Die Bremer Küche

Typische Spezialitäten aus der Bremer Küche

Bremer Hafen Bremen ist das kleinste der deutschen Bundesländer, obwohl es eigentlich aus zwei Städten besteht: Bremen und Bremerhaven. Das Fürstentum Bremen umfasste noch bis zur Mitte des 17. Jh. weite Teile zwischen Weser und Elbe und wurde mit dem “Westfälischen Frieden” den Schweden zugesprochen. 1871 wurde das Land dann ein eigener Bundesstaat im deutschen Kaiserreich und nach dem 2. Weltkrieg konnte Bremen seine Eigenständigkeit behalten.

Als eine der reichen Hansestädte hatten die Bewohner weit mehr Möglichkeiten einer abwechslungsreichen Kost, vorausgesetzt, sie konnten die auf den Märkten feilgebotenen Waren und Gewürze auch bezahlen.
Diejenigen, die sich vom Ertrag ihrer sandigen Böden ernähren mussten aßen, bevor die Kartoffel Einzug hielt, dreimal am Tag Grütze, vor allem vom Buchweizen; die Reicheren aßen Curryhuhn.
Jetzt werden sich einige fragen: wieso Curryhuhn in Norddeutschland? Das Curryhuhn ist schon irgendwann im 19. Jahrhundert zum Traditionsgericht der Bremer Hanseaten erklärt worden. Sehr wahrscheinlich haben Seeleute das Rezept und die dazugehörigen Gewürze mitgebracht. Vermutlich wurde mit Curry so manches Gericht an Bord „verfeinert“, wenn die Zutaten auf der großen Fahrt allmählich immer seltsamer rochen. Im Laufe der Zeit gab es viele Variationen. Kapern, Spinat oder Champignons wurden dazugegeben, Pinienkerne, so man hatte, und anderes mehr.

Wie überall in Norddeutschland, finden wir auch in Bremen merkwürdige Begriffe auf den Speisekarten. Namen wie “Bunte Finken” , “Plockfinken” oder “Gepluckte Finken” lassen die Tierschützer hier völlig kalt, denn der Gast bekommt keine Vögel auf den Teller sondern einen Eintopf mit Speck mit Bohnen.

Natürlich stand und steht auch Fisch auf der Speisekarte der Bremer. “Bremer Aalsuppe” ist eben so beliebt wie Labskaus, den man traditionell mit Matjes und Rollmops serviert.

Jeder Bremer, der etwas auf sich hält, sehnt die Winterszeit herbei und damit die Braunkohl- oder Grünkohlzeit. Die Saison beginnt offiziell am Buß- und Bettag im November, vorausgesetzt, der Kohl hat dann schon den ersten Frost bekommen. Die Kohl und Pinkel - Saison wird meist feucht - fröhlich begonnen und auch dementsprechend fortgesetzt.

Eine weitere Bremer Spezialität ist das “Kükenragout”. Der Sage nach soll eine Glucke mit ihren Küken Fischern, die auf der Weser in ein Unwetter geraten waren, den rettenden Weg zu einer Sandbank gezeigt haben. Gedankt allerdings haben die Fischer dem Federvieh die Rettung nicht - allesamt wanderten in den Kochtopf zum ersten Bremer Kükenragout.
Da erscheint die zweite Variante der Worterklärung schon besser. Danach ist „Kiken“ eine im 19. Jahrhundert gebräuchliche plattdeutschen Bezeichnung für Hühnchen.

Die Bremer können aber auch backen und so gibt es „Bremer Klaben“ und „Wickelkuchen“ aus einem Hefeteig mit Mandeln und Korinthen gefüllt und so manches andere mehr.

Zum Schluss sei noch eine Jahrhunderte alte Bremer Tradition erwähnt, das „Schaffermahl“.
Jedes Jahr am zweiten Freitag im Februar um 15 Uhr wird im Bremer Rathaus zum Schaffermahl geladen. Zu diesem von drei auserwählten Bremer Bürgern ausgerichteten Ereignis werden verdiente Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens eingeladen. Unter den 300 (fast) ausschließlich männlichen Gästen (2005 durfte die erste Frau teilnehmen) befinden sich auch Kapitäne und Reeder, denn traditionell war das Schaffermahl das Abschiedsessen für die Bremer Seeleute, die im Frühjahr nach der Eisschmelze wieder in See stechen wollten. Da die Seefahrt Jahrhunderte lang eine riskante Angelegenheit war, diente das große Essen dazu, vor der Abreise finanzielle und sonstige Angelegenheiten zu regeln.
Seit 1545 findet diese Zusammenkunft statt. Das Schaffermahl ist und war immer eine soziale Angelegenheit, an deren Ende ein Salzfass herumgereicht wird, in das die Gäste eine großzügige Spende legen sollen.
»Schaffen« kommt von »beschaffen« und heißt soviel wie » Es ist angerichtet«, ein Schaffer ist jemand, der das Essen heranschafft, deshalb heißen die drei verdienten Bürger, die die Veranstaltung bezahlen, auch »Schaffer« .
Heute treffen zum Schaffermahl vor allem bedeutende Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur zusammen und jeder darf nur ein einziges Mal kommen. Ausnahmen gelten nur für jene, die schon mal „geschafft“ haben und für den Bremer Bürgermeister, weil er der Hausherr ist.
Traditionell gibt es sechs Gänge mit echter Bremer Hausmannskost.
Das Essen beginnt mit einer braunen und einer weißen Suppe, die eine aus Hühnchen, die andere aus Ochsenlenden gekocht.
Es folgt Stockfisch in Senfsauce - für die Seeleute ein Vorgeschmack auf das, was sie wieder auf See erwartet. Danach kommt Braunkohl mit Rauchfleisch und Pinkel auf den Tisch, gefolgt von Kalbsbraten mit Äpfeln und Backpflaumen.
Weiter geht es mit Chester und Rahmkäse, zusammen mit Zunge und geräuchertem Butt. Abgerundet wird das Menü von Früchten und Kaffee.
Zwischen den Gängen putzen Gäste ihr Besteck mit dem bereitliegenden Löschpapier selbst ab, denn jeder bekommt nur einmal Löffel, Messer und Gabel. Damit soll daran erinnert werden, dass auf den Schiffen alles knapp ist, auch das Besteck.
Für dieses Mahl wird extra ein dickes, süßes Seefahrerbier gebraut. Es gibt allerdings auch Weiß- und Rotwein.

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