Mecklenburg - Vorpommern ist das am dünnsten besiedelte der deutschen Bundesländer. Auf einen Quadratkilometer kommen 74 Einwohner; ein Fünftel des gesamten Landes ist heute noch von großflächigen Waldgebieten bedeckt. Die Küsten Mecklenburg - Vorpommerns sind knapp 2000 km lang, davon sind ca. 380 km Außenküste, der Rest sind Bodden- und Haffküsten. Rügen, die größte deutsche Insel, gehört ebenfalls zu Mecklenburg – Vorpommern; im Hinterland gibt es ca. 2.000 Binnenseen.
Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein war dieses so reiche Land gleichzeitig ein armes Land, ein Land voller Gegensätze, die größer nicht sein konnten, ein Land der „Schlösser und Katen“. Bis ins 19. Jh. hinein bestand noch die gesetzlich verankerte Leibeigenschaft. Wer einmal Fritz Reuters „Kein Hüsung“ gelesen hat, der hat einen Eindruck bekommen, wie schwer und ausweglos das Leben der Tagelöhner hier war.
Das, was wir heute mecklenburgische Küche nennen, kam jedoch aus den kleinen, rußgeschwärzten Kochnischen der armen Menschen und nicht aus den großen Guts- und Schlossküchen, wo man mit Zutaten und Gewürzen kochen konnte, die ein einfacher Gutsarbeiter nie zu Gesicht bekam.
In den Tagelöhnerküchen und in den Küchen der Leibeigenen musste man mit dem auskommen, was der karge Acker oder der Garten, Wald und See lieferten. So entstanden Rezepte, die aus bodenständigen Grundzutaten eine nahrhafte, wohlschmeckende, einfache Kost ergaben. Wie etwa die „Klütersupp“, wobei es Zimt in den Bauernkaten wohl eher nicht gegeben hat.
Da große Teile Mecklenburg - Vorpommerns immer wieder zu Schweden gehörten (z.B. Rügen von 1648 bis 1815), macht sich natürlich auch ein gewisser Einfluss der schwedischen Küche bemerkbar.
In den Hansestädten wie Rostock, Stralsund oder Wismar brachten die Fahrensleute, die auf die Weltmeere hinaus segelten, auch bis dahin unbekannte Zutaten und Gewürze mit, die nach und nach Einzug in die Küchen der Reeder und des gutgestellten Bürgertums hielten.
Eine bevorzugte Stellung in der Esskultur des Landes im Norden hat bis heute natürlich der Fisch. In vielen Chroniken wird von einem außerordentlich großen Fischreichtum in den Seen und küstennahen Gewässern berichtet. Das sieht heute leider etwas anders aus, aber Dorsch, Hering, Makrele, Scholle oder Zander kann man auch heute noch in den Fischerhäfen direkt frisch kaufen, wenn die Fischkutter frühmorgens einlaufen.
Besondere Spezialität ist nach wie vor der geräucherte Aal, den man fast täglich im Frühjahr und Sommer an einem der überall aufgestellten Räucheröfen und kleinem Verkaufswagen erwerben kann.
Eine weitere Delikatesse ist der Hornfisch oder Hornhecht, den es nur kurz von Ende Mai bis in den Juni hinein gibt. Dieser Fisch hat wirklich grasgrüne Gräten und hat damit schon so manchen Binnenländler ver- oder erschreckt. Hier heißt es, der Hornfisch bringt den Sommer mit - wenn er an die Küsten kommt, beginnt die Sommerzeit.
In Mecklenburg-Vorpommern ist, wie fast überall in deutschen Landen, die Kartoffel, die dort „Tüften“ heißt, in zahlreichen Zubereitungen (seit dem mehr oder weniger nachdrücklichen Befehl des Preußenkönigs, dieses Gewächs an zu bauen) das wichtigste Grundnahrungsmittel. Im Herbst und Winter findet man den Grünkohl, der in Mecklenburg-Vorpommern oft auch mit Rosinen zubereitet wird, auf vielen Speisekarten.
Die regionale Küche liebt die süß-saure Variante vieler Gerichte, wie sie auch in anderen norddeutschen Gebieten zu finden ist. Getrocknete Früchte wie Rosinen und Backpflaumen werden sehr gerne mit Schweinefleisch kombiniert und der Gänsebraten kommt ohne gar nicht aus .
Da Mecklenburg - Vorpommern über ausgedehnte Wälder verfügt, gibt es viel Wild und auch reichlich Pilze.
Wenn man im Frühjahr durch das Land fährt, kann man gelbe Rapsfelder sehen, die bis zum Horizont reichen. Rapsöl ist das bevorzugte Öl der Hausfrauen in den Küchen. Ganz im Norden, in den sandigen Dünen findet man den Sanddorn. Die Beeren sind besonders reich an Vitamin C; genau wie früher zieht man heute noch mit Kind und Kegel zum Sanddorn pflücken, um daraus Konfitüre, Saft, Likör, Wein oder Tee herzustellen.
Zwei Besonderheiten Mecklenburg - Vorpommerns seien noch genannt:
Von frühesten Zeiten bis noch zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in vielen Orten Mecklenburg-Vorpommerns Siedesalz erzeugt.
Außer Aufzeichnungen in historischen Dokumenten beweisen das auch Ortsnamen wie Sülte, Sülten, Bad Sülze.
Und fast 800 Jahre, noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts, wurde in Mecklenburg Wein angebaut. Seit 1999 unternimmt man nun den Versuch, wieder Weinanbau zu betreiben - mit mehr oder weniger Erfolg.
Tipp: Weitere Informationen zur Küche in Mecklenburg-Vorpommern erfahren Sie bei kleine-speisereise.de unter Kulinarisches aus Mecklenburg-Vorpommern
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