Nie mehr esse ich Schildkrötensuppe!

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Mitglied seit 17.01.2002
7.488 Beiträge (ø1,03/Tag)

In der Küche unterscheidet man 3 Arten von Schildkröten: die Riesenschildkröte ist die größte und dabei die schmackhafteste Art. Sie wird oft l 1/2-2 Zentner schwer und erreicht eine Länge bis zu 2 Meter. Die jüngeren Tiere von etwa 20 - 30 Kilogramm sind jedoch die besten. Sie lebt in allen Meeren der heißen Zone, aus ihrem Fleisch werden die besten Suppen gewonnen. Der Rücken- und Bauchschild mit dem daransitzenden Fleisch und Fett, sowie die Füße gelten als besondere Leckerbissen. Das Fleisch und die Eier bilden in gesalzenem Zustand einen bedeutenden Handelsartikel. Das Leben dieses Reptils ist äußerst zäh, man tötet es, indem man das Tier an den Hinterfüßen hochhängt und ihm, nachdem man ihm um den Hals ein schweres Gewicht gehängt hat, den Kopf abschneidet. Hierauf läßt man es am besten über Nacht gehörig ausbluten. Dann wird es auf den Rücken gelegt, die Füße trennt man in den Gelenken ab, der Brustschild wird rings behutsam abgelöst. Die Eingeweide werden, ohne die Galle zu verletzen, vorsichtig herausgenommen und das Fleisch herausgeschnitten. Aber auch die kleineren Arten lassen sich ganz gut verwenden. So die Fluß- und Schlammschildkröte, welche in den gemäßigten, südlichen Teilen Europas in den Flüssen und Sümpfen lebt und in Süddeutschland, in Italien und Dalmatien als Fastenspeise sehr beliebt ist. Die griechische Schildkröte ist die gewöhnlichste aller Landschildkröten. Sie wird bei uns gewöhnlich zur Suppe verwendet. Man tötet sie, indem man ihr ein glühendes Eisen auf den Rücken drückt, damit sie den Kopf hervorstreckt, welchen man ihr dann schnell abhackt.

Schildkrötensuppe mit Zitronensaft: Man bereitet eine gelbe Einbrenn, vergießt sie mit Wurzel- oder Erbsenbrühe, kocht darin die ausgelösten, zergliederten Schildkröten weich, würzt die Suppe mit Salz und Zitronensaft und gibt gebackene, sehr kleine Bröselknödel hinein.

Mit Wein: Die nach dem Abschlagen in warmem Wasser ausgewässerte Schildkröte wird nach dem Auslösen mit Butter, Wurzeln, Kräutern (Petersilie, Majoran, Basilikum), Pfeffer und brauner Suppe gedünstet. Dann nimmt man das Fleisch aus der Brühe, gibt zu dieser noch mehr braune Suppe und etwas Madeira (oder statt desselben anderen guten Wein mit einem Löffel Rum), Zitronensaft und Cayennepfeffer nach Geschmack, und kocht das Fleisch, welches man indessen zu länglichen Stücken geschnitten hat, damit auf. Beim Anrichten legiert man die Suppe mit dem aufgefangenen Blute der Schildkröte.

Schildkröten-Suppe: Eine ausgelöste Schildkröte wird mit Wurzelwerk, einem Stückchen Kalbfleisch, einigen Champignons in Butter gedünstet, dann stößt man alles fein zusammen und gibt es in eine gute Einmachsuppe, gießt etwas Madeira hinzu, läßt alles verkochen, seiht die Suppe und richtet sie über geröstete Semmeln an.

Schildkrötenslippe: Man zerlegt 3 überbrühte und ausgelöste Schildkröten sehr klein, macht eine Einbrenn, gibt die Schildkröten hinein, dünstet sie ab, und läßt sie, wenn man Petersilienwasser darüber gegossen hat, aufsieden, drückt Zitronensaft daran, gibt Zitronenschalen, Gewürz und Safran dazu und richtet die Suppe über gebähte Semmelschnitten an.

Schildkröten in Blutsauce: Man hackt von denselben Kopf, Schweif und Füße weg und läßt sie gut ausbluten, fängt aber das Blut in einer Schale auf. Dann setzt man die Schildkröten in kaltem Salzwasser zum Feuer und läßt sie so lange sieden, bis die Schalen aufgemacht werden können. Sodann nimmt man beide Schalen weg, die Schildkröten heraus, zieht die äußere Haut sauber ab, nimmt das Innere sorgfältig heraus und löst sie in Stücke. Man macht mit Butter eine kleine Einbrenn, gibt eine kleine mit Gewürznelken gespickte Zwiebel dazu, gießt mit Fleischbrühe auf und gibt etwas Zitronensaft und ein wenig Schale dazu. Dann legt man die Schildkröten hinein und läßt sie darin noch eine Weile kochen. Vor dem Anrichten mischt man das Blut dazu, die Sauce darf jedoch nicht mehr kochen.

Schildkröten in ihrer eigenen Schale: Nachdem sie in Salzwasser recht weich gekocht sind, öffnet man die Schalen, nimmt die Schildkröten heraus, teilt sie in vier Teile, bewahrt den Saft, der sich in der Schale findet, auf, sondert die Galle von der Leber behutsam ab, legt dann einige Stücke Butter in die Schildkrötenschale, gibt den darin gefundenen Saft wie die von der Haut gereinigten, zerteilten Schildkröten wieder hinein, fügt etwas Semmelbrösel, Butter, Zitronensaft und Zitronenschalen dazu und läßt sie im Rohr in einer Kasserolle gut aufsieden.

Schildkröte kalt: Die in Salzwasser gekochte Schildkröte wird aus den Schalen gelöst, ausgenommen, mit Rotwein, Suppe. Zwiebeln, Lorbeerblättern und Gewürz weich gekocht. Wenn erkaltet, schneidet man das Fleisch in Scheiben und richtet es auf dem sauber gemachten Rückenschild an. Nebenbei gibt man Essig und Öl, Salz und Pfeffer.


Nach dieser Lekture kann man nur Mitleid mit den armen Kröten hbaen.
Gruß grappola
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Mitglied seit 11.02.2004
14.112 Beiträge (ø2,17/Tag)




ciao grappola,

dass sind gerichte wo ich auch sehr gerne darauf verzichten
kann, wie auch z.b. froschschenkel.



saluti alberto





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Gelöschter Benutzer

Mitglied seit 02.03.2002
30.076 Beiträge (ø4,17/Tag)

Irre ich mich, oder sind beide Gerichte nicht eh in deutschen Restaurants tabu?

Gruß
Brigitte,

die ein Aufleben der Themen \"geschächtetes Fleisch beim Türken\" und \"richtige Hummerzubereitung\" befürchtet



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Mitglied seit 07.07.2003
2.920 Beiträge (ø0,43/Tag)

Hallo!

Vor ca. 15 Jahren wollte ein Onkel von mir in einem Restaurant Schildkrötensuppe bestellen und bekam da schon die Antwort, dass es selbige in Deutschland nicht mehr geben darf.
Zu Recht, in meinen Augen, denn viele Schildkröten sind vom Aussterben bedroht! zum Heulen

LG
Joseph!ne

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Mitglied seit 16.12.2003
54.827 Beiträge (ø8,35/Tag)



....Schildkrötensuppe steht nicht nur in deutschen Restaurants auf dem Index! Und die griechische Landschildkröte gehört wohl zu den geschützen Arten .....

...gibt es z.B. in Italien RESTAURANTS, die solche Gerichte noch servieren ? .....


fragende
Grisou
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Mitglied seit 20.12.2002
19.545 Beiträge (ø2,82/Tag)


Brigitte, das befürchte ich auch....................




gruß schorsch






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Mitglied seit 19.03.2004
5.218 Beiträge (ø0,81/Tag)


hallo!

der verzehr von schildkröten ist in europa lt. gesetz verboten. auch in südamerika, asien etc. arbeiten tierschutzverbände und behörden daran, die bevölkerung über die katastrophalen folgen der ausrottung diverser arten aufgrund von profitgier etc. zu aufzuklären. leider mit mässigem erfolg.

vor einigen jahren war ich in brasilien und habe dort ein projekt kennen gelernt, dass beispielhaft zeigt, dass es nur mit aufklärung und viel, viel zeit funktioniert. leider auch viel geld kostet. ich meine praia do forte

(auszug von der homepage des brasilien-service)
.... praa do forte mit weissem Sandstrand, ruhigem Meer, Riffen und Meeresschwimmbecken. Hinter den Stränden gibt es Wasserfälle, Lagunen und einen Fluss der im Urwald entspringt, der Rio Pojuca. Für Touristen, die Natur und Strände lieben sowie abends die Stimmung eines Ferienortes geniessen wollen, ist Praia do Forte ideal.

Das ehemalige Fischerdorf ist zu einem netten Urlaubsort mit zahlreichen Pousadas, Restaurants und Bars geworden - und fest in deutscher Hand.

1972 kaufte ein deutscher Industrieller dieses Dorf quasi mitsamt seinen Einwohnern, 7.000ha Urwald und einer Ruine, um hier den damals noch sehr utopisch erscheinenden \"ökologischen Tourismus\" aufzubauen.

Das bis dahin beliebte Einsammeln der Schildkröteneier sowie das Fangen der Singvögel wurde ebenso verboten wie der Bau von Häusern höher als eine Kokospalme. Baumfällarbeiten müssen genehmigt werden, Grundstücksmauern sind verpönt, um Spekulationen zu vermeiden können Fremde keine Häuser im Dorf kaufen. Noch immer sind die Strassen im Dorf nicht asphaltiert, gibt es keine störenden Hotelklötze, so dass der eigene Charakter bewahrt werden konnte.

In Praia do Forte hat die Organisation zur Rettung von Meeresschildkröten Tamar ihren Hauptsitz, die in Bahia ausser in Arembepe noch in Subaúma (nördl. von Praia do Forte) und auf dem Abrolhos-Archipel (vor der Küste im äussersten Süden) Stationen unterhält. Hier widmet man sich dem Schutz der Erforschung der Meeresschildkröten. .............

ich habe dort einheimische kennen gelernt, die in ihrer kindheit täglich schildkröteneier verzehrt haben und nun aktiv beim schutzprogramm mitwirken. ein beispielhaftes projekt!

ich selber habe die patenschaft für eine schildkröte \"elsa\" übernommen und war sehr beeindruckt von den erfolgen, die in 25 jahren erzielt wurden.

ich kann nur jeden bitten, auf speisen, die aus bedrohten tierarten produziert werden zu verzichten, ebenso auf \"mitbringsel\" wie schlangenleder-taschen etc. es sei denn sie haben ein zertifikat und stammen aus einer zuchtanstalt......wobei diese zuchtanstalten auch mehr als umstritten sind.....

gruß
grassi
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Mitglied seit 07.07.2003
2.920 Beiträge (ø0,43/Tag)

@Brigitte und Schorsch: was ist so schlimm an Diskussionen? Wer daran nicht teilnehmen will, muß es nicht tun!
Ich finde es wichtig, dass immer wieder auf solche Themen aufmerksam gemacht wird, man darf den Respekt vor anderen Lebewesen und der Natur nicht gänzlich verlieren!

LG
Joseph!ne
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Mitglied seit 31.03.2002
1.402 Beiträge (ø0,2/Tag)

@ Brigitte und @ Schorsch

Ihr habt die Austern vergessen

grinsegrüße
Menina
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Mitglied seit 20.12.2002
19.545 Beiträge (ø2,82/Tag)

Josephine,


es geht nicht um klare Diskussionen.

Das, was hier evtl. breitgetreten wird, hatten wir in letzter Zeit mit Hai und Walfisch.


Warten wir es einfach mal ab.





gruß schorsch

Moderator / Forenbetreuer im Kochforum




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Mitglied seit 16.12.2003
54.827 Beiträge (ø8,35/Tag)

Hallo,

ich finde das Thema an sich durchaus diskussionswürdig - mich würde jedoch interessieren, woher der Artikel stammt ......und wann er geschrieben wurde ....

....denn dass zB Schlammschildkröte in Süddeutschland heute noch als Fastenspeise verzehrt wird ist mir völlig neu ....

...ebenso dass die unter Artenschutz stehende griechische Landschildkröte \"gewöhnlich\" heute noch in Südeuropa als Suppeneinlage missbraucht wird ...

...für mich lokalisiert sich das Problem eher auf die von Grassi genannten Regionen, und da sehe ich mit Sicherheit Handlungsbedarf ...

Um sachlich über obigen Artikel diskutieren zu können fehlen mir einfach noch ein paar sachliche Infos ...

Liebe Grüsse
Grisou

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Mitglied seit 20.05.2004
1.705 Beiträge (ø0,27/Tag)

Hallo,

ich hab ein meinem ganzen Leben noch nicht einen derartigen \"Genuss\" zu mir genommen. Und ich bin kein Vegetarier. Allerdings verzehren wir hier nur Schweine- und Hühnchenfleisch aus artgerechter Haltung, dafür eben nicht so oft. Ich denke Haie, Wale, Schildkröten und ähnliches Getier sollte man da lassen, wo sie sind.

LG

Sandra



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Mitglied seit 19.03.2004
5.218 Beiträge (ø0,81/Tag)



Hallo!

Ich denke einfach, dass jeder wissen sollte, dass z.B. auch in Brasilien der Verzehr von Schildkrötenfleisch verboten ist, ebenso der Handel. Trotzdem werden ihre Panzer immer noch auf den Märkten, auch in direkter Nähe der Schutzgebiete, verauft. Zudem sind Schildkröteneier immer noch eine beliebte Vorspeise.


Leider denken sich so viele Touristen, dass, wenn es ja auf der Karte steht, erlaubt ist. Dem ist nicht so!! Leider wird es durch die Regierung nicht strikt verfolgt bzw. die Gesetzte können mit einigen Dollars auch umgangen werden....

So ist es auch in vielen Ländern Europas. In der Türkei wurde uns auch Schildkrötensuppe angeboten obwohl der Verzehr und der Handel auch dort untersagt ist....

Diese Themen sind meiner Meinung nach durchaus diskussionswürdig. Auch wenn nur eine Person dazu lernt und das nächste mal keine S-Suppe mehr isst, auch wenn sie noch so oft angeboten wird.

Grassi

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Mitglied seit 19.03.2004
5.218 Beiträge (ø0,81/Tag)


Wen es interessiert. Ich spreche in meinem Forum-Beitrag vom Projeto Tamar im Staat Bahia in Brasilien. Ein beispielhaftes Projekt, das Schule gemacht hat.

Grassi
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Mitglied seit 11.02.2004
14.112 Beiträge (ø2,17/Tag)




@grisou

nein!! nur du kannst so etaws in gutsortienten delikatessen
läden in der dose bekommen, leider muss ich dazu sagen.

es lohnt sich doch garnicht. auf so wenig genuss kann man mit leichtigkeit
verzichten. ich gleich einen rinderconsommé (richtig geschrieben?) machen.

nur wir gehen mit europäischen massstäben in die diskussion rein. in europa
ist auch der tier- und artenschutz sehr stark entwickelt (schorsch:auch in italien).

aber in afrika, indien, asien und oceanien können solche gerichte ganze familien
ernähren und die lebensgrundlage darstellen. daher sollten wir europäer nicht so
streng beurteilen, weil wir ganz anderen verständnisse dafür haben.

jeder kann nach seinem persönlichen ermessen handeln. eine weigerung
so etwas zu verzehren ist schon mal ein stück aktiven wiederstand.


saluti alberto







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