Sternekoch Alexander Herrmann im Interview

Interview mit Alexander Herrmann

(Foto: RTL / Markus Hertrich)

Es gibt nur wenige Kochshows im deutschen Fernsehen, bei denen Alexander Herrmann in den letzten 15 Jahren nicht mitgewirkt hat. Kein Wunder, stammt er doch aus einer traditionsreichen Hoteliersfamilie in Oberfranken, was vielleicht seine Doppelbegabung als Koch und als Entertainer erklärt. Er stellte sich dem Kochduell, kochte bei Kerner und bei Lanz, gegen Mälzer und wirkt bei zahlreichen anderen Formaten mit.

Im Fernsehen kochen kann er also, darüber könnte man fast vergessen, dass er bis heute zu den erfolgreichsten Gastronom:innen in ganz Deutschland zählt. Mit Leichtigkeit scheint er gleichzeitig vier Restaurants zu betreiben, eine Kochschule und eine Eventgastronomie zu leiten und nebenher Kochbücher zu veröffentlichen. Umso beachtlicher, wenn man bedenkt, dass sein Gourmetrestaurant in Wirsberg seit 2008 mit einem und seit 2019 mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnet ist.

Alexander Herrmann im Studio von Chefkoch TV

Alexander Herrmann im Studio von Chefkoch TV

(Foto: RTL / Markus Hertrich)

Nun hat Alexander Herrmann nochmal einen draufgesetzt und moderiert täglich auf RTL das neue Format Chefkoch TV. Wir wissen nicht, woher er die Zeit genommen hat, uns ein Interview zu geben – das haben wir ihn nicht gefragt.

 

Lieber Alexander, wie beurteilst du deine Rolle bei Chefkoch TV nach den ersten Wochen?

Bei Chefkoch TV geht es darum, tollen Hobbyköch:innen mit ihren Lieblingsgerichten eine Bühne zu geben. Ich freue mich sehr, dass ich daran beteiligt bin. Gemeinsam zeigen wir, dass nicht nur Profiköch:innen gut kochen. Meine Rolle ist es dabei, die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Leistung der Kandidat:innen zu lenken. Das funktioniert vor allem im gemeinsamen Gespräch, in dem ich eventuelle kleine Stolpersteinchen aus dem Weg räume und die Großartigkeit der Gerichte herausarbeite, sodass das Gericht noch mehr Brillanz bekommt.

Wie passt ein Sternekoch zu Chefkoch TV und was macht für dich den Reiz der Sendung aus?

Die zwei Sterne verleihen mir die Autorität und die Ruhe und Sicherheit, die die Kandidat:innen benötigen. Auf Augenhöhe stehe ich diesen leidenschaftlichen Hobbyköch:innen mit meiner Erfahrung und mit meinem Fachwissen zur Seite, wenn es darum geht, ihre ganz speziellen Seelengerichte zu kochen. Vor laufender Kamera, das darf man nicht unterschätzen. Ich nutze während der Sendung jede Gelegenheit, mit ihnen die Highlights in ihrem Gericht, egal wie groß oder klein es ist, herauszuarbeiten, um so auch den/die Köch:in größer zu machen. 

Insgesamt betreibst du vier Restaurants mit unterschiedlichen Konzepten, eine Kochschule und eine Eventgastronomie. Ganz schön vielseitig. Basieren die Küchen auf einem gemeinsamen Fundament?

Die vier Konzepte meiner Restaurants haben eine absolute Eigenständigkeit, doch die Basis sind immer das Fränkische und die regionalen Produkte. In dem Zwei-Sterne-Restaurant, das in das Hotel in Wirsberg eingebunden ist, servieren wir das fränkische Maximum. Für die Chefkoch Community empfehle ich aber unbedingt das Fränk‘ness in Nürnberg. Das Konzept ist jung und frisch mit einer gradlinigen fränkischen Küche. Außerdem gibt es dort das Imperial im ersten Stock, das richtiges Comfort Food serviert mit dem gewissen Etwas an Fine Dining.

Wie sieht für dich der perfekte Kandidat oder die perfekte Kandidatin für Chefkoch TV aus? Was muss man mitbringen?

Auf alle Fälle muss man Freude am Kochen haben und offen für eine kulinarische Diskussion sein. Die Gerichte sollte man schon zwei-, dreimal gekocht haben, nur so können die Kandidat:innen eine gewisse Souveränität ausstrahlen. Vor allem in Anbetracht der Studioatmosphäre mit den Kameras und des Zeitdrucks. Der Rest ist dann Teamwork. Gemeinsam machen wir die Gerichte ein bisschen interessanter, vielleicht sogar auch besser und es entsteht diese magische Energie zwischen zwei leidenschaftlichen Herdakteuren.

Bei Chefkoch TV gibt es zwei Vorgaben – das sind der Preis und die Zeit. Welchen äußeren Einflüssen muss sich die Küche in deinen Restaurants stellen?

Der Preis spielt immer eine Rolle, aber natürlich ist es vorrangig die Verfügbarkeit und die Qualität der Lebensmittel. Auch die Service- und die Küchencrew sind entscheidende Faktoren. Außerdem ist der Standort für die kreative Ausrichtung sehr wichtig. Der Gast hat ja auch eine unterbewusste Erwartungshaltung, die sich an der geografischen Lage eines Restaurants orientiert.

Auf Chefkoch.de sind Pfannkuchen und Lasagne seit Jahren die beliebtesten Rezepte. Was glaubst du, passen diese Gerichte auch in die Sendung?

Zum Thema Pfannkuchen erinnere ich mich direkt an den Kandidaten Abdul aus Berlin, der in einer Woche dabei war und ein Pfannkuchen-Rezept mitgebracht hat. Der Pfannkuchen wird einseitig gebraten, dann gefüllt, anschließend wie ein Ravioli zusammengedrückt und nochmal ausfrittiert. Ein frittierter Pfannkuchen-Ravioli quasi. Und als Dessert einfach unfassbar gut! Lasagne ist ja im Grunde ein Auflauf aus Nudelblättern und mit Käse überbacken. Dass das ein Highlight für alle ist – total nachvollziehbar!