Genuss mit Stil

Artikel vom 07.07.2008

Gesittet speisen

Gute Manieren Ähnlich wie bei den Manieren im Restaurant und allgemein bei Tisch gibt es bestimmte Esssitten, die meisten davon hat jeder bereits im Kindesalter gelernt. Einige Verhaltensweisen beim Einnehmen von Lebensmitteln haben sich im Laufe der Zeit geändert, sind sogar veraltet, man denke nur an die Spargelstange, die im Ganzen mit den Fingern in den Mund geschoben wurde... Unsere Esskultur hat sich weiterentwickelt, heute gibt es Fast- und Fingerfood, man isst auf der Straße, im Gehen und Stehen. Will man dann mal wieder „schick“ essen, ist manch einer schlichtweg verunsichert, welcher „Regel“ nun gefolgt werden soll und ob diese noch zeitgemäß ist. Dass Benimm & Etikette keinem klaren Regelwerk sondern eben auch dem Wandel der Zeit unterliegen, macht es für viele auch nicht leichter sich im Manierendschungel zu Recht zu finden; nie weiß man, ob das einmal gelernte Verhalten nicht doch Anstoß findet.
Deshalb sorgen Richtlinien für einen respektvollen und gekonnten Umgang mit den Nahrungsmitteln. Ob einfache Gerichte wie Spaghetti oder die Königsklasse „Hummer zerlegen“, korrektes Essverhalten ist ebenso erlernbar, wie die auf den ersten Blick etwas schwierig anmutenden Techniken des Zerlegens bestimmter Meerestiere. Einige Beispiele haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst, damit Ihrem Essvergnügen nichts mehr im Wege steht, vor allem nicht Sie selbst.

Amuse bouche:

Mit den Fingern oder doch mit Messer und Gabel? Nicht jede kleine Gaumenfreude oder „Gruß aus der Küche“ ist gleich, deshalb gibt es hier keine allgemein gültige Regel. Wird das Amuse bouche auf einem Löffel serviert, darf man es sich ungeniert in den Mund schieben; kleine Häppchen, die so in den Mund passen und keine schmutzigen Finger machen, gehen als Fingerfood durch und dürfen auch mithilfe derselben verspeist werden. Ein untrügliches Zeichen, dass kein Besteck benutzt werden muss ist, wenn keines dazu gereicht wurde. Sind Sie sich einmal nicht sicher, beobachten Sie einfach Ihre Mitmenschen im Restaurant oder benutzen im Zweifelsfall Messer und Gabel. Haben Sie gegen Ende Ihres Menüs zu wenig Besteck, wird Ihnen das Servicepersonal unaufgefordert ein Neues hinlegen.

Suppe:

Hier gilt, heute wie früher, pusten und schlürfen ist tabu! Das versteht sich von selbst, unangenehme Geräusche bei Tisch sind einfach nicht schön. Da es sowieso angemessener ist im Restaurant langsam zu essen, muss auch niemand Sorge haben, sich an der Suppe zu verbrennen. Behelfen kann man sich des Weiteren, indem man vom Rand des Tellers isst und den Mund nicht zu voll nimmt, sprich den Löffel nur zu 2/3 füllt. Ist der Teller fast „leer gelöffelt“, darf man ihn heute leicht schräg nach hinten oder seitlich kippen, um so die restliche Suppe aufnehmen zu können. Ein Kippen nach vorn ist wiederum etwas gefährlich, der Suppenteller könnte in unserem Schoß landen.

Salat:

Früher hieß es, der Salat darf auf keinen Fall geschnitten werden, man benutzte nur eine Gabel. Heute darf man große Blätter oder Gemüsestücke mit dem Messer schneiden bzw. mit dessen Hilfe auf die Gabel schieben, denn es sieht doch sehr unschön aus, wenn man ein Riesensalatblatt in den Mund nimmt und die Hälfte hängt heraus oder wird eventuell sogar unter schlürfen eingesogen... Oder das mühsam zusammengefaltet Blatt öffnet sich auf dem Weg zum Mund wieder, sodass das Dressing unter Umständen nicht nur Sie bespritzt.... Zu gefährlich, lieber das Messer benutzen, das ist nun wahrlich feiner!

Brot:

Egal ob Baguette oder dunkle Brotscheiben, hier wird nichts geschnitten oder im Ganzen bestrichen und abgebissen - Brot wird ganz einfach gebrochen. Die abgebrochenen mundgerechten Stücke können dann mit Butter oder anderen Dips bestrichen werden. Dippen ist zwar ganz groß in Mode, allerdings sind die vielen Krümel im Dip nicht wirklich appetitlich und die Kleckergefahr zu hoch.
Brot in die Suppe zu tunken ist im Restaurant nicht gerne gesehen, eine leckere Sauce hingegen mit Brot aufzunehmen, wird Ihnen niemand verübeln. Allerdings sollten Sie nicht so lange auf dem Teller „wischen“, bis dieser blank ist.

Spaghetti:

Jeder mag Spaghetti, obwohl sie nicht wirklich einfach zu essen sind. Der eine zerschneidet sie, der andere schlürft sie ein, wieder andere behelfen sich mit einem Löffel und drehen die langen Nudeln auf. Letztere Variante ist die kultivierteste, besonders stilvoll ist es jedoch, wenn man es schafft, die Spaghetti nur mit der Gabel aufzudrehen. Gerade in einem Restaurant lässt einen aber selbst diese Lösung unter Umständen in eine Falle tappen, beherrscht man die Technik des Aufrollens auf die Gabel nicht perfekt. Ein kleiner Spritzer Nudelsauce kann sich nämlich unter Umständen auch von aufgerollten Spaghettis lösen und hässliche Flecken auf der Kleidung verursachen...

Fisch:

Kommt der Fisch im Ganzen auf den Tisch, ist also noch nicht entgrätet, haben viele ein Problem, denn einen Fisch fachgerecht zu Zerlegen will gekonnt sein. Damit Sie demnächst als Experte glänzen können, zeigt Ihnen Carsten Dorhs in unserer Fischkunde, wie es richtig gemacht wird.
Sollten Sie doch einmal eine Gräte übersehen haben und finden diese anschließend in Ihrem Mund wieder, holen Sie diese ganz diskret hinter vorgehaltener Hand mit den Fingern heraus. Eine alte „Benimmregel“ verwies hier zwar lange Zeit auf die Benutzung der Gabel, doch ist es ziemlich schwer diese in eine vollen Mund zu bringen, dabei die Gräte im Mund zu separieren und dann ohne bereits zerkautes Fischfleisch auf die Gabel zu bugsieren...

Hummer, Garnelen und Muscheln:

Einen Hummer aus seinem Panzer zu befreien ist wahrlich die Königsklasse. Eine schriftliche Erklärung hilft da meist auch nur bedingt weiter, deshalb zeigt Ihnen Carsten Dorhs dies im Video Kleine Krustentierkunde.
Hier erfahren Sie zudem, wie man Garnelen und Muscheln richtig zubereitet. Im Restaurant kann es sein, dass Ihnen Garnelen noch im Panzer serviert werden. Wie sie die Meerestiere aus ihrer Schale befreien, hängt davon ab, ob eine Fingerschale zur Verfügung steht, diese deutet immer auf die Benutzung der Finger hin. Ist keine Möglichkeit gegeben, sich diese am Tisch zu reinigen, greifen Sie lieber auf Messer und Gabel zurück. Meist sind Garnelen im Restaurant aber bereits geschält, Kopf oder Schwanz können zur Deko mitserviert werden und lassen sich einfach abziehen.
Bei Muscheln gilt (z.B. Miesmuscheln), es gibt kaum ein besseres Besteck, als die Muschel selbst. Man greift mithilfe der noch zusammenhängenden Muschelschale einfach die nächste Muschel und zieht ebenso mit der Schale das Muschelfleisch heraus.

Fleisch:

Grundsätzlich ist Fleisch ein wenig problematisches Essen, da es in Einzelportionen serviert wird und keiner der Anwesenden einen Truthahn tranchieren oder einen Braten fachgerecht aufschneiden muss. Das man ein gutes Messer und Gabel benutzt, versteht sich von selbst, geht es etwas rustikaler zu, dann dürfen z.B. Weißwurst oder Spareribs mit den Fingern gegessen werden.
Bei Geflügelfleisch wird es in der Regel schon etwas kritischer. Befinden Sie sich in einem zwanglosen Restaurant, wo z.B. Chicken Wings oder Nuggets als Fingerfood serviert werden, dürfen Sie diese selbstverständlich mit der Hand essen. In einem feineren Lokal, wo ein Hähnchenschenkel mit Beilagen serviert wird, sollten Sie anstandshalber auf das Abnagen der Knochen verzichten und auf Messer und Gabel zurückgreifen. Eine Ausnahme bildet sehr kleines Geflügel. Werden Wachtelkeulen serviert, ist das Sezieren mit Messer und Gabel einfach zu umständlich, die Finger dürfen, wenn eine Fingerschale bereit steht, benutzt werden.

Gemüse:

Natürlich weiß jeder, dass man in einem Restaurant die Kartoffeln auf dem Teller nicht mit dem Gemüse quetscht, sondern beides, falls die Stücke zu groß sein sollten, in mundgerechte Häppchen mit der Gabel zerteilt und auf dieselbige mit dem Messer schiebt. Noch feiner ist es, die einzelnen Komponenten auf dem Teller auch Stück für Stück nacheinander zu verzehren, um so der Gefahr aus dem Weg zu gehen, dass von der perfekten Komposition aus Fleisch, Kartoffeln und Gemüse die Hälfte nach Heben der Gabel wieder auf den Teller plumpst.
Ein kulinarisch schwieriger Fall war bis vor wenigen Jahren der Spargel. In früheren Zeiten galt: Die Spargelstange wird mit den Fingern gegessen, da das Besteck bei Spargelkontakt oxidierte. Zum Glück ist diese unschöne Sitte Vergangenheit, denn es gab nur zwei Möglichkeiten – entweder wurde der Spargel abgebissen und tropfte, oder wenn er aufgrund der Fasern nicht gut zu beißen war, wurden unschöne Spargelfäden, die bereits den Mundinnenraum betreten hatten, wieder herausgezogen. Wer den anderen Gästen am Tisch diesen Anblick ersparen wollte, schlürfte den Spargel am ganzen Stück... Dies verursachte zum einen nicht gerade sehr dezente Geräusche, es sah auch alles andere als stilvoll aus. Schön also, dass Spargel wieder, wie jedes andere Gemüse, zivilisiert mit Messer und Gabel zu sich genommen werden kann, ohne sich damit zu blamieren!

Desserts:

Egal ob Kuchen oder ein kunstvoll angerichteter Teller mit Variationen aus Eis oder Cremes, das richtige Besteck wird hier vom Personal gereicht. Meist haben Sie sowohl einen Löffel als auch eine kleine Gabel zur Auswahl, können aber auch beides gleichzeitig verwenden; eine festgeschriebene Regel, welches Besteckteil in welcher Hand zu liegen hat, gibt es nicht. Wird Ihnen als süßer Abschluss ein Tellerchen mit Plätzchen und Pralinen gereicht, dürfen Sie diese natürlich mit der Hand aufnehmen.

Das wäre geschafft! Das meiste hätten Sie sicherlich rein intuitiv richtig gemacht, aber manchmal ist man sich eben doch nicht so sicher...
Immer noch lassen viele z.B. die Dekoration auf dem Teller liegen, weil sie annehmen, diese ist nicht Bestandteil des Gerichtes. Aber keine Sorge, alles auf dem Teller befindliche muss essbar sein und darf daher mitgegessen werden, ein Anstandshappen ist nicht von Nöten.
Auch bei der Zahnpflege nach dem Essen gibt es hin und wieder Unsicherheiten. Die Speisereste hinter vorgehaltener Hand zu entfernen, ist schon sehr wünschenswert – ganz korrekt gehört die Zahnpflege aber nicht an den Tisch. Sie sollten aufstehen und sich auf dem WC von etwaigen Speiseresten befreien.
Niemand ist perfekt und kleine Missgeschicke können jedem passieren, aber einige unbekannte Esssituationen kann man durch gute Manieren, ein natürliches Bauchgefühl und einer kleinen Portion Wissen ganz einfach meistern!

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei Ihrem nächsten Restaurantbesuch und vielleicht trauen Sie sich ja dann schon, einen Fisch vor den Augen Ihrer Begleitung perfekt zu Zerlegen!

Lesen Sie auch: „Richtiges Benehmen bei Tisch“!


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Artikel vom 07.07.2008
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