Einkochen - eine Generationenfrage?

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Mitglied seit 04.01.2010
74 Beiträge (ø0,02/Tag)

Von den Glasherstellern bestätigt ist der Trend, dass das Einkochen bzw. Einwecken wieder einen neuen Boom erlebt.
Das Interessante an dem Phänomen ist, dass es unter gänzlich anderen Vorzeichen stattfindet, als bei seiner letzten Konjunktur.

Jeder, der einkocht, kennt das: erzählt man jemandem davon, kommt sogleich die Reaktion: ach, meine Oma bzw. Mutter (je nach Alter) hat von diesen Gläsern bestimmt noch den ganzen Keller vollstehen und sie werden nicht mehr benutzt. Die kannst du sicher haben!

Tatsächlich hat offenbar die Generation, sagen wir grob, zwischen 1910 und 1940 geborenen, wie selbstverständlich haufenweise eingekocht.
Die Generation der hat dem Krieg geborenen hast sich davon stolz verabschiedet: für emanzipierte Frauen galt so etwas als no-go, wollte man sich doch vom Hausfrauenbild dezidiert absetzen. Und nichts war da konservativer, als "einzukochen". Außerdem war man ja erst einmal begeistert, dass man zunehmend alles kaufen konnte. Und wenn dann mal was zu konservieren war, war der Gefrierschrank natürlich viel mehr 'chick'.

Heutzutage, im neuen Jahrtausend, ist einkochen wieder in, aber es hat sich einiges geändert: Repräsentativ ist nicht mehr zwangsläufig die gute alte Hausfrau, die aus der Not heraus für Vorrat sorgt, sondern vielmehr jeder Gourmet bzw. leidenschaftliche Koch, der seinen Küchenvorrat aufpeppen möchte. Dass das Vorwort des WECK-Kochbuchs mit "veehrte Hausfrauen" beginnt, ist vor diesem Hintergrund nichts weniger als diskriminierend – und zwar (auch) für die Männer! Ist etwa einkochen dem weiblichen Geschlecht vorbehalten?
Geändert haben sich mit dem Trend zu bewussterem, qualitativ hochwertigerem Essen auch die Dinge, die ins Glas kommen. Nicht mehr bloß das eigene Gemüse und Obst aus dem Garten (das der typische Städter von heute ja gar nicht mehr besitzt) in Essig und Zucker, sondern ofengeröstete Tomatensoße und hochwertige Fonds sind angesagt. Geld sparen steht dabei nicht mehr im Vordergrund: wer die Tomaten in guter Qualität frisch auf dem Markt kauft und das Fleisch, bestenfalls aus Liebe zur artgerechter Tierhaltung noch BIO, legt im Vergleich zu den Dosen-Tomaten und der Brühe aus dem Discounter deutlich drauf.
Über die Gründe kann man nur spekulieren. Möglicherweise hat die Gesellschaft mittlerweile bemerkt, dass die fertigen Sachen aus dem Glas doch nicht so toll sind – der Bequemlichkeitsfaktor ist zur Gewohnheit geworden und hat seine Ausstrahlung eingebüßt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass immer mehr in unserem Alltag automatisiert wird, einem immer mehr Arbeit abgenommen wird (selbst staubsaugen läuft heute zunehmend per Roboter, mal sehen wie lange die Menschheit noch größtenteils selbstständig putzt), sodass man wieder die Muße findet – gerade auch bei Akademikern als Ausgleich zu den kopflastigen Aufgaben im Berufsleben –, bei bestimmten Dingen bewusst selbst Hand anzulegen.

Festhalten kann man wohl: es wird wieder eingekocht, aber ganz anders als vor 50 Jahren – andere "Einköche", andere Inhalte, andere Motive.
Wie seht ihr die Entwicklung und wie steht ihr zum Einkochen?
Wird der Trend noch weitergehen oder bringt die nächste Generation wieder eine Flaute? – Möglicherweise dank neuer Inventionen, die das Einkochen ein zweites Mal – einstweilen – wieder überflüssig machen?
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Mitglied seit 10.04.2006
49.512 Beiträge (ø10,54/Tag)

Hallo ralphiiii ,

Pfeil nach rechts Tatsächlich hat offenbar die Generation, sagen wir grob, zwischen 1910 und 1940 geborenen, wie selbstverständlich haufenweise eingekocht. Pfeil nach links

Das ist eine schon eine grobe Verallgemeinerung.

Eingeweckt wurde vor allem von Frauen die einen eigenen Garten hatten, den hatte aber längst nicht jede, und das bis Anfang der 70 er Jahre.
Kaum eine Frau kam auf die Idee gekauftes Obst und Gemüse einzuwecken.

Auf dem Land halfen übrigens ganz viele Männer beim einwecken.

Das einwecken habe ich bei meiner Großmutter/Mutter und den Tanten gelernt und weiter gegeben an meine Kinder und oft genug an ihre Freunde

Pfeil nach rechts für emanzipierte Frauen galt so etwas als no-go, wollte man sich doch vom Hausfrauenbild dezidiert absetzen. Pfeil nach links

Für emanzipiert habe ich mich mein Leben lang gehalten, trotzdem habe ich und sehr viele meiner Freundinnen ein Leben lang eingeweckt.
Mal mehr, mal weniger.
Ja wir waren begeistert als man immer mehr kaufen konnte. Gekauft wurden dann eher Dinge die man nicht selber hatte, nicht einwecken konnte.
Heute habe ich zum Beispiel einige Kilo Apfelmus, eigene Ernte, zubereitet und eingeweckt. Gekauftes ist billiger und macht längst nicht so viel Arbeit. Aber geschmacklich Was denn nun? .....nein Danke.

Anfang der Woche Quitten verarbeitet, Hagebutten und Mispeln stehen noch auf dem Plan. Wo bekäme ich denn davon gute Produkte zum kaufen?

Ob es eine Generationsfrage ist weiß ich nicht. Gesünder ist vieles, nicht alles, das man selber macht auf jeden Fall.
Heute gibt es sehr viele die noch nie etwas eingeweckt haben und das auch nicht vorhaben.


katir
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Mitglied seit 18.03.2014
8.631 Beiträge (ø4,8/Tag)

Pfeil nach rechts Wie seht ihr die Entwicklung und wie steht ihr zum Einkochen? Pfeil nach links

Einkochen wird wieder moderner, das ist richtig. Das WECK Buch ist ein echter Anachronismus. Zwar stimmt alles immer noch aber es ist unter ganz anderen Bedingungen geschrieben worden und nie modernisiert.

Dafür ist das WECK Landjournal so modern, dass es mir schon fast zu modern ist. Da werden Sachen eingekocht die es gar nicht nötig haben oder besser eingefrorer wären.

Wir, also Mamma und ich, haben in meiner lange vergangenen Kindheit eine Menge eingekocht. Aber auch da schon anders als Oma das gemacht hat. Nämlich gesammelte Pilze, aufgelesenes Obst und was sich so kostenlos angeboten hat.

Heute ist es für mich einmal konservieren von Überbeständen aber hauptsächlich eher Zeitersparnis. Es wird Gulasch und Gulaschsuppe, Currysauce, Hackfleischsauce, Eintöpfe usw. eingekocht. Was halt dann nach nur aufwärmen gegessen werden kann. Und Zeitaufwendiges wie Fonds wird in großen Mengen gekocht und dann eingekocht.

Viele Grüße vom Rand der Welt
Manfred

Ich koche gerne mit Alkohol. Manchmal gebe ich sogar welchen ins Essen (Vincent Klink)
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Mitglied seit 18.03.2014
8.631 Beiträge (ø4,8/Tag)

Wieder mal nicht alles geschrieben: Gerade sind 6L Suppe im Multikocher. Ein klein wenig davon wird nachher noch gegessen der Rest morgen eingekocht.

Viele Grüße vom Rand der Welt
Manfred

Ich koche gerne mit Alkohol. Manchmal gebe ich sogar welchen ins Essen (Vincent Klink)
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Mitglied seit 30.08.2015
7.445 Beiträge (ø5,87/Tag)

Vielleicht hat das Einfrieren, möglicherweise der fertigen Produkte, oder der noch unbearbeiteten, wie Beeren, das Einwecken zum Teil abgelöst.
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Mitglied seit 10.04.2006
49.512 Beiträge (ø10,54/Tag)

Hallo rlunch,

ganz bestimmt hat es das. Nur alles kann man nicht alles einfrieren und preiswert ist es auch nicht.

Fertige Gerichte, Kuchen oder Brot im Glas, Obst oder Fonds nur als kleines Beispiel, kann sofort benutzt werden. Kann mit zur Arbeit genommen und muss nicht erst aufgetaut werden.

katir
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Mitglied seit 30.08.2015
7.445 Beiträge (ø5,87/Tag)

Ich wusste nicht, dass man Kuchen einwecken kann... Lachen
mal abgesehen davon, ist Lagerplatz nicht uneingeschränkt vorhanden, da schon belegt mit allem Möglichem an Kochuntensilien..
lg
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Mitglied seit 10.04.2006
49.512 Beiträge (ø10,54/Tag)

rlunch,

Kuchen im Glas....... es gibt dazu im CK eine Gruppe mit 10426 Mitglieder....ist etwas tolles.
Kenne ich seit über 63 Jahren.
Meine Großmutter hatte davon immer an die 100 Stück.....verschiedene Sorten.... in ihrer Vorratskammer stehen .
Viele Überraschungsgäste konnte sie nicht schrecken.
Die Firma Bahlsen hatte den jahrelang im Programm, aber teuer.

Kochutensilien habe ich einiges, aber nicht übermäßig.

katir
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Mitglied seit 30.08.2015
7.445 Beiträge (ø5,87/Tag)

bei mir ist viel dazugekommen... Lachen zum Teilen der Bisquits, die verschiedenen Formen...Wilton-Farben-und Anhängiges..eine Eismaschine..
da muss man sich beschränken. Lachen
grußr
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Mitglied seit 15.03.2002
37.941 Beiträge (ø6,13/Tag)

Hi,

weder meine Mutter (1927), noch ihre Muttter (1898) haben jemals irgendetwas eingekocht.
"Wie selbstverständlich" ist das also nicht.

Ich selbst koche erst ein seitdem ich einen Dampfgarer habe eein, und hauptsächlich diverse Fonds, Balsamessig aus/mit Früchten, Chutneys und Tomatensugo.
Also Dinge, die ich in der Form, wie ich sie haben will, nicht fertig kaufen kann.
Hätte ich ausreichend TK-Kapazität würde ich weniger einkochen.

Ich denke dass heutztage, genau wie früher, meist von Leuten die einen Garten haben eingekocht wird, weil man dessen Erträge nicht weg werfen will.

Wenn man, wie ich, die Zutaten kaufen muss, rechnet sich das natürlich nicht, aber es muss sich nicht immer alles rechnen. Lächeln

Und mir ist vollkommen egal dass Weck "verehrte Hausfrauen" schreibt.
Man kann überall Diskriminierungen wittern wenn man so drauf ist.
Ich bin es nicht.

VG
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Mitglied seit 28.06.2014
8.726 Beiträge (ø5,14/Tag)

Hallo,

Bei uns wurde in meiner Kindheit nur ganz selten mal Obst eingekocht. Und das oft mit wenig Erfolg. Ich erinnere mich dumpf an meine weinende Mama, „weil schon wieder einige Gläser aufgegangen waren“.

Ich denke, das war dann auch ein herber Verlust, denn wir mussten das Obst ja kaufen. Deshalb hat sie es wohl auch nur ganz selten gemacht. Außerdem waren nicht wirklich Abnehmer dafür da. Mir war das als Kind zu süß und mein Papa hat das wohl eher mit den Worten „gib her, damit“s wegkommt“ quittiert.

Normale Speisen hätte meine Mama nie eingekocht, sie mochte nicht gern Aufgewärmtes.

Alles Gründe, warum ich Einkochen nie gelernt habe und auch selbst keine Versuche damit machte. Obwohl ich immer wieder darüber nachgedacht habe (und im Keller steht glaube ich sogar ein Einkochtopf, so ein großer blauer mit Loch im Deckel).
Vielleicht gehe ich es irgendwann mal an, groß ist der Drang danach nicht. Aber – sag niemals nie.

LG Bagheera
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Mitglied seit 15.03.2002
37.941 Beiträge (ø6,13/Tag)

P.S.
Meine andere Großmutter kochte ein, weil sie einen sehr großen Garten hatte.
Also nicht "aus der Not heraus" sondern weil sie das Obst nicht wegwerfen bzw. den Vögeln überlassen wollte.
Diese Generation hatte wirklich mehr Respekt vor Lebensmitteln.

Die ganze Familie wurde mit ihrem Eingemachten beglückt ob sie wollte oder nicht. Na!

VG
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Mitglied seit 28.01.2010
9.641 Beiträge (ø2,91/Tag)

Hallo!

Meine Oma, typische 50er-Jahre-Hausfrau, hat früher sehr viel eingekocht. Eigener Garten, Tausch mit Nachbarn - da kam eine Menge zusammen. Und ja, damals war das einerseits die grundsätzliche Versorgung, weil eben noch kein ganzjährig so großes Angebot in den Läden verfügbar war (übrigens im Westen), andererseits aber auch absolut eine Kostenfrage. Neben vielen anderen Einschränkungen war das selbstgezogene, eingekochte Obst und Gemüse da eine Möglichkeit, das frisch gebaute Haus schneller abbezahlen zu können.

Allerdings haben sich selbst ihre "Einkochgewohnheiten" im Laufe der Zeit massiv verändert. Schon seit über 10 Jahren steht bei ihr der Keller nicht mehr voll mit Äpfeln, Kirschen und Co., sondern mit Chutneys, Marmeladen und Soßen. Sprich, auch sie ist irgendwann davon weg, mit Eingekochtem Vorräte zu horten und hin zu Dingen, die eine Zeitersparnis bei gleichzeitig hoher Qualität bieten.

Ich selbst koche übrigens so gut wie nichts ein (hier und da mal 'ne Marmelade, vielleicht mal ein Apfelmus, aber das war's dann auch). Liegt einfach daran, dass für uns mitten in der Großstadt Lagerfläche echt teuer und rar ist. Und für zwei Personen reichen die zwei Fächer in der Kühl-Gefrierkombi absolut aus, um bei Bolognese, Gulasch und Co. den größeren Topf zu nehmen und ein bisschen "selbstgemachtes Fertigessen" zu lagern ;).

GLG, Elphi
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Mitglied seit 16.12.2003
47.625 Beiträge (ø8,59/Tag)

das WECK-Einmachbuch wurde halt seit Jahrzehnten nie wirklich überarbeitet - die Ansprache "sehr veehrte Hausfrau" ist da echt das geringste Problem. Stört mich nicht.

Bei mir zuhause wurde wegen des grossen Gartens eingekocht - Kuchen wurde aber immer frisch gebacken. Und ich sehe bis heute nicht ein weshalb ich mir kleine Rührkuchen die ruckzuck angerührt sind und als Muffins gerade mal 20 Minuten brauchen in Gläser füllen soll damit ich ne Riesenvorrat davon habe. Ich mache so aus feinem Spass hin und wieder ein paar Glaskuchen zum Mitbringen ...aber keine grossen Vorräte...

so generell fehlt mir das Eichhörnchengen - ich koche zwar ein, aber nur bestimmte Dinge (siehe zB Evas Fonds, Chutneys, Pasten, Tomatensosse, Suppen), und in Mengen die ich in ca 6 Monaten verbrauchen werde. Da ich keinen grossen Garten und keine Landwirtschaft habe kaufe ich die Zutaten - da macht es wenig Sinn sich über den Bedarf hinweg zu bevorraten. Dinge die heikel sind und 2x eingekocht werden sollten - friere ich dann doch lieber ein. Das ist mir entschieden zu aufwändig.

Wenn ich wie gerade diese WE dann unerwartet zu viel Fleisch komme (Jagd ist eröffnet) niste ich mich bei Freunden ein die mit allem ausgerüstet sind was es zum Wursten & Konservieren braucht - und mache dann schon mal unger Anletung einige Wilderrinen ein- aber dann mit anderem Equipment als meins zu Hause, nem Autoklaven zB ...

Meine Kinder fangen gerade an bestimmte Dinge einzukochen, eher aus Neugierde, was da so geht, weniger aus praktischen Erwägungen.

Im Moment sehe ich überall Einkochzubehör in den Supermärkten, dass ich problemlos überall Gläser etc bekomme - ist neu. Bei den meisten Bekannten ist es eher der Spass ein paar selbstgemachte Gläschen zu haben, wie auch das etwas mehr selber Kochen wieder in Mode kommt. die Bevorratung hält sich aber in Grenzen. In Stadtwohnungen ohne Keller ist dem eh eine natürliche Grenze gesetzt.

Nachdem ich im letzten Jahr bei 2 Haushaltsauflösungen in der Familie mit damit befasst war Hunderte von Einmachgläsern zu entsorgen (Inhalt & Etikettierung nicht mehr identifizierbar, wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte alt) - werde ich bei mir drauf achten dass das Eichhörnchen nicht doch noch durchkommt - meinen Kindern irgendwann Riesennahrungsvorräte zu hinterlassen mit denen sie nix anzufangen wissen - versuche ich zu vermeiden.
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Mitglied seit 15.03.2002
37.941 Beiträge (ø6,13/Tag)

Hi,

ich denke auch nicht, dass die Nachkriegsgeneration mit dem Einfrieren begann weil es "chick" war sondern einfach weil es weniger Arbeit macht und viele Dinge gefroren einfach eine bessere Qualität behalten.

Mir z.B. schmeckt der eingekochte Rotkohl nicht so gut. Nachdem ich das einmal ausprobierte, wird der jetzt eingefroren.

VG
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