Herstellung von Butterschmalz oder Ghee

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Mitglied seit 11.06.2005
15.525 Beiträge (ø3,24/Tag)

Hallo zusammen,

habe eine KM bekommen, ob ich mal kurz schreiben könne, wie ich mein Ghee selber mache. Da das aber nicht so ganz kurz geht und vielleicht auch andere interessiert, schreibe ich es hier auf, damit sich die Mühe etwas mehr lohnt...

Da ich für unseren 4-Personen-Haushalt immer gleich einen größeren Vorrat mache, der mir dann für 6 bis 9 Monate reicht, nehme ich 20 Päckchen Butter, also 5 Kilo, aber natürlich kann man das nach demselben Prinzip auch mit einem oder zwei Stücken Butter machen.

Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten, Ghee zu machen. Früher habe ich es klassisch gemacht, also die Butter so lange gekocht und währenddessen immer wieder den Schaum abgeschöpft, bis alles klar blieb. Aber erstens dauert das Stunden, zweitens ist die Gefahr groß, das einem das Ganze verbrennt, wenn man einen Moment nicht aufpasst - einmal Telefonieren reicht dazu völlig Ich bin sauer! - und drittens ist es schwer, es so wirklich ganz rein zu kriegen, Sobald aber auch nur eine kleine Menge der Molke nicht raus ist, wird es nach ein paar Wochen ranzig. Bei richtig gereinigtem Ghee passiert das nicht. Ich bewahre es ungekühlt auf, und es wird mir nie mehr ranzig, auch nach Monaten nicht, seit ich die folgende Methode benutze:

Ich gebe die Butter in einen Topf ohne Kunststoffgriffe, der backofentauglich ist, und stelle sie bei kleinstmöglicher Hitze, bei mir 50°, in den Backofen zum Schmelzen. Wichtig ist da Geduld, denn bei höherer Temperatur setzt sich oben schon Schaum ab, und man hat es später nicht so bequem....

Wenn die ganze Butter flüssig ist, schwimmt das goldene Fett oben, Molke und Eiweißbestandteile sind unten. Dann schöpfe ich das Fett vorsichtig in einen großen Kochtopf um. Ich nehme dazu einen großen Löffel, am Anfang einen Suppenschöpfer. Es sollte möglichst wenig von der weißen Flüssigkeit unten mit hineikommen, noch besser gar nichts. Da das schwierig ist, schütte ich den Rest, wenn nichts mehr gut abzuschöpfen ist, in ein schmales, hohes Gefäß um und stelle es ein paar Stunden in den Kühlkschrank, dann kann man oben die Fettschicht als Platte abnehmen, kalt abwaschen und in den Gheetopf geben. Bei großen Mengen lohnt sich das.

Anschließend wird das Ghee erhitzt, ich messe mit dem Kochthermometer und lasse es so 120° heiß werden. Dabei kommen die Reste, die nicht drinbleiben sollen, an die Oberfläche und können mit einem flachen Löffel abgeschöpft werden. Andere kleine Partikel bräunen sich und schweben im Ghee. Dann ist es Zeit, das Ganze vom Herd zu nehmen und etwas abkühlen zu lassen.

Dann lege ich ein großes Haarsieb auf die Öffnung einer großen Kanne (nehme die von der Kaffeemaschine), lege ein Blatt Küchenpapier hinein und filtere das Ghee hindurch, fülle es in sterile Gläser, Twist-Off-Deckel drauf und fertig.

Bei dieser Methode ist mir nie wieder etwas verbrannt. Und da auch nichts mehr ranzig wird, kann man ruhig eine größere Menge machen, damit sich die Arbeit lohnt. Laut Ayurveda ist hundertjähriges Ghee übrigens am gesündesten - demnach müsste es nahezu unbegrenzt haltbar sein... Lächeln

So, nun wünsche ich allen Interessierten viel Spaß

LG Nena












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Mitglied seit 30.09.2005
2.451 Beiträge (ø0,52/Tag)

Hola,

als fauler Mensch kaufe ich immer Butterschmalz.

Ist der Geschmacksunterschied wirklich so groß, das es den Aufwand lohnt?



?????????????Grüße????????????

Elki
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Mitglied seit 11.06.2005
15.525 Beiträge (ø3,24/Tag)

Hallo Elki,

ich finde schon, dass da ein Unterschied ist, und außerdem sind in den gekauften immer irgendwelche Zusatzstoffe drin, die ich nicht will. Das, das ich mal versucht habe, hat auch beim Erhitzen ganz anders gerochen als meins.

LG Nena
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Mitglied seit 13.08.2005
2.017 Beiträge (ø0,43/Tag)

Hallo Nena,
also das verstehe ich nicht, wieso sind im gekauften Butterschmalz Zusatzstoffe drin? Bist du dir sicher, das deine 20 Päckchen Butter nicht auch schon mit Zusatzstoffen versehen sind? Und warum kaufst du die Butter nicht im Großhandel, gleich als 5kg-Block? Natürlich riecht gekaufter Butterschmalz anders, erstens wird er Ultrafiltriert und 2. ist es schon eine Weile im Kühllager gewesen - zum \"auslüften?

Mein Verbrauch an Butterschmalz beschränkt sich nur auf einige wenige Festtage und ist sehr gering.

LG, Willy
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Mitglied seit 11.06.2005
15.525 Beiträge (ø3,24/Tag)

Hallo Willy,

wieso die drin sind, müsste man wohl die Hersteller fragen, jedenfalls habe ich noch keins gesehen, das nur 100% Butterreinfett enthält. Bei Butter sind diese Zusätze offenbar nicht drin.

Der andere Geruch beim Erhitzen ist schon verdächtig, denn vom \"Auslüften\" kann das wohl kaum kommen, denn im Lager kommt keine Luft dran. Und mein eigenes schmeckt nach 9 Monaten noch wie frisches.

Ich denke auch, dass die lange Lagerung eher mit dem Butterberg zu tun hat.

LG Nena
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Mitglied seit 17.03.2004
1.936 Beiträge (ø0,37/Tag)

Hallo Nena,

danke für die ausführliche Anleitung. Ich habe heute vormittag selber ein wenig experimentiert:

Da ich noch 1 1/2 Klotz Butter hatte, und im Moment Butter im Angebot ist (50 cent) ist, habe ich einfach die Butter schmelzen lassen und ein wenig köcheln lassen. Anschließend den Schaum abgeschöpft, und die klare Butter in ein sauber ausgespültes Glas gefüllt. Dazu hatte ich ein kleines Stück Mullkompresse in einen Trichter gelegt, und vorsichtig aus dem Topf umgefüllt. Hat super geklappt, das Fett war goldgelb und sonnenklar. Anschließend in den Kühlschrank aber noch nicht probiert.

Ist das denn dann schon Ghee oder \"nur\" Butterschmalz?

Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass Ghee in Indien für Babymassage etc verwendet wird, also nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich?

Gruß mietzimaus
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Mitglied seit 24.08.2003
2.547 Beiträge (ø0,47/Tag)

Vielen Dank für diese herrliche Anleitung, die gefällt mir besser als meine \"Alte\". DAs wird meine nächste \"Aufgabe\" werden
Mir ist mein ghee auch lieber als gekauftes Butterschmalz. Wer weiß, was da gerne mal untergeschoben wird. Immerhin dienen wir Verbraucher gerne mal als \"Sondermülldeponie\" für die Industrie staatlich verordnet.
Liebe und Licht ...saarelfe
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Mitglied seit 29.11.2002
9.235 Beiträge (ø1,62/Tag)

Hallo,

der Grund, warum ich anfing Butterschmalz zu kochen, war der Preis. Der ist auch heute noch ein nicht ganz unwesentlicher, denn für den Preis von 500g Butterschmalz bekomme ich fast 1kg Butter. Der andere sind Stearide. Die sind im Butterschmalz enthalten, wie ich denke nicht wenig.

Heute mache ich mine Butterschmalz in der Microwelle. das hat zu einem den Grund, daß ich dort auch ausgelassene Butter bekomme, ohne Angst vorm Verbrennen haben zu müssen und zum Anderen kann ich die Ausflockung des Butterkäses genau bestimmen (ich lasse die Butter in einem Glasbehälter schmelzen). Den kann ich dann ganz leicht ausfiltern(Tuch) und den Rest lasse ich bräunen.

@ Nena,

Deine Anleitung mach mich neugierig: Ich probiers aus.

VG
m2k
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Mitglied seit 13.08.2005
2.017 Beiträge (ø0,43/Tag)

Moin Moin Nena,
natürlich hast du recht, Butterschmalz ist mit ein Mittel um den Butterberg \"lagerfähig\" zu machen. Überall wo Industriell Butter verbacken wird kommt oft Butterfett rein (z.B. billig-Butterkekse). Zum Braten ist es genauso beliebt weil höher erhitzbar. Der Butterberg aus den Gründerzeiten ist aber schon nicht mehr vorhanden, der Welthandel verteilt die Überschüsse sehr schnell - weil langes Lagern zu teuer ist!
Außerdem wurde in Europa noch nie so viel Käse und Sahne verbraucht wie heute (ich bin da auch schuldig, Käse esse ich sehr gerne)!

Ich wünsche dir viel Spaß beim \"brutzeln\", Willy
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Mitglied seit 17.03.2004
1.936 Beiträge (ø0,37/Tag)

Hallo Willy,

ist es denn ein Wunder, dass so viel Käse gegessen wird? Bei den ganzen Ekelfleisch-Skandalen (Ekelfleisch, für mich das Wort des Jahres 2006).

Es macht schon keinen Spaß mehr Wurst zu kaufen. Aber irgendwie bin ich ein Carnivore und kann nicht so recht die Finger von lassen.

Gruß mietzimaus
(die gestern einen Berg Käse gekauft hat, aber sich mit Wurst und Fleisch sehr eingeschränkt hat).
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Mitglied seit 13.08.2005
2.017 Beiträge (ø0,43/Tag)

Moin Moin Mietzimaus,
du kannst beruhigt weiter Fleisch beim Schlachter (Metzger) deines Vertrauens kaufen. Die gößte Masse von Gammelfleisch wurde durch Sensationsjournalismus produziert. Bedenklich in Deutschland ist nur, wie Kriminelle nach kurzer Gefängnisstrafe in dieser Branche weiterarbeiten können? Ein Arzt der wissentlich Misbrauch treibt bekommt seine Berufszulassung nicht wieder!

Aber mir schmeckt ein Käsebrot mit Margarine besser als mit Butter. Für Interessierte: Margarine aus gehärteten Pflanzenfetten ist nicht gesünder als z.B. Butter - im Gegenteil.
Aber ich will jetzt nicht auch noch Margarine \"auslassen\" Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen

LG und guten Appetit, Willy
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Mitglied seit 29.11.2002
9.235 Beiträge (ø1,62/Tag)

Hallo

@Willy
Moin Moin, Du Wattwurm! Laß ja die Margarine im Sarg! Ich weiß schon seit ich einigermaßen klar denken kann, (wobei das von der Tageszeit abhängt)
daß die milchverarbeitenden Betriebe zu unbeweglich sind/waren, die Vorzüge von Butter Margarine gegenüber klar herauszustellen. Das ist eins der lausigsten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte!

Ich mag Schwarzbrot mit Johannisbeergelee auch nur mit Margarine. Aus sentimentalen Gründen...... Aber das ist eine andere Geschichte

VLächelnG
m2k
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Mitglied seit 10.05.2004
440 Beiträge (ø0,08/Tag)

Hallo

bei uns ist laut Warendeklaration wirklich nur 100% Milchfett enthalten.
Ich mache oft aus übriggebliebenem Rahm von Rohmilch Butter. Diese wird dann nur geschmolzen und im Topf über Nacht kühl gestellt. Das Milchfett wird dadurch hart. Ich mache dann ein Loch durch die Fettschicht und giesse die abgetrennte Flüssigkeit ab. Dann setze ich das Ganze auf den Herd und lasse bei milder Hitze alles schmelzen. Da durch diese Methode das meiste Wasser schon weg ist, geht es sehr schnell bis die Butter klar ist und sich die restlichen Flocken abstzen. Dann siebe ich alles durch ein Mulltuch und fülle es in Gläser ab.

Herzliche Grüsse

bitter-süss
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Mitglied seit 11.06.2005
15.525 Beiträge (ø3,24/Tag)

Hallo Ihr Lächeln,

freut mich, dass es Euch interessiert!

@Mietzimaus: Ghee und Butterschmalz sind zwei Begriffe für dieselbe Sache. Und Du hast Recht, Ghee wird im Ayurveda innerlich und äußerlich angewendet und überhaupt viel gepriesen. Es soll eine harmonisierende und ausgleichende Wirkung haben.

Zum Braten ist es ideal, weil es nicht so schnell verbrennt wie Butter.

Übrigens, bitter-süß und m2k, Eure beiden Methoden klingen auch gut, nur habe ich bei der Methode mit dem Köcheln und Abschöpfen auch immer reines goldgelbes klares Ghee abgefüllt, und trotzdem ist es irdendwann ranzig geworden, also war doch noch was drin außer dem reinen Fett. Habt Ihr Eure Ergebnisse mal längere Zeit, also so mindestens 2 - 3 Monate ungekühlt aufbewahrt?

Alles, was meiner Faulheit entgegenkommt, finde ich nämlich interessant Na!, aber ranziges Ghee ist schon ein großer Frust!

LG Nena
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Mitglied seit 11.06.2005
15.525 Beiträge (ø3,24/Tag)

Hallo bitter-süß,

gerade ist mir noch eingefallen, dass es zumindest bei Kokosfett ene in meinen Augen haarsträubende Regelung in irgendeiner EU-Lebensmittelverordnung o.ä. gibt, die so ungefähr besagt, dass in einem Produkt mit der Bezeichnung \"reines Kokosfett\" 20% andere, auch tierische, Fette entahlten sein dürfen, in \"garantiert reinem Kokosfett\" immer noch 10% und nur \"garantiert 100% reines Kokosfett\" ist auch wirklich sicher solches...

Ist schon ziemlich lange her, dass ich darauf gestosssen war, deshalb weiß ich es nicht mehr alles wörtlich, aber sinngemäß reicht es mir auch. Verdammt nochmal - bin stocksauer Verdammt nochmal - bin stocksauer Jajaja, was auch immer!

Vielleicht kennt ja jemand hier den entsprechenden Paragraphen genau?

LG Nena
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