Spargel


Woher kommt er?


Der Spargel war schon immer eine Delikatesse. Plinius bezeichnete den Spross als eine Schmeichelei des Gaumens und die zuträglichste Speise für den Magen schlechthin. Auch Goethe schwärmte vom Spargel. Er erkor ihn zum König der Gemüse. Für Hieronymus war das heiß begehrte Frühlingsgemüse, die liebliche Speise für Leckermäuler, und Charles Dickens reihte ihn unter den Förderern edler Gedanken ein.

Lange Zeit nahm man an, dass schon die alten Ägypter im 3. Jahrtausend vor Christus den Spargel gekannt haben. Bis eine Archäologin erkannte, dass das Bild in einer Pyramide in Sakkara keinen Spargel darstellt, sondern ein Bündel essbare Papyrusstängel.


Die alten Ägypter scheinen also den Spargel doch nicht gekannt zu haben. Man geht davon aus, dass die Chinesen, Perser und Griechen den wild wachsenden Spargel um 500 v. Chr. als Nahrungs- und Heilpflanze gebraucht haben. Hippokrates (400 v. Chr.), Arzt und Begründer der wissenschaftlichen Heilkunde, erwähnt den Wildspargel erstmals als Heilpflanze. Pedanius Dioskurides (1. Jahrhundert n. Chr.) sprach dem Spargel eine heilende Wirkung bei Nierenerkrankung, gegen Wassersucht und Fieber zu. Er riet ferner zum Tragen eines Spargel-Amuletts, wollte man sich vor unerwünschter Schwangerschaft schützen.

Die Böotier, die in der Antike als unkultiviert galten, waren da ganz anderer Meinung. Für sie war der Spargel ein Aphrodisiakum, ein Mittel, das den Geschlechtstrieb anregt. Jede Braut erhielt vor der Hochzeit einen Brautkranz aus Spargel.

Cato der Ältere verfasste bereits um 160 v. Chr. die erste Anleitung für den Spargelanbau. Die Römer waren buchstäblich verrückt nach dem Spargel. Da die Produzenten die Nachfrage zuweilen nicht decken konnten, war der Preis so hoch, dass sich nur noch die wohlhabenden Bürger den delikaten Spross leisten konnten.

Kaiser Diokletian wollte diese Preistreiberei unterbinden und setzte den Preis per Dekret fest. Der römische Feldherr Lucullus soll sich zum Spargel wie folgt geäußert haben: "Es kann nur der kochen, dem gelingt, Spargel ohne jede Zutat in wonnigster Vollendung aufzutischen!"

Die Römer brachten den Spargel nach Gallien und Germanien. Unsere Vorfahren allerdings, in den Augen kultivierter Römer "Barbaren", wussten mit der Pflanze lange Zeit nichts anzufangen. Sie ließen das Gemüse ins Kraut schießen. Dies war zwar schön für das Auge, aber taugte nicht für den Kochtopf.

In den folgenden Jahrhunderten fristete der Spargel ein verwildertes Dasein und geriet als Nahrungsmittel völlig in Vergessenheit. Erst Johann Casimir, Leibarzt des Pfalzgrafen vom Rhein, nahm sich des verwilderten Strauches wieder an und erntete Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten essbaren Spargelstangen. Spargelliebhaber sind ihm zu ewigem Dank verpflichtet.

Nun wurde der Spargel als Nahrungsmittel angebaut, aber nur für die Tische der Reichen. Im Frankreich des Sonnenkönigs Ludwig XIV., der bekanntlich zu genießen wusste, war das delikate Gemüse bei Hof höchst populär.

Mit dem großflächigen Spargelanbau wurde im 18. Jahrhundert begonnen.

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Artikel vom 07.05.2004
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