Erntefeste - bei uns und anderswo


Sichelhenke - ein alter Brauch

Das noch am längsten gefeierte Erntefest ist die "Sichelhenke", auch "Sichellege" oder "Niedertallet" genannt. Sie wurde gefeiert, wenn das letzte Brotgetreidefeld abgeerntet oder der letzte Erntewagen eingefahren war. War die Arbeit beendet, so sprach der Bauer auf dem Feld ein Dankgebet. Die Schnitter und Erntehelfer legten ihre Sensen und Sicheln dazu nieder oder knieten selbst zum Beten hin (Sichellege, Niedertallet). Auf dem Hof angekommen, wurden die Arbeitsgeräte bis zum nächsten Jahr im Gebälk der Scheune aufgehängt (Sichelhenke). Nun freuten sich alle auf den folgenden Sonntag, wo der Ernteabschluss mit Speis und Trank gefeiert wurde. Die Sichelhenke wurde auf allen Höfen, mehr oder weniger aufwendig, gefeiert. Im Mittelpunkt stand ein festlicher Schmaus, zu dem oft auch ein Fässchen Bier oder Wein nicht fehlte. Bauer und Bäuerin bedankten sich damit bei ihren Helfern nach den anstrengenden Wochen der Erntearbeit. Es war ein schöner Brauch, wenn die Erntehelferinnen wie in Südbaden ihrem "Herrn" zum Auftakt des Festes die Erntekrone oder einen Ährenkranz überreichten.


Dazu sprachen sie den Erntespruch, dessen überlieferten Versen oft eigene folgten, die Anspielungen auf besondere Vorkommnisse während des Erntens zum Inhalt hatten. Der Speisezettel war üppig und kam dem der Kirchweih gleich. Jeder konnte sich einmal richtig satt essen - das war das Jahr hindurch oft nicht der Fall. Ernteküchle (Schmalzgebackenes) gab es reichlich, und Gugelhupf stand immer bereit. Jedem Erntehelfer stand eine bestimmte Menge an Kuchen zu und wehe dem Bauern, der sich nicht daran hielt: er hatte es nicht leicht, das nächste Mal Helfer zu bekommen, denn sein Geiz sprach sich schnell herum. Auch Pfarrer und Lehrer wurden bedacht. Die übriggebliebenen Speisen durften die Leute in mitgebrachten Tüchle nach Hause nehmen. Spielte am Abend noch ein Musikant auf, waren Fest und Freude vollkommen. Wenn die Ernte "gut ausgab", dauerte die Sichelhenke im Überschwang der Freude nicht selten drei Tage.

Ernteküchle
  • 2 Eier
  • 100 g Zucker
  • Salz
  • 3 bittere Mandeln
  • 250 g Mehl
  • 25 g zerlassene Butter
  • 6 bis 8 g Hirschhornsalz
  • 1 EL Weinbrand oder Rum
  • Ausbackfett
  • Staubzucker
    Eier, Zucker und eine Prise Salz recht schaumig schlagen, geriebene Mandeln, gesiebtes Mehl, abgekühlte Butter und das im Alkohol aufgelöste Hirschhornsalz unterarbeiten. Den Teig etwa 1 cm stark ausrollen und mit einem Likörglas ausstechen. Goldbraun ausbacken und nach dem Abtropfen zuckern

    Gugelhupf
  • 200 g Sultaninen
  • 4 EL Rum
  • 500 g Mehl
  • 30 g Hefe
  • 150 g Zucker
  • 250 ml Milch
  • 250 g Butter
  • 1 kräftige Prise Salz
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 50 g gehackte Mandeln
  • 1/2 TL abgeriebene unbehandelte Zitronenschale
  • 3 Eier
  • Butter für die Form
  • 150 g Puderzucker zum Bestreuen
    Die Sultaninen waschen, mit dem Rum begießen und zugedeckt 30 Minuten ziehen lassen. Das Mehl in eine Schüssel sieben, in die Mitte eine Vertiefung drücken. Die Hefe mit 1 Teelöffel Zucker in etwas lauwarmer Milch verrühren, in die Vertiefung gießen und leicht mit Mehl bestäuben. Den restlichen Zucker, 200 Gramm Butter in Flöckchen, Salz, Vanillezucker, Mandeln und Zitronenschale auf dem Mehlrand verteilen und den Vorteig zugedeckt an einem warmen Platz 15 Minuten gehen lassen.
    Den Vorteig von der Mitte aus zu einem glatten Teig verkneten, dabei die restliche Milch, die Eier und die Sultaninen zugeben. Eine Napfkuchenform von mittlerer Größe ausbuttern, den Teig einfüllen und im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad (Umluft 180 Grad, Gas Stufe 3 bis 4) etwa 60 Minuten backen. Den Kuchen herausnehmen und mit der restlichen Butter bestreichen. Etwas auskühlen lassen und mit Puderzucker übersieben.

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    Artikel vom 10.05.2004
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