Wir sprachen mit Antje Gahl, Leiterin der Pressestelle „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“
Seit einigen Monaten wächst die Auswahl an Smoothies und Ganzfruchtsäften im Kühlregal, entsteht hier gerade ein neuer Trend und wo kommt dieser Trend her?
Antje Gahl: Natürlich, hier kann man sicherlich von einem Trend sprechen, schaut man sich den seit einigen Monaten ständig steigenden Markt an Smoothies an. Ursprünglich kommen Smoothies aus den USA. Hier haben sich schon vor vielen Jahren Saftbars etabliert, wo frische Früchte püriert und mit Eis gemixt gekühlt angeboten wurden. Solche Trends bringt meist jemand aus dem Urlaub mit und so haben Saftbars auch in Deutschland Einzug gehalten. Gerade in unserem recht stressigen Alltag, wo viele einfach wenig Zeit haben, trägt sich solch eine Idee weiter und entwickelt sich bei entsprechender Nachfrage zu einem Trend.
Was ist genau drin, oder sollte drin sein, in einem guten Smoothie?
Antje Gahl: Ein Smoothie ist ein Ganzfruchtgetränk und besteht, im Gegenteil zum Fruchtsaft, aus ganzen Früchten, Schale und Kerne werden nicht mitverarbeitet. Es gibt die unterschiedlichsten Rezepturen auf dem Markt, ein guter Smoothie zeichnet sich aber durch seine Zutaten aus und sollte zu mind. 50% aus Fruchtpüree oder Mark bestehen, und zu 50% aus Direktsaft. Nicht hinein gehören Zusatzstoffe (auch kein zugesetztes Vitamin C o.ä.), Farb- oder Konservierungsstoffe und Zucker, denn Obst liefert schon genügend eigenen Fruchtzucker. Ein Smoothie, der nur aus Saft-Konzentraten besteht, ist im Übrigen keiner, sondern ein Fruchtsaft.
Es wird für einen Smoothie die pürierte Frucht verwendet, also ohne Schale und ohne Kerne – aber stecken nicht gerade unter der Schale viele Vitamine und Nährstoffe?
Antje Gahl: Beerenfrüchte kann man komplett verarbeiten, bei Bananen und Orangen verwendet man die Schale natürlich nicht, bei Äpfeln und Birnen könnte man es sicherlich, was aber evtl. produktionstechnisch schwierig ist. Gerade beim Apfel stecken direkt unter der Schale die meisten Vitamine und Nährstoffe, aber auch die Schale als solche liefert wichtige Ballaststoffe, die den Magen füllen und somit besser sättigen
Viele Hersteller werben mit Slogans, die die Deckung des kompletten Tagesbedarfs an Obst in einer Flasche versprechen. Kann eine Flasche Obstpüree fünf Portionen Obst und Gemüse ersetzen?
Antje Gahl: Fünf Portionen sicherlich nicht, aber ein Smoothie aus Fruchtmark und Direktsaft kann ca. 1-2 Portionen ersetzen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt 400 g Obst und Gemüse am Tag, wobei dies mehr als Mittelwert zu verstehen ist, da in Entwicklungsländern mit geringer Verfügbarkeit und geringem Konsum von Obst u. Gemüse gerechnet werden muss. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt rund 250 g Obst und 400 g Gemüse am Tag. Nur ein Smoothie, der wirklich aus 50% „ganzem“ Obst oder Gemüse als stückige Bestandteile oder Pürees besteht und außer Fruchtsaft keine weiteren Zusätze oder Konzentrate enthält, kann die erwähnten 1-2 Portionen Obst am Tag ersetzen.
Der Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Sekundären Pflanzenstoffen ist bei frischem Obst u. Gemüse höher als bei Saft oder Smoothies. Letztere haben einen vergleichsweise hohen Energiegehalt. Da frisches Obst u. Gemüse noch gekaut werden muss, dauert der Essensvorgang länger und der Sättigungseffekt ist besser, als beim raschen Hinunterschlucken eines Smoothies.
Sie sagen, dass in Deutschland ca. 650 g Obst und Gemüse am Tag empfohlen wird, schafft das denn der Durchschnittsbürger?
Antje Gahl: Im Durchschnitt verzehren wir inkl. Saft ca. 350 g Obst und Gemüse am Tag, da fehlt also noch ein bisschen zur empfohlenen Tagesmenge. Trotzdem steigt der Konsum stetig, vor nicht allzu langer Zeit brachte es der Durchschnittsbürger auf gerade mal 150 g. Allerdings steigt der Konsum auch mit dem Alter, wobei Männer definitiv weniger Obst und Gemüse verzehren als Frauen. Der Trend eine Portion seiner Vitaminration zu trinken, kommt Obst- und Gemüsemuffeln, gerade bei der jüngeren Generation, also gerade recht und ist insofern positiv zu bewerten.
Woran liegt es, dass Obst und Gemüse weniger gerne gegessen werden, als z.B. ein Steak?
Antje Gahl: Gemüse war schon immer eher ein Nebenspieler auf deutschen Tellern. Früher legte man Wert auf nahrhafte Lebensmittel und wir haben das so gelernt. Dazu kommt, das man eine Möhre z.B. erst einmal waschen und schälen muss, andere Gemüsesorten kann sogar man nur gekocht oder blanchiert verzehren, es spielt also durchaus der Zubereitungsaufwand eine Rolle. Obst ist da schon etwas beliebter, da es schneller verzehrfähig ist, in einen Apfel muss man ja nur reinbeißen.
Besonders im oft stressigen Berufsalltag kommt gesunde Ernährung oft zu kurz, dann ist ein flüssiger Obstsnack doch sicher eine sinnvolle Nahrungsergänzung für Menschen, die es sonst nicht schaffen, Obst und Gemüse zu essen, oder?
Antje Gahl: Smoothies sind eine bessere Alternative als z.B. Vitaminpillen. Gerade Berufstätige, die oft im Stress sind, sollten auf Vitamine nicht verzichten müssen, nur weil gerade keine Zeit zum essen ist. Auch für diejenigen, die viel unterwegs sind, eignet sich ein Smoothie, da er in jede Tasche passt, kaum Platz wegnimmt und unkompliziert zu verzehren ist. Seine Vitamine schnell zu trinken kommt gut an, dass merkt man an der steigenden Anbieterzahl der letzten drei Monate. Der Markt ist schnell, wenn ein Trend erkannt ist. Wenn dann sogar Discounter diese Produkte im Programm haben ist das ein Zeichen für die hohe Nachfrage. Aber, wie gesagt, frisches Obst und Gemüse ist damit nicht komplett zu ersetzen, insbesondere, wenn der Smoothie viel Saft und wenig Püree enthält, oder sogar mit Milch oder Joghurt verfälscht wird. Viele Hersteller weichen mittlerweile von der Ursprungsidee eines typischen Smoothies ab und bieten dem Verbraucher andere Geschmackserlebnisse. Eine lebensmittelrechtliche Definition, was in einem Smoothie drin sein darf und was nicht, existiert bisher noch nicht, also bleibt einem nur der genaue Blick auf die Zutatenliste..
Ein Smoothie ist einerseits gesund, enthält aber sehr viel Fruchtzucker – ist es also eher eine Kalorien- als eine Energiebombe?
Antje Gahl: Obst hat viel eigenen Fruchtzucker, dass wird tatsächlich oft unterschätzt Nehmen wir z.B. ein Glas Apfelsaft, das hat genauso viel Kalorien wie ein Glas Limonade. Deshalb empfehlen wir von der DGE, Säfte mit Mineralwasser zu verdünnen und Schorlen zu trinken. Natürlich ist Apfelsaft trotzdem gesünder als Limonade, da die Energiedichte durch Vitamine und Nährstoffe sehr hoch ist. Ebenso ist es mit den Smoothies. Wenn dann noch zusätzlicher Zucker, gezuckerte Säfte oder andere energiedichte Zutaten hinzukommen, dann wird der gesunde Snack schnell zu einer Kalorienbombe.
Der preiswerteste Smoothie in unserem Test kostet 0,79 Euro, der teuerste 2,49 Euro. Letzterer besteht als einziger aber aus den von Ihnen empfohlenen Zutaten, also nur aus reinem Fruchtpüree und Direktsäften. Rechtfertigt das die große Preisspanne?
Antje Gahl: Besteht ein Smoothie nur aus frischem Obst und Direktsäften und nicht aus Konzentraten, dann ist er seinen Preis wert. Bedenkt man den Einkauf der frischen Früchte, die Einhaltung der Kühlkette, der Transport etc. – das muss alles mitbezahlt werden. Wer also 100% ige Qualität möchte, muss den entsprechenden Preis dafür in Kauf nehmen.
Sind selbst gemachte Smoothies denn preiswerter herzustellen?
Antje Gahl: Wenn man die Obstportionen eines Smoothies nimmt, dann ist der Einkauf der frischen Früchte für eine Person sogar teurer, als das Einzelprodukt, benötigt man z.B. eine halbe Mango, ¼ Ananas etc. Macht man mehrere Smoothies und verbraucht die angegebenen Obstportionen komplett, relativiert sich das Ganze und wird günstiger.
Frische Smoothies können natürlich ganz nach Geschmack zubereitet werden, mit Eiswürfeln ist dies eine herrliche Erfrischung. Allerdings sollte ein Smoothie frisch gemacht schnell verzehrt werden, da die Vitamine nach mehreren Stunden im Kühlschrank durch Luft, Sauerstoff und Licht schnell verloren gehen.
Ihr Fazit?
Antje Gahl: Smoothies, die nur aus Fruchtpüree und Direktsaft bestehen, sind geeignet 1 bis 2 Portionen Obst zu ersetzen und sind eine schnelle und unkomplizierte Art des Verzehrs. Dennoch bietet nur frisches Obst und Gemüse das volle Spektrum an Nährstoffen und sättigt zudem besser.
Vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen!
Mandy Scheffel
Redakteurin chefkoch.de


