Keine Sorge, die Tischetikette in einem Nobelrestaurant ist keine Fremdsprache und die Regeln sind heutzutage auch nicht mehr in Stein gemeißelt, sondern eher Richtlinien. Grundvoraussetzung für den Besuch eines Gourmetrestaurants sind allgemeines Wissen über gute Tischmanieren, Höflichkeit sowie ein gewisses Maß an Souveränität und Zurückhaltung, je nach Situation. Kennt man die wichtigsten Gepflogenheiten, kann einen kaum eine Situation wirklich verunsichern und mit ein bisschen Charme und Stil werden kleine Peinlichkeiten im Notfall locker überspielt. Einige Tipps werden Sie sicherlich schon kennen und so handhaben, aber vielleicht gibt es für Sie noch den einen oder anderen Rat, mit dem Sie beim nächsten Dinner im Feinschmeckerlokal eine noch bessere Figur machen!
Outfit
Sicherlich, ein Restaurantbesuch ist kein Staatsempfang, dennoch gibt es in gehobenen Restaurants ungeschriebene Gesetze über einen angemessenen Kleidungsstil. So sind Anzüge an Männern immer gerne gesehen, es reicht aber häufig auch eine legere Hose mit Jackett und Krawatte. Manche Männer tragen gerne unauffällige Turnschuhe zum Jackett, dies wird jedoch nicht in allen Feinschmeckertempeln akzeptiert. Auf Nummer sicher geht „Mann“, wenn er sich vorher telefonisch über den Dresscode informiert.
Den schlimmsten Fauxpas begehen Männer immer noch bei der Sockenfrage, auch wenn weithin bekannt ist, dass Tennissocken nicht zu einem schicken Outfit (eigentlich zu nichts, außer dem Tennisdress...) passen. Es gibt aber leider immer noch Exemplare auf der Welt, die davon noch nie etwas gehört haben...
Frau hat es da meist einfacher, auch wenn die Qual der Wahl sie meist längere Zeit vor dem Kleiderschrank verweilen lässt. Zur Auswahl stehen Hosenanzüge genauso wie ein schicker Rock oder ein schönes Kleid. Auch das „kleine Schwarze“ hat bis heute nicht ausgedient und kann sich überall sehen lassen, aber Achtung: Ein zu tiefes Dekolleté und zuviel Bein sieht schnell unpassend aus... Bei der Farbauswahl gilt es, den eigenen Typ zu unterstreichen, wobei dezente Farben besonders auffälligen Modetrends immer vorzuziehen sind.
Betreten des Restaurants und der Gang zum Tisch
Pünktlichkeit ist eine Tugend und gerade im Handyzeitalter sollte es nicht schwer fallen, Verspätungen kurz mitzuteilen. Kommen nicht alle gleichzeitig im Restaurant an, so gibt es zwei Möglichkeiten: Man wartet entweder vor der Tür oder, falls es doch länger dauert, im Foyer bzw. an der Bar des Lokals. Bei der zweiten Variante gönnt man sich schon einmal einen kleinen Aperitif. Treffen die anderen ein, lässt man sich geschlossen zum Tisch führen. Wartet man als Gastgeber am Tisch auf seine Gäste und hat eventuell bereits die Speisekarte vor sich, verursacht dies bei den Nachzüglern einen unangenehmen Eindruck, auch wenn der Gastgeber vielleicht viel zu früh dran war und die Verspäteten eigentlich pünktlich sind...
Früher galt, der Mann betritt das Restaurant zuerst, um der Dame die Tür aufzuhalten, anschließend hilft er ihr aus dem Mantel und geleitet seine Begleitung zu Tisch, der Servicekraft folgend. Heute ist es egal, ob der Mann der Frau diese Höflichkeiten erweist oder genau anders herum. Meist sind auch die Servicekräfte für all diese Aufmerksamkeiten sofort zur Stelle, sodass sich eigentlich kaum noch die Frage stellt. Allerdings sind dies immer noch Gesten, die „Frau“ als angenehm und aufmerksam empfindet und so darf „Mann“, wenn beide es möchten, immer noch der „Gentleman“ sein.
Platz nehmen/Sitzordnung/Sitzhaltung
Auch beim Platz nehmen sind die Servicekräfte in einem Sternerestaurant meist sofort zur Stelle, sind mehrere Damen am Tisch, können Gentlemen aber gerne den Stuhl der Partnerin zurechtrücken. Dies ist heute allerdings ebenfalls kein Muss, Frau kann dies, wenn es ihr lieber ist, auch selbst tun. Galt früher eine gewisse Sitzordnung als Etiketteregel, brauchen Sie sich auch darüber keine Gedanken mehr zu machen. Jeder kann sitzen wo und neben wem er möchte. Allerdings sollte man als Gastgeber in einer größeren Runde darauf achten, dass sich die jeweiligen Tischnachbarn etwas zu erzählen haben und niemand abgesondert sitzt. Man soll sich wohl fühlen und zwischen den Gängen angeregt unterhalten. An einem kleinen Tisch, wo alle an einer Unterhaltung teilnehmen können, spielt dies natürlich keine Rolle, an einem größeren Tisch sollte man aber nicht auf die andere Seite brüllen müssen, um mit seinem Gegenüber zu kommunizieren, weil man mit seinem Sitznachbarn keinen Gesprächsstoff hat.
Grundsätzlich ist bei Tisch zu empfehlen, dass ist jedem klar: Gerade sitzen und versuchen die Ellenbogen nicht auf dem Tisch abzustützen, vor allem nicht während man isst. Die Hände gehören bis zu den Handgelenken am besten vor oder neben den Teller, um sich abzustützen. Eine Armlehne ist ebenfalls immer wieder gerne genommen. Sich, während man im Gespräch ist, an den Stuhl anzulehnen, gilt als unhöflich - früher wie heute. So signalisiert man seinem Gegenüber höchstens, dass man sich wünschte, das Gespräch würde endlich vorbei gehen und der nächste Gang schnellst möglich kommen...
Verhalten bei Tisch
Versuchen Sie locker zu bleiben und sich eine eventuelle Aufregung oder Verunsicherung bei Tisch nicht anmerken zu lassen. Sie wissen natürlich, dass man die Besteckreihenfolge „von außen nach innen“ einhält, egal wie viele Bestecke vor Ihnen liegen. Sind Sie sich einmal nicht sicher, ob bei einem gereichten Amouse Bouche, also einem Appetithäppchen, Besteck verwendet wird, dann schauen Sie einfach, was die anderen machen. In der Regel gilt: Wird der Gruß aus der Küche auf einem Löffel serviert, dürfen Sie diesen auch mit dem darauf liegenden Häppchen zum Mund führen. Sind mehrere Häppchen auf einem Teller und Sie befürchten sich die Finger schmutzig zu machen benutzen sie ein Besteck. Haben Sie irgendwann im Laufe des Abends weder Messer noch Gabel übrig, erhalten aber noch einen weiteren Gang, wird die Servicekraft kein Aufhebens darum machen und kommentarlos neu eindecken. Lassen Sie hingegen niemals benutztes Besteck neben dem Teller oder auf der Serviette liegen - das ist unappetitlich und nicht fein. Sind Sie fertig mit einem Gang, wird das Messer mit der Schneideseite parallel zur Gabel gelegt und signalisiert so den Servicekräften, dass sie abräumen können. Wie serviert wurde, wird auch der beendete Gang abgetragen, also immer von rechts. Hilfe Ihrerseits ist hier nicht notwendig, auch wenn Sie es vielleicht als höflich empfinden, einen Teller anzureichen oder gar mehrere zusammenzustellen. Hier noch weitere Tipps in Kurzform:
- Die Servicekräfte in einem gehobenen Restaurant sind sehr aufmerksam und werden ständig schauen, ob Sie noch alles haben und zufrieden sind. Sollten Sie doch einmal einen Wunsch haben, versuchen Sie mit der Bedienung Augenkontakt herzustellen und ihr ein Handzeichen zu geben. Den „Herrn Ober“ zu verlangen oder gar „Fräulein“ durchs ganze Restaurant zu rufen, ist hingegen aus der Mode gekommen...
- Während man mit Sekt/Champagner immer noch gerne die Gläser klingen lässt, wird mit Wein, Bier oder ähnliche Getränken nicht mehr angestoßen. Die Gläser zu erheben, sich zuzunicken und ein gut gemeintes „Zum Wohl“ ist heute die feinere Art.
- Sekt- und Weingläser werden am Stiel angefasst, so gibt es keine Fingerabdrücke am Glas.
- Lassen Sie sich von der Gläservielfalt an Ihrem Platz nicht beeindrucken, diese werden von den Servicekräften mit dem passenden Wein zum Gang befüllt, haben Sie sich für begleitende Weine durch Auswahl des Sommeliers entschieden, ebenso wie das Wasserglas – Sie können also nicht daneben greifen!
- Wer lieber ganze Flaschen einer oder mehrerer Sorten bestellen möchte, sich aber nicht entscheiden kann, sollte sich auch hier vom Sommelier oder der Bedienung beraten lassen.
- Bei Bestellung einer Flasche eines edlen Tropfens wird dem Gastgeber oder dem „Kenner“ (durchaus heute auch eine Frau) unter den am Tisch versammelten Gästen ein Probierschluck eingeschenkt. Hier soll getestet werden, ob der Wein richtig gekühlt ist oder korkt. Aber Achtung, wenn Sie meinen, der Wein korkt, sollten Sie sich vorher vergewissern, ob der Wein tatsächlich einen Naturkorken hat, einige Hersteller verwenden heute inzwischen z.B. Glaskorken...
- Gibt es Gerichte auf der Speisekarte, die Sie nicht einordnen können, dann trauen Sie sich nachzufragen. Die Bedienung wird Ihnen gerne auf die Sprünge helfen. Peinlicher wäre es, wenn Sie etwas bestellen, dass Sie nicht kennen und kaum steht es auf dem Tisch rummäkeln, weil das Kalbsbrie kein Kalbfleisch mit Brie ist...
- Während des Essens liegt die Serviette nicht ganz geöffnet auf dem Schoß, beim Aufstehen oder nach dem Essen wird sie grob gefaltet links neben den Teller, nicht aber auf den Stuhl, gelegt.
- Links an Ihrem Platz steht ein kleiner Brotteller und meist wird zu Beginn gesalzene Butter gereicht. Hier verlangt die feine Art, das Brot zu brechen und Stück für Stück mit Butter zu essen. Das ganze Brot hingegen komplett zu bestreichen, sieht nicht sehr schön aus.
- Natürlich darf man sich bei Tisch, es sei denn, man hat gerade den Mund voll, unterhalten. Allerdings sollte dies in einer angemessenen Lautstärke sein. Tabuthemen sind Krankheit, Tod, Sex, Religion und Politik, wobei es bei letzterem auf den Inhalt der Themen ankommt.
- Ebenfalls störend für andere Gäste und unhöflich gegenüber der eigenen Begleitung ist das Telefonieren bei Tisch. Entweder sollte das Handy auf stumm bzw. vibrieren geschaltet in der Tasche bleiben oder man zieht sich diskret zurück, wenn ein dringlicher Anruf erwartet wird oder es sich um einen Notfall handelt.
- Ebenfalls nach draußen geht man heute, um seinem Verlangen nach einer Zigarette nachzugehen. Viele Restaurants haben aber seit dem Nichtrauchergesetz eine Räumlichkeit geschaffen, wo dies, ohne andere zu belästigen, möglich ist.
Bezahlung
Irgendwann hat alles einmal ein Ende, auch wenn der Abend noch so schön war. Nun bleibt nur noch die Bezahlung der leckeren Speisen und Getränke. Wenn Sie vorher angekündigt haben, dass eventuell mehrere Rechnungen erstellt werden müssen, ist dies kein Problem, am Schluss jedes Glas Wein auseinander dividieren zu müssen, ist hingegen lästig. Charmanter ist es, wenn einer für alle bezahlt und später einfach durch die Anzahl der Personen geteilt wird, auch wenn der eine vielleicht einen Espresso mehr hatte. Bezahlt man mit Kreditkarte am Tisch, ist dies wohl die diskreteste Art, die Rechnung zu begleichen. Niemand schaut beim Zählen der Geldscheine zu, vor allem wenn das Abendessen eine Einladung war. Das Trinkgeld wird jedoch immer in bar dazu gegeben. 5 bis 10% sind angemessen, auch wenn dies keine Pflicht ist, zeigt es doch, ob Sie mit Essen und Service zufrieden waren.
Gab es im Laufe des Abends einen Zeitpunkt, wo Sie dies nicht waren, nützt es im Nachhinein wenig, sich zu beschweren und auf einen Nachlass im Preis zu hoffen. Sagen Sie immer direkt, wenn etwas mit Speisen oder Getränken nicht in Ordnung ist.
Wie Sie bestimmte Speisen richtig zu sich nehmen und welche Sitten und Gebräuche in anderen Ländern dieser Welt herrschen, klären wir für Sie in einem unserer nächsten Artikel. Bis dahin wünschen wir Ihnen stilvolle Augenblicke in einem der zahlreichen Feinschmeckerlokale unseres Landes!

Henglein
Rama Cremefine

