, Gastronomie und Landwirtschaft sowie Verbraucherverbände, Kirchen und NGOs unterstützen die Initiative. Unter www.zugutfuerdietonne.de finden sich Tipps zu Lebensmittellagerung und -haltbarkeit, Fakten zur Lebensmittelverschwendung sowie Rezepte für beste Reste.

Als Ernährungswissenschaftlerin schaue ich genau auf mein Essen – und lasse es mir schmecken!

Zur Kommentar-Verwaltung dieses Artikels
Cache dieses Artikels löschen.

Kommentare

Was sagst du zum Thema? Hast du noch weitere Tipps? Dann freuen wir uns auf deinen Kommentar.

Es sind maximal 1500 Zeichen erlaubt

Was sagst du zum Thema? Hast du noch weitere Tipps? Dann freuen wir uns auf deinen Kommentar.

Um selbst Kommentare abgeben zu können, musst du dich bei Chefkoch.de registrieren oder mit deinem Benutzernamen und Passwort anmelden.