Gedichte und Sprüche am 11. November 2010 - Martinstag

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Mitglied seit 19.10.2005
14.007 Beiträge (ø2,31/Tag)

Guten Morgen zusammen

Heute ist Martinstag und um 11.11 Uhr beginnt die 5. Jahreszeit!



Martinslied

Wir kommen daher geschritten
Im Namen des heiligen Martin
Wir kommen euch zu bitten
Im Namen des heiligen Martins.
Dem Martinstag zu Ehren
Wollt uns Kindern was bescheren!
Sanct Martin war ein guter Mann,
Er nahm sich der kleinen Kinder an.
Und wenn er auf seinem Schimmel ritt,
So bracht’ er den kleinen Kindern was mit.
So mögt ihr unser gedenken.
Uns Kindern auch was schenken:
Nüss’ und Äpfel und Hingkuchen.
Ihr dürft nicht lang im Hause suchen,
Ihr habt genug an Speis’ und Trank;
Für Nüss’ und Äpfel und Honigkuchen.
Empfangt ihr unsern schönsten Dank.
Mag Gott auf allen Wegen und Stegen
Euch gnädig sein!
Mag Gott euch immer Heil und Segen
Hiernieden verleih’n!
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)



Einen schönen Tag wünsche ich Allen
Jule Lachen




You have to go on and be crazy
Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht!
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Mitglied seit 24.06.2007
4.969 Beiträge (ø0,91/Tag)

Hallo Jule, guten Morgen, auch für alle noch Eintreffende Lachen

rabimmel, rabammel, rabumm..........

Laterne! Laterne!

Da kommt's aus Tür und Tor gesprungen
und ordnet sich in langer Reih,
ein Zug von Mädchen und von Jungen,
ein Käsehoch ist auch dabei.
Wie sie die Köpfchen drehn und wenden,
die Stocklaterne hoch in Händen!
Dann zieht's mit feierlichem Sang
die Straße langsam stolz entlang:

"Laterne Laterne
Sonne, Mond und Sterne!
Meine Laterne brennt so schön!
Morgen wollen wir wieder gehn."

Die Sonne, tief schon in den Fluten,
Hort lächelnd noch der Kinder Reih'n;
"Sie kommen schon, ich muß mich sputen",
und zieht die letzten Strahlen ein.
Der Mond springt hinter Wolkenhaufen:
"Ich will doch heimlich mit euch laufen."
Ein Stern nur blinzel ohne Ruh,
dann hält er sich die Augen zu.

"Laterne! Laterne!
Sonne, Mond und Sterne!
Meine Laterne brennt so schön!
Morgen wollen wir wieder gehn."

Jacob Loewenberg

Liebe Grüße
helmut Lachen
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Mitglied seit 10.02.2008
1.050 Beiträge (ø0,2/Tag)

einen schönen guten morgen liebe jule und allen, die hier noch vorbeischauen werden.

Kinderfest im Herbst

Doch ehe der Herbst uns ganz verläßt,
So bringt er uns noch ein Kinderfest:
Sobald es Abend, zieh’n wir aus
Und wandern singend von Haus zu Haus,

Und bitten dem heiligen Martin zu Ehren
Uns kleinen Kindern was zu bescheeren.
Da reicht man uns Aepfel und Nüsse dar,
Zuweilen auch Honigkuchen sogar.

Wir sprechen unsern Dank dafür aus
Und wandern dann in ein anderes Haus.
Nun laßt uns heute singen auch
Wie’s ist am Martinstag der Brauch!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)


Liebe Grüße Gedichte Sprüche 11 November 2010 Martinstag 1665763456
Carpe diem! Nutze den Tag!
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Mitglied seit 09.01.2009
19.136 Beiträge (ø3,92/Tag)

Einen schönen guten Morgen Jule, Helmut, Petra und allen anderen,


Sankt Martin

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind,
sein Roß das trug ihn fort geschwind.
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
sein Mantel deckt ihn warm und gut.

Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee da saß ein armer Mann,
hat Kleider nicht, hat Lumpen an.
O helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittre Frost mein Tod!

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zog die Zügel an,
sein Roß steht still beim armen Mann,
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt,
den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin gab den halben still,
der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil
hinweg mit seinem Mantelteil.


Gruß Alex
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Mitglied seit 19.10.2005
14.007 Beiträge (ø2,31/Tag)

Helmut du bist ja schon sehr fröhlich drauf Lachen
- davon lasse ich mich sehr gerne anstecken! Lachen

Der Tag bietet ja heute eine unheimliche Vielfalt an Themen: von der Nächstenliebe, Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Güte bis hin zum fröhlichen Feiern = alles drin! Gedenkfeiertag in Frankreich ist auch!


Gute Taten sind eine Ware,
bei der die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt.
Französisches Sprichwort







You have to go on and be crazy
Alle sagten: Das geht nicht! Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht!
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Mitglied seit 24.06.2007
4.969 Beiträge (ø0,91/Tag)

Jule Lachen ist ja auch ein Tag des Teilens Lachen und Gänsebraten gibt es auch....bei mir aber nicht...

Es war einmal ein kleiner Spitz,
Der glaubt' er wär' zu allem nütz.
Und kam ihm Etwas in die Quer',
Da knurrt und brummt und bellt er sehr. -

Nun wackelt einst von Ungefähr
Frau Gans mit ihrem Mann daher,
Und vor den lieben Eltern wandern
Die Kinderchen, Eins nach dem Andern;

Und wie sie um die Ecke biegen,
Da schreien alle vor Vergnügen:
»Seht doch die Pfütze da! Kommt hin!
Wie herrlich muß sich's schwimmen d'rin!«
Das sieht Herr Spitz und bellt sie an:
»Weg da! Weg da! Nu seht doch an!
»Wie könnt ihr euch nur untersteh'n,
»In's Wasser so hinein zu geh'n?
»Wenn ich nicht wär' dazu gelaufen,
Ihr müßtet jämmerlich ersaufen!«

Das macht der alten Gans nicht bange!
Sie zischt ihn an, wie eine Schlange.
Da zieht mein Spitz sein Schwänzchen ein,
Und läßt die Gänse Gänse sein.
Doch knurrt er noch im vollen Lauf: -
»Nu, wer versaufen will, versauf!« - -

Die Gänschen aber, trotz dem Spitze,
Sie schwelgten recht in ihrer Pfütze.
Und immer noch aus weiter Fern'
Hört bellen man den weisen Herrn. -
Bell' er soviel er bellen kann!
Was geh'n den Spitz die Gänse an?

Robert Reinick

Gruß helmut
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Mitglied seit 25.12.2007
5.187 Beiträge (ø0,99/Tag)

Guten Morgen zusammen !

Laternenlied

Abends, wenn es dunkel wird,
Und die Fledermaus schon schwirrt,
Gehn wir mit Laternen aus
In den Garten hinter’m Haus,
Und im Auf- und Niederwallen
Lassen wir das Lied erschallen:
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne.

Wie so lieblich aus dem Grün
Fern und nah die Lichter glühn,
Schimmern auf den hellen Steig,
Spiegeln sich im schwarzen Teich;
Rosig aus dem Dunkel leuchtet
Manche Blume thaubefeuchtet.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!

Plötzlich aus dem Wolkenthor
Kommt der gute Mond hervor,
Wandelt seine Himmelsbahn
Als ein Hauptlaternenmann,
Leuchtet bei dem Sterngefunkel
Lieblich aus dem blauen Dunkel.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!

Ei nun gehen wir nach Haus,
Blasen die Laternen aus,
Lassen Mond und Sternelein
Leuchten in der Nacht allein,
Bis die Sonne wird erwachen,
Alle Lampen auszumachen.
Laterne, Laterne,
Sonne, Mond und Sterne!

Heinrich Seidel




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Mitglied seit 25.12.2007
5.187 Beiträge (ø0,99/Tag)

Einladung zur Martinsgans

Wann der heilge Sankt Martin
Will der Bischofsehr entfliehn,
Sitzt er in dem Gänsestall
Niemand findt ihn überall,
Bis der Gänse groß Geschrei
Seine Sucher ruft herbei.

Nun dieweil das Gickgackslied
Diesen heilgen Mann verriet,
Dafür tut am Martinstag
Man den Gänsen diese Plag,
Dass ein strenges Todesrecht
Gehn muss über ihr Geschlecht.

Drum wir billig halten auch
Diesen alten Martinsbrauch,
Laden fein zu diesem Fest
Unsre allerliebste Gäst
Auf die Martinsgänslein ein,
Bei Musik und kühlem Wein.

Arnim/Brentano




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Mitglied seit 09.01.2009
19.136 Beiträge (ø3,92/Tag)

Und jetzt noch ein etwas makaberer Witz zum Martinstag:

Sagt eine Gans zur anderen : „Spiel mir das Lied vom Tod." Singt diese: „ Sankt Martin, Sankt Martin“


Gruß Alex ...
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Mitglied seit 26.03.2009
8.663 Beiträge (ø1,8/Tag)

Hi zusammen,ich wünsche euch einen schönen Tag Lachen Küsschen !!


St. Martin mit viel Rittersleut


St. Martin mit viel Rittersleut
wohl übers Feld zum Jagen reit’t
und als sie kamen an einen Hag,
ein nackter Mann an der Straße lag.
Dem klapperten vor Frost die Zähne,
und an der Wimper fror ihm die Träne.
Er rang die Hände und bat mit Beben:
Sie möchten ihm ein Almosen geben. –
Und all die Ritter zogen fürbaß,
dem nackten Armen gab keiner was;
sie wendeten von ihm das Angesicht,
die Jammergestalt zu schauen nicht.
Der Martin aber sein Roß hielt an:
„Von mir, du Armer, sollst was han!“
Er nimmt sein Schwert und alsogleich
haut er seinen Mantel, gesticket reich
mit Gold und Silber, entzwei in Eil
und gibt dem Nackten den einen Teil,
die andre Hälfte er selber behalt’t,
und reitet den andern nach in den Wald.
Und wie den Martinus erblicket die Rott,
überhäufen sie ihn mit Hohn und Spott:
„Da seht nur einmal den Narren an,
teilt sein Kleid mit dem Bettelmann;
der halbe Mantel steht ihm gar schön,
er kann damit zum Bankette gehn,
damit ihn künftig mag jeder kennen,
so woll’n wir den halben Ritter ihn nennen.“
Sie lachten und witzelten noch gar viel,
Martinus war all ihres Spottes Ziel. –
Doch wie der Abend zu dämmern beginnt,
so wehet ein kalter schneidiger Wind;
die Ritter hüllen sich alle fein
in ihre großen Mäntel ein
und wollen reiten sogleich von hinnen,
doch konnten sie keinen Ausweg gewinnen,
nur immer tiefer kamen’s in den Wald,
und pfiff der Wind noch einmal so kalt;
sie jammerten sehr und vermeinten schier,
sie müßten vor Kälte heut sterben hier.
Martinus nur mit dem halben Kleid,
empfindet’s nicht, daß der Wind so schneid’t,
er lachet über ihr Schnappern und Bangen
und sitzt auf dem Roß mit glühenden Wangen.
Und jetzo ein roserifarbiges Licht
hervor aus der dunkelen Wildnis bricht,
und unter die Starrenden tritt heran
Herr Christ, mit dem halben Kleid angetan,
das jenem Armen Martinus gegeben,
und um ihn herum seine Engelein schweben.
Und Jesus sich zu Martino wendet:
»Ja wahrlich, was ihr den Armen spendet,
das habet ihr mir selber gegeben,
und Früchte trägt’s euch im Tod und Leben,
jedwede Wohltat noch so klein,
wird euch erwärmen und lohnend sein!«

Sie fielen all auf ihr Angesicht,
und Jesus verschwand; doch des Glaubens Licht,
es leuchtete über dem heidnischen Haufen,
sie ließen sich alle zu Christen taufen.

Ignaz Franz Castelli, * 06.03.1781 in Wien, † 05.02.1862 in Wien

Lieben Gruß,Dana
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Mitglied seit 19.10.2005
14.007 Beiträge (ø2,31/Tag)

Anita hats ja schon im Gedicht "Einladung zur Martinsgans" erwähnt - das Gickgacklied

hier:
Gänsecantate

Was haben wir Gänse für Kleidung an?
Gi ga gack?
Wir gehen barfuß allezeit
In einem weißen Federkleid.
Gi ga gack!
Wir haben nur einen Frack.

Was trinken wir Gänse für einen Wein?
Gi ga gack!
Wir trinken nur den stärksten Wein,
Das ist der Gänsewein allein,
Gi ga gack!
Ist stärker als Rum und Rak.

Was haben wir Gänse für eine Kost?
Gi ga gack!
Des Sommers geh’n wir auf die Au
Des Winters speist die Bauersfrau
Gi ga gack!
Uns aus dem Hafersack.

Was reden wir Gänse für Sprachen doch?
Gi ga gack!
Wir könnten Professoren sein,
Wir reden Griechisch und Latein,
Gi ga gack!
Ist unser Schnick und Schnack.

Was machen wir Gänse am Martinstag?
Gi ga gack!
Man führt uns aus dem Stall hinaus
In einem fetten Martinsschmaus
Gi ga gack!
Und bricht uns das Genick.

von Fallersleben







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Mitglied seit 21.05.2009
2.010 Beiträge (ø0,42/Tag)

Guten Morgen zusammen,

Der heilige Martin
Legende

Ein junger, edler Krieger ritt
Auf schnellem, mut’gen Rosse
Im Kriegesdienst mit scharfem Schritt
Nach einem fernen Schlosse;
Bedeckt mit Schnee war Berg und Tal,
Vom Frost der Boden hart wie Stahl,
Mit Macht der Hufschlag schallte
Und weithin widerhallte.

Sieh da – ein armer, schwacher Greis,
Fast ohne Kleid und Decke,
Sitzt auf dem Boden hart von Eis
Nächst der bereiften Hecke;
Und strecket – ach, dass Gott erbarm’! –
Den langen, nackten, hagern Arm
Laut flehend ihm entgegen,
Sein Mitleid zu erregen.

Der Ritter hält den Rappen an
Von Mitgefühl ergriffen
Und zieht, so schnell er immer kann,
Sein Schwert, erst frisch geschliffen,
Teilt seinen Mantel in zwei Stück’
Und reicht mit Tränen in dem Blick
Die Hälfte voll Erbarmen
Dem fast erstarrten Armen.

„Da, Alter“, spricht der junge Held,
„Schütz’ vor dem Frost dein Leben,
Gern wollt’ ich dir, hätt’ ich noch Geld,
Den letzten Heller geben.
Vertraue auf den lieben Gott,
Der rettet dich aus aller Not!
Leb’ wohl, ich darf nicht weilen,
Die Dienstpflicht heißt mich eilen!“

So sehr man seine Tat verlacht –
Ihm macht das wenig Kummer.
Er geht, da es bald Mitternacht,
Zu laben sich am Schlummer.
Doch schließet er die Augen kaum,
So tröstet ihn ein holder Traum,
Der himmlisch ihn entzücket
Und lebenslang erquicket.

„Seht“, spricht der Herr der Engelschar
Und auf den Mantel deutet,
„Mit diesem Kleide hat fürwahr,
Mich Martin heut’ bekleidet:
Was er dem Armen dort getan,
Nehm’ ich als mir geschehen an –
Als Richter aller Welten
Werd’ ich ihm’s einst vergelten.“

Christoph von Schmid *1768 †1854


Einen schönen Tag wünscht euch allen
herzlichst Ina
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Mitglied seit 21.05.2009
2.010 Beiträge (ø0,42/Tag)

Mit der Laterne nicht, mit dem Herzen suche die Menschen,
denn der Liebe allein öffnen die Menschen ihre Herzen.

Peter Rosegger (1843 - 1918)
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Mitglied seit 25.12.2007
5.187 Beiträge (ø0,99/Tag)

Unbeliebtes Wunder

In Tours, zu Martin Bischofs Zeit,
Gabs Krüppel viel und Bettelleut.
Darunter auch ein Ehepaar,
Was glücklich und zufrieden war.
Er, sonst gesund, war blind und stumm;
Sie sehend, aber lahm und krumm
An jedem Glied, bis auf die Zunge
Und eine unverletzte Lunge.
Das paßte schön. Sie reitet ihn
Und, selbstverständlich, leitet ihn
Als ein geduldig Satteltier,
Sie obenauf, er unter ihr,
Ganz einfach mit geringer Müh,
Bloß durch die Worte hott und hü,
Bald so, bald so, vor allen Dingen
Dahin, wo grad die Leute gingen.
Fast jeder, ders noch nicht gesehn,
Bleibt unwillkürlich stille stehn,
Ruft: »Lieber Gott, was ist denn das?«
Greift in den Sack, gibt ihnen was
Und denkt noch lange gern und heiter
An dieses Roß und diesen Reiter.
So hätten denn gewiß die zwei
Durch fortgesetzte Bettelei,
Vereint in solcherlei Gestalt,
Auch ferner ihren Unterhalt,
Ja, ein Vermögen sich erworben,
Wär Bischof Martin nicht gestorben.
Als dieser nun gestorben war,
Legt man ihn auf die Totenbahr
Und tät ihn unter Weheklagen
Fein langsam nach dem Dome tragen
Zu seiner wohlverdienten Ruh.
Und sieh, ein Wunder trug sich zu.
Da, wo der Zug vorüber kam,
Wer irgend blind, wer irgend lahm,
Der fühlte sich sogleich genesen,
Als ob er niemals krank gewesen.
Oh, wie erschrak die lahme Frau!
Von weitem schon sah sie's genau,
Weil sie hoch oben, wie gewohnt,
Auf des Gemahles Rücken thront.
»Lauf, rief sie, laufe schnell von hinnen,
Damit wir noch beizeit entrinnen.«
Er läuft, er stößt an einen Stein,
Er fällt und bricht beinah ein Bein.
Die Prozession ist auch schon da.
Sie zieht vorbei. Der Blinde sah,
Die Lahme, ebenfalls kuriert,
Kann gehn, als wie mit Öl geschmiert,
Und beide sind wie neugeboren
Und kratzen sich verdutzt die Ohren.
Jetzt fragt es sich: Was aber nun?
Wer leben will, der muß was tun.
Denn wer kein Geld sein eigen nennt
Und hat zum Betteln kein Talent
Und hält zum Stehlen sich zu fein
Und mag auch nicht im Kloster sein,
Der ist fürwahr nicht zu beneiden.
Das überlegten sich die beiden.
Sie, sehr begabt, wird eine fesche
Gesuchte Plätterin der Wäsche.
Er, mehr beschränkt, nahm eine Axt
Und spaltet Klötze, daß es knackst,
Von Morgens früh bin in die Nacht.
Das hat Sankt Martin gut gemacht.

Wilhelm Busch, 1909




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Mitglied seit 26.03.2009
8.663 Beiträge (ø1,8/Tag)

Karneval

Väter, hört mich, Mütter, hört die Mahnung,
Jetzt kommt wieder jene Zeit - versteht! -,
Wo so manche Tugend ohne Ahnung
Der Besitzerin abhanden geht.

Beutesuchend schleicht umher das Laster;
Wer ist sicher, dass ihm nichts geschieht,
Wenn man jetzt der Busen Alabaster
Und beim Hofball auch die Nabel sieht?

Von den Blicken kommt es zur Berührung,
Irgendwo zu einem Druck der Hand,
Und so manches Mittel der Verführung
Sei aus Scham hier lieber nicht genannt!

Wenn an hochgewölbte Männerbrüste
Sich das zarte Fleisch der Mädchen drängt,
Regen sich von selbst die bösen Lüste
Und was sonst damit zusammenhängt.

Darum Eltern, wenn die Geigen klingen
Und die Klarinette schrillend pfeift,
Hütet eure Tochter vor den Dingen,
Die sie hoffentlich noch nicht begreift!

Ludwig Thoma

Dana Lachen Küsschen
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