Strange Food?


Heuschrecken & andere „Skurrilitäten“


„Die Bandbreite dessen, was im Laufe der Geschichte auf der ganzen Welt gegessen wurde, ist gewaltig. Gleichwohl gibt es immer noch diese regionalen Eigenheiten. In Taiwan ist Schlangenblut ein Tonikum. Im Südosten der USA schwören viele auf Klapperschlangensteak. Ein kleines Viertel in Hanoi und mehrere Stadtteile in Seoul sind auf Hundegerichte spezialisiert (nicht zu verwechseln mit Gerichten für Hunde). Bullen- und Schafhoden werden im amerikanischen Westen akzeptiert, während die Chinesen Schweineohren, Fischaugen und Hahnenkehllappen genussvoll mit ihren Stäbchen verzehren. In Südostasien gelten gebratene Heuschrecken als leckere Snacks, so wie Affeneintopf in Teilen von Afrika und am Amazonas eine Hauptmahlzeit ist und Meerschweinchen in Peru als wichtige Proteinquelle dienen. Ameisen und Termiten werden in Afrika und Südamerika geschätzt, Yakmilch wird in Tibet zu Butter verarbeitet und in Tee serviert. Pferdefleisch hat seit Jahrhunderten begeisterte Anhänger in Frankreich und erlebt in Japan einen Aufschwung. – Was in einem Teil der Welt als abstoßend gilt, wird in einem anderen als Essen serviert.“

„Menschen, die meinen, dass die Backe eines Lammes derb und vulgär ist, ein Kotelett dagegen nicht, sind wie die mittelalterlichen Philosophen, die sich über solche haarspalterischen Probleme stritten, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen können.“
Jerry Hopkins, bekennender Fleischesser, hat sich alles vorurteilsfrei getraut, ist um die Welt gezogen und probierte die skurrilsten Spezialitäten. Diese alle hier aufzuführen, wäre einerseits zu umfangreich, andererseits könnte es Ihnen aber auch den Appetit so richtig verderben. Deshalb beschränken wir uns auf eine kleine Auswahl von (in unseren europäischen Augen) wirklichem „Strange Food“ und teilen Ihnen Jerry Hopkins Geschmackseindrücke mit.

Heuschrecken

Sie werden in Afrika roh gegessen, gebraten, geröstet, gekocht und an der Sonne getrocknet. Gewöhnlich werden sie in Asien nicht als Teil einer Hauptmahlzeit oder als Zutat in anderen Gerichten, sondern als Snack verzehrt. Die knusprigen äußeren Teile und Beine schmecken etwas wie alles, was frittiert wird, während die weicheren inneren Bestandteile cremig in der Struktur und angenehm süß sind, so Hopkins.

Ameisen

Für die Eingeborenen in den Tropen ist die Ameise ein schmackhafter und nahrhafter Bestandteil der Ernährung, aber auch in Kolumbien steht die Ameise im Mittelpunkt einer zeitgenössischen Insektenküche. Meist werden sie vermischt mit anderen Lebensmitteln, aber auch roh oder für sich gekocht gegessen, und zwar eine ganze Hand voll. Geröstete Blattschneiderameise soll wie knuspriger Schinken schmecken, andere Ameisen wie herber Honig. Diese werden u.a. zum Süßen von Tee verwendet, man kann sie aber auch zerdrückt Eintöpfen und Suppen zufügen und diese somit andicken und mit Protein anreichern.

Würmer

Viele Lebewesen, die „Würmer“ genannt werden, sind gar keine. Mehlwürmer sind beispielsweise Larven, aus denen Käfer werden und aus den „Würmern“ in den Flaschen des beliebten mexikanischen Mezcal schlüpfen Falter. Regenwürmer gibt es in fast 6000 Arten auf der Welt und werden meist gekocht oder gebacken. Sie bestehen zu 70-80 Prozent aus Protein und können als Snack gegessen, zu Schrotmehl für Kuchen oder Brot gemahlen oder zu jedem anderen Fleischgericht hinzu gegeben werden. Sie sollen sehr gut schmecken und sind billig, denn man findet sie sogar im Vorgarten.

Käfer

Larven werden häufiger als ausgewachsene Käfer verzehrt – von den Aborigines in Australien bis zu den Reisfeldern von Asien, von den afrikanischen und südamerikanischen Dschungeln bis zur Wüstenregion im nördlichen Mexiko. Jerry Hopkins probierte in Bangkok erstmalig eine rohe Wasserwanze. Nach Entfernung des Panzers, der Flügel und der Beine, beschreibt er das Innere als nussig schmeckend. In Südostasien werden Käfer meist von Straßenverkäufern frittiert oder gedünstet angeboten.

Spinnen

In Laos und Kambodscha wird die blaubeinige Tarantel an einem Bambusspieß über dem Feuer geröstet und als Ganzes mit Salz oder in Scheiben geschnitten und mit Chilis vermischt serviert. Die Amazonasindios werfen den Körper der Taranteln direkt ins Feuer, damit das Haar absengt und das Fleisch gegart wird. Anschließend knackt man die Beine und den Brustkorb auf und schlürft sie genauso wie einen Krebs. Roh schmecken sie wie etwas zwischen Mandeln und dem Mark von Hühnerknochen.

Skorpione

Jerry Hopkins versuchte dieses Geschmackserlebnis in Singapur. Das Gericht nannte sich „Frittierter betrunkener Skorpion mit Spargel“ und klang einladend. „Betrunken“ hieß, dass die Skorpione in Wein mariniert waren und anschließend frittiert wurden. Hopkins ließ sich sagen, man esse den Skorpion als Ganzes, samt den kleinen Klauen und dem spitzen Schwanz. Es knackte, als er hinein biss, hatte eine weiche recht mehlige Mitte und wurde schnell mit Hilfe eines kräftigen Schlucks Wein hinuntergespült…

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Artikel vom 17.09.2007
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