Was gibt es Schöneres, als gemeinsam mit anderen Liebhabern der guten Küche zu essen? Und wer bekommt nicht gerne Lob und Anerkennung für seine Kochkünste? In Supper Clubs & Co. ist das möglich.

Supper Club – Was ist das eigentlich?

Das Prinzip Supper Club ist schnell erklärt: Ein begeisterter Hobbykoch lädt zum Essen zu sich nach Hause ein. Doch nicht seine Freunde, sondern Fremde. Je nach Laune und Größe der Küche wird für zwei bis 20 Hungrige gekocht, meist findet der Supper Club beim Gastgeber zu Hause statt. Der große Unterschied zum Restaurantbesuch ist die ungezwungene, private Atmosphäre – zwar sind die Gäste sich unbekanntaber meist lernt man sich im Laufe des Abends kennen. Supper Clubs sind aber noch vielseitiger – vom ungezwungenem Kochclub, dessen Mitglieder sich regelmäßig verabreden und reihum kochen bis zum professionellen Supper Club, dessen ausgebildete Köche Restaurantpreise verlangen, ist alles möglich.

„Restaurant für 1 Tag“ – So ist der Supper Club aus Sicht des Gastgebers

„Wer gerne ein guter Gastgeber ist, Leidenschaft für Kochen und Essen hat und anderen mit seinem Essen gerne eine Freude macht, kann einen Supper Club anbieten“, sagt Lars Spickers, Food-Blogger (https://colorsoffood.de/), der selbst seit 1 Jahr Supper Clubs veranstaltet. Aber was ist so reizvoll daran, einen eigenen Supper Club anzubieten? „Gerade für Fremde zu kochen, finde ich spannend – das hat was von Restaurantfeeling für mich.“

Lars Spickers, 39 Jahre, träumt von einem eigenen kleinen Restaurant, aber er kennt die Realität und macht sich nichts vor. „Koch zu sein, ist ein Knochenjob, man muss bereit sein, alles zu geben und aufzugeben. Von daher ist der Supper Club eine Art Rollenspiel für mich: Wie könnte es sein, ein eigenes Restaurant zu haben, zumindest für einen Tag.“ In „seinem Restaurant“ muss für Lars Spickers dann auch alles stimmen: „Die größte Herausforderung an dem Abend bin ich selber bzw. mein Perfektionismus. Ich möchte, dass der Abend für meine Gäste rundum gelungen ist“, sagt der Food-Blogger. Deshalb fließt auch viel Zeit in die Vorbereitung: Als Gastgeber legt er viel Wert auf regionale Produkte – sucht seine Lieferanten vorher sorgsam aus. Genau wie den Wein, den er zum Essen anbietet. Er besucht Weingüter der Umgebung und entscheidet dann, welcher Wein zu welchem Gericht am besten harmoniert. Auch die Rezepte entwickelt er selber. „In meinen Supper Clubs geht es Querbeet durch die ganze Welt, wobei meine persönlichen Präferenzen bei der französischen, chinesischen und deutschen Küche liegen.“ Sein nächster Supper Club im November steht unter dem Motto „Deutsche Klassiker neu interpretiert“ (ausverkauft) – im Dezember gibt es zum Jahresende einen ganz besonderen Supper Club. Auf dem Pfälzer Weingut Müller-Catoir wird er „Asian Fusion Food“ anbieten (zum Supper Club).

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Finanziell lohnt sich der Supper Club für die Gastgeber nicht oder anders gesagt „Supper Clubs sind nicht dafür da, Geld zu verdienen“, so Lars Spickers. „Klar ist mein Supper Club mit rund 100 Euro pro Person nicht der günstigste, aber ich habe auch viele Ausgaben. Von Zutaten über Location bis hin zu engagierten Servicekräften, damit ich mich aufs Kochen konzentrieren kann und meinen Gästen eine perfekte Atmosphäre bieten kann. Es macht mir einfach Freude, andere glücklich zu machen.“ Zeit, gemeinsam mit seinen Gästen zu essen, hat er leider nicht, „aber das macht ja auch kein Koch im Restaurant“, sagt er. „Deswegen habe ich aber die offene Location gewählt. Die Gäste können mich sehen und sind herzlich willkommen, Fragen zu stellen oder beim Anrichten zu helfen.“

Die Gäste sind Genussmenschen

Laut Lars Spickers sind die Gäste Genussmenschen, die ein überdurchschnittliches Interesse an Essen und Trinken haben und etwas Neues entdecken wollen. So auch Thomas Jansen, 59 Jahre: „Wir gehen gerne gut essen und lassen uns überraschen. Man weiß vorher nicht, was man zu essen bekommt. Das ist spannend. Es sind manchmal interessante Zusammenstellungen, die man so nicht erwartet. Dann ist man überrascht, wie gut sie tatsächlich schmecken.“ So geht es Thomas Jansen bei dem Besuch eines Supper Clubs eher darum, seinen kulinarischen Horizont zu erweitern, statt darum neue Leute kennenzulernen. „Es ist das Gesamtpaket aus gutem Essen und der angenehmen, lockeren Stimmung. Der Supper Club ist klein, persönlich, man kann sich nett mit den Leuten unterhalten und Fragen zum Essen stellen und dabei etwas lernen.“ Das ist wohl auch der größte Unterschied zu einem echten Restaurantbesuch: Man sitzt mit Fremden an einem großen Tisch, kommt miteinander ins Gespräch – und isst dabei ein Überraschungsmenü. Und wer will, kann einfach in die Küche gehen, den Koch kennenlernen und sich mit ihm austauschen. Damit sind Supper Clubs für jeden empfehlenswert, der gerne gut essen geht, sich fürs Kochen interessiert und dabei offen ist für Neues – da sind sich Gast und Gastgeber einig.

So findet ihr euren Supper Club

Die Verabredungsmöglichkeiten für Supper Clubs sind vielfältig – Facebook-Gruppen, Blogs und Mundpropaganda. Wer einen Supper Club in seiner Nähe finden möchte, muss meist gezielt danach suchen. Mit Abstand die meisten Supper Clubs gibt es in Berlin, eine nicht unbedingt vollständige Liste mit deutschen Supper Clubs gibt es hier.

Bevor man einen Supper Club besucht, macht man sich am besten schlau, empfiehlt Lars Spickers: Schaut euch Blog, Instagram oder vergangene Menüs an – so kann man herausfinden, was einen ungefähr erwarten wird. Manchmal steht der Supper Club auch unter einem Motto – so erfährt man dann auch etwas über das zu erwartende Menü. Aber dennoch ist es von Vorteil, wenn man grundsätzlich alles essen kann und will.

Supper Club und andere Kochgemeinschaften

Unter FRIENDSCOOKING findet man bei Facebook Gruppen für mehrere Städte, deren Mitglieder sich spontan zum Kochen verabreden. Eine nette Möglichkeit, um andere Gourmets in der Heimatstadt kennenzulernen, ist auch Dinner Hopping, das man unter Jumping Dinner oder Rudi rockt finden kann: Meist wird in Zweierteams einer von drei Gängen gekocht und zwei weitere Teams werden empfangen. Jeder Gang wird in einer anderen Wohnung gemeinsam mit anderen Mitspeisenden serviert – so hat man am Ende des Abends zwölf neue Leute kennengelernt. Das Prinzip ist so ähnlich wie bei "Das perfekte Dinner" – auf eine kritische Bewertung wird zum Glück aber verzichtet. Auch im Chefkoch.de-Forum werden gemeinsame Kochtreffen organisiert – die Möglichkeiten sind vielfältig und neben neuen Geschmackserfahrungen findet man oft genug auch neue Freunde. Probiert es einfach mal aus - und falls es keinen Supper Club in Ihrer Nähe gibt, dann gründet doch einfach einen!

Über Lars Spickers, Food-Blogger & Chefkoch-Mitarbeiter
Lars Portrait

 

Mit meiner Oma zusammen habe ich schon als Kind gerne den Kochlöffel geschwungen. Seitdem ist viel Zeit vergangen, aber die Leidenschaft zum Kochen und Genießen ist nur noch größer geworden. Mittlerweile habe ich noch eine Begeisterung für deutschen Wein, insbesondere Riesling, Gin und chinesisches Essen entwickelt.

 

Copyright Foto: privat

Als Ernährungswissenschaftlerin schaue ich genau auf mein Essen – und lasse es mir schmecken!

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