„Gut essen und trinken hält Leib und Seele zusammen“ - dieser Spruch ist überall bekannt aber nirgendwo wird er auch so „gelebt“ wie in Bayern.
Die Entwicklung der traditionellen bayerische Küche hatte einen großen Vorteil gegenüber den meisten anderen Regionen Deutschlands - hier regierten über 800 Jahre ununterbrochen Herzöge, Könige und Kurfürsten aus dem ältesten Adelsgeschlecht Deutschlands - den Wittelsbachern. Das bedeutete Beständigkeit und festgeschriebene Gesetze, die Jahrhunderte immer gleich blieben. Eines der wichtigsten war das Erbgesetz. Dieses verhinderte die Zersplitterung des Familienbesitzes und hatte zur Folge, dass es viele reiche Erbhöfe im auf die Landwirtschaft ausgerichteten Bayern gab. Reichtum bedeutete natürlich mehr Vieh, mehr Fleisch, mehr Mehl etc. und der Schmalztopf war meist gut gefüllt.
Das Ergebnis ist eine bäuerlich deftige Fleischküche und traditionelle gute Mehlspeisen.
Die traditionelle Weißwurst gibt es übrigens erst seit 1857 und das kam der Legende nach so:
An einem kalten Februarmorgen anno 1857 sollte der, nach einer durchzechten Faschingsnacht noch nicht wieder ganz nüchterne, Metzgergeselle Sepp Moser Bratwürste herstellen. Da sein Blick noch etwas getrübt war, erwischte er die falschen Därme und presste sie voll Brät. Diese Würste waren viel zu dick und groß zum Braten. Außerdem hatte der Metzger Bedenken, die Würste könnten platzen. Also warf er sie einfach in heißes Wasser und lies sie gar ziehen - seine „Spezialität“ fand großen Anklang, wurde nach und nach verfeinert und zu einem festen Bestandteil der bayrischen Traditionsküche.
Wer allerdings die bayerische Küche auf Weißwurst oder Schweinshaxen mit Sauerkraut und Knödeln reduziert, macht einen Fehler. Die Küche ist weitaus vielfältiger und abwechslungsreicher. Beeinflusst wurde sie ab dem ausgehenden 18. und vor allem im 19. Jahrhundert durch die in Mode kommende französische Küche, aber auch durch die Küchen Italiens, Österreichs und Ungarns.
Beispiele, der aus bayerischen Küchen und von Speisekarten nicht weg zu denkenden Gerichte, sind:
- Schweinsbraten mit Knödeln
- Gerichte aus gekochtem Rindfleisch
- Hendl
- Eintöpfe wie der “Pichelsteiner”
- Ragouts (vor allem Ochsenschwanzragout)
- Suppen mit Einlagen wie Leberknödel, Pilze oder gebundene Suppen
- Strudel aller Art
- Für die allseits beliebte Brotzeit Würste, Obatzda, Sulz
- Süßspeisen und Desserts, allerlei süße Knödel, wie z. B. Marillenknödel, Kaiserschmarrn, Rohrnudeln
- Zum Kaffee z.B. Zwetschgendatschi oder Apfelstrudel
Bei allen deftigen kulinarischen Genüssen ist eines allerdings ganz wichtig - das gute bayerische Bier - dies ist auch eine Art bayerische Lebensphilosophie.

Henglein
Rama Cremefine

