Säurearmer Riesling


Mitglied seit 20.09.2013
75 Beiträge (ø0,04/Tag)

Riesling gilt ja eigentlich als sehr säurelastig. Es geht aber auch anders! Immer mehr Winzer setzen bei der Gärung jetzt auf einen biologischen Säureabbau. Habe kürzlich einen Riesling von der Ahr, Walporzheimer Alte Lay, probiert. Es war ein 2017er, der kurz im Barrique gelagert wurde. Hätte man mir nicht versichert, das es sich um einen Riesling handelt, hätte ich es nicht geglaubt. Er war säurearm wie ein Weißburgunder aber auch sehr aromatisch und cremig im Geschmack. Da das "große Gewächs" mit über 30 EUR leider eher teuer war, habe ich nur 3 Flaschen gekauft. Ich werde noch auf den besonderen Anlass / bzw. auf das besondere Essen warten zu dem dieser Wein passt. Habt Ihr auch schon säurearme Rieslinge probiert?
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Mitglied seit 04.04.2010
3.988 Beiträge (ø1,23/Tag)

Mal ehrlich: Ich kaufe mir doch keinen Riesling, weil der endlich mal nicht wie ein Riesling schmeckt. Und dann noch über 30 Euro die Flasche. Die Säure ist doch gerade das besondere Merkmal dieser Rebsorte. Findet man in dieser Ausprägung doch nur noch beim Picpoul.

Wenn ich einen säurearmen Weißwein trinken möchte - eigentlich ja langweilig - nehme ich einen Gutedel, damit es der Magen nicht übel nimmt...
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Mitglied seit 25.09.2005
18.593 Beiträge (ø3,8/Tag)

Dumm nur, wenn man die Säure nicht verträgt und trotzdem ab und zu gerne mal einen Riesling trinken würde - und wenn man einen "ordentlichen" Erzeuger nimmt, schmeckt man neben der Säure durchaus eben auch noch den sortentypischen Geschmack, der nun wahrhaft nicht mit einem Gutedel vergleichbar ist 😉
Übrigens hatte ich auch schon Gutedel, die wg. einem enormen Säuregehalt für mich untrinkbar waren ....

Daher bin auch ich immer auf der Suche nach säurearmen Weinen und eben durchaus auch mal men Riesling.
Dabei habe ich gelernt, dass es auch durchaus säureärmere Jahrgänge gibt 🙃

Mein Favorit bei Riesling sind fruchtsüße Mosel-Tröpfchen aus säurearmen Jahrgängen. Und mein Lieblingswinzer hierfür ist Martin Müllen aus Traben-Trarbach, der tolle Weine macht; auch im trockenen Bereich.

Ein GG habe ich allerdings noch nie gekostet ....

Viele Grüße - Allegro
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Mitglied seit 27.10.2008
7.676 Beiträge (ø2,04/Tag)

Hi,

'nen fruchtsüßen Mosel-Riesling (eine Auslese) hab ich letztens bei meinem Vater verkosten dürfen - sicherlich ein wertiges Weinchen, aber das Teil hat mir trotzdem mal wieder säuremäßig das Hemd in die Ritze gezogen... 😬

Einen säurearm und sortenuntypisch ausgebauten Riesling hab ich erst- und letztmalig vor ca. 20 Jahren beim Mövenpick Weindepot erstanden: Ich weiß nicht mehr, ob der aus Kalifornien oder Oregon kam, meine aber aus Oregon. Wie gesagt säurearm und dann auch noch im Barrique ausgebaut - ein echter Exot. Zum kräftigen Krustentierrahmsüppchen hat er damals sehr gut gepasst, vom typischen Riesling-Sortencharakter war aber nix zu schmecken. Als akademische Weinerfahrung damals ok, aber nochmal würde ich 'nen Barrique-Riesling aus den USA wahrscheinlich nicht mehr einkaufen.

Generell bin ich kein großer Riesling-Fan, am besten schmecken mir noch die aus der Pfalz. Ich bleib dann aber doch lieber bei "meinen" Weißwein-Rebsorten Verdejo, Roero Arneis, Albarinho, Grau- und Weißburgunder...

VG, turbot
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Mitglied seit 04.04.2010
3.988 Beiträge (ø1,23/Tag)

Ein Riesling, der trotz Säurearmut noch den sortentypischen Geschmack hat, ist mir bislang noch nicht begegnet. Mir würde sich hier als erstes die Frage stellen, ob der Geschmack dann aus der Traube oder von der Hefe kommt. Mit einer geeigneten "Rieslinghefe" bekommt man nämlich auch aus anderen Trauben den "sortentypischen" Geschmack hin.
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Mitglied seit 25.09.2005
18.593 Beiträge (ø3,8/Tag)

Unter anderem deshalb sprach ich ja auch von einem "ordentlichen" Erzeuger 😉
Martin Müllen z.B. arbeitet sogar ausschließlich mit Spontanvergärung ...
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Mitglied seit 13.06.2012
842 Beiträge (ø0,34/Tag)

Moselriesling lässt sich vor allem durch die Saeure lange lagern. Die Saeure baut sich meines Wissens mit den Jahren ab und er wird dadurch auch bekömmlicher. Ich lasse mich aber gerne belehren!
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Mitglied seit 11.02.2019
3 Beiträge (ø0,27/Tag)

Also dieses Dogma, dass der Säureabbau (BSA) beim Weißwein die Aromen zerstören würde und dass ein Weißwein durch Apfelsäure unbedingt «knackig» sein muss, finde ich doch recht hohl! Der BSA bewirkt gemäß meiner eigenen Wahrnehmung eindeutig eine Verstärkung und Veredelung der sortentypischen Aromatik, genau wie bei einem guten Sauerteigbrot. Ich persönlich probiere Weine ohne BSA gar nicht mehr. Ich kenne den BSA-losen Geschmack und finde ihn total langweilig. Alle BSA-losen Weine schmecken ähnlich. Die Schweizer Winzer machten traditionellerweise bei allen Weißen den BSA. Seit zwanzig Jahren hat teilweise aber leider auch hier diese 0815-Mode durchgeschlagen. Zum Glück gibt es immer noch einige Winzer, welche sich einen Dreck um Parkers Geschmack scheren und traditionelle, gute Weine machen.
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Mitglied seit 07.07.2008
12.452 Beiträge (ø3,21/Tag)

Bonjour,
also wenn ich die Werte von genannten Riesling lese... als säurearm geht der nicht durch... mit diesen Werten gibt es doch richtig viele Rieslingweine...
Wobei diese Analysewerte ja nur eine Tendenz sind...Wein enthält ja verschieden Säuren..


LG
Ornellaia
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Mitglied seit 13.02.2019
3 Beiträge (ø0,33/Tag)

Hast du schon einen säurearmen Riesling gefunden? Suche auch schon seit Jahren danach war aber bisher noch nicht wirklich erfolgrich damit. Könntest du mir bescheid sagen sobald du einen gefunden hast?
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Mitglied seit 11.02.2019
3 Beiträge (ø0,27/Tag)

Zitat von HelgaKollmann am 13.02.2019 um 09:52 Uhr

„Hast du schon einen säurearmen Riesling gefunden? Suche auch schon seit Jahren danach war aber bisher noch nicht wirklich erfolgrich damit. Könntest du mir bescheid sagen sobald du einen gefunden hast?“



Ich denke JA, hingegen im Wallis (Schweiz). Vor zwei Jahren bestellte ich dort Riesling, als der betreffende Winzer (ein Selbstkelterer) mir schriftlich bestätigte, dass er bei allen Weinen den BSA machen würde. Der Riesling war wirklich sehr gut: breit. ausgewogene Säure und aromatisch. Vor ein paar Tagen fragte ich ihn nochmals kurz, ob er immer noch den BSA durchführt, bevor ich eine erneute Bestellung mache. Er sagte, sie würden bei den Weißen seit zehn Jahren keinen BSA mehr machen, weil die Säurewerte einfach jedes Jahr derart tief wären. ??? Ich bestellte jetzt nochmals ein paar Flaschen, da die Vinifizierung ja dieselbe wie vor zwei Jahren zu sein scheint, egal ob nun mit oder ohne BSA.

Also wenn die Säure wegen ausgesprochener Traubenreife tief sind, dann ist ja vor allem die Apfelsäure tief. Denn die sinkt als erstes mit zunehmender Reife. Von daher ist in einem säurearmen Weinjahr der Säureabbau tatsächlich überflüssig, um nicht zu sagen, unmöglich (wo keine Apfelsäure ist, kann keine abgebaut werden).

Tja, ich kannte auch einen ehemaligen Walliser Spitzenwinzer ohne Star-Allüren, welcher aus Altersgründen im 1993 den letzten Jahrgang kelterte. Sein Riesling war einfach traumhaft und natürlich mit BSA. Sein Nachfolger machte dann aus denselben Riesling-Rebstöcken nur noch so eine modische Süß-Sauer-Limonade (hohe Säure plus Restsüße - außer Dessertweine wurden damals in der Schweiz alle Weine noch trocken gekeltert).

Ich warte nun auf die Lieferung und gebe dir nach der Degustation Bescheid. Der Winzer bleibt jedoch in der Schweiz. (Ich nehme an, du wohnst in Deutschland.)
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Mitglied seit 11.02.2019
3 Beiträge (ø0,27/Tag)

Hallo Helga

Der Wein ist heute angekommen und sogleich öffnete ich eine Flasche Riesling (2017): Aromatisch, absolut trocken, überhaupt nicht muffig und sehr frisch ohne zitrusfruchtig zu sein, nicht unbedingt sehr breit auf der Zunge, aber doch eindeutig weniger sauer als alle Rieslinge (auch deutsche), welche ich bisher probierte. Ich lagere die sechs verbleibenden Flaschen mal während einem Jahr. Ich denke. da könnte doch was sehr Gutes rauskommen.

Ein bisschen saurer als derjenige, welchen ich vor zwei Jahren hatte, ist er schon, aber die Säure hält sich sehr in Grenzen.

Produzent: Cave Defayes & Crettenand, Leytron, 5,5 ha Reben
Preis: 17 Franken, was für einen Schweizer Wein sehr korrekt ist
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