Bio-Landwirtschaft

Weißt du, woher dein Gemüse, Fleisch oder die Milch genau kommt und was damit passiert, bevor du es gedankenverloren verschlingst? Blogger aus ganz Deutschland gehen der Sache regelmäßig auf den Grund – und das direkt vor Ort. 

Ab mit dem Kopf!

Mit einem scharfen Messer bewaffnet mache ich mich auf den Weg in den kleinen Garten. „Ein sauberer Schnitt sollte reichen“, denke ich. Ich schaue mich um, weit und breit keine Menschenseele, nur er und ich. Ich beuge mich hinunter, halte mit einer Hand den Kopf vom Boden weg und hebe mit der anderen das Messer an. Mit einem sauberen, geraden Schnitt direkt unterhalb des Kopfes trenne ich den Salat vom Strunk ab – ich bin zufrieden mit meiner Arbeit, das Abendessen ist gesichert. 

Als ich den grasgrünen, knackigen Kopfsalat probiere und merke, wie saftig, fruchtig und vor allem frisch er schmeckt, werde ich in die Zeit zurückkatapultiert, in der meine Großeltern unermüdlich in ihrem Nutzgarten das ganze Jahr über Vieles anbauten und ernteten, was es im Gemüseregal des Supermarkts zu kaufen gab. Beim anschließenden Essen mit der ganzen Familie konnte ich als kleiner Junge Heimat und Behaglichkeit förmlich schmecken. Jenes Gefühl „zu Hause zu sein“ werde ich nie vergessen und es lässt mich heute noch sehnlichst an die Wärme eines heimeligen Familienessens zurückdenken, dass seinen Ursprung im eigenen Garten hatte.  

Vom Feld bis auf den Teller 

Blogger aus ganz Deutschland konnten auf dem Gut Rothenhausen bei Lübeck die Erfahrung machen, was es heißt Gemüse direkt auf dem Acker zu ernten. Außerdem lernten sie den Hofalltag mit all seinen Aufgaben rund um Feld, Stall und Weiterverarbeitung der Produkte kennen; besonders wichtig dabei: die geeigneten Fruchtfolgen auf den Feldern für die Gesundheit der Böden und der Einsatz von Nützlingen zur Schädlingsbekämpfung.

Hört sich ein bisschen nach Bauer sucht Frau an, doch weit gefehlt. Der Charme, die ausgeklügelte Systematik und vor allem die uneingeschränkte Begeisterung einer Welt, die vielen Verbrauchern oft verwehrt bleibt, hat bei den Bloggern ordentlich Eindruck gemacht. Sogenannte Demonstrationsbetriebe stellen ihren Hof zur Verfügung, damit Verbraucher näher an ihre Lebensmittel heranrücken können und teurere Bio-Produkte im Laden besser einordnen können – Aufwand und Qualität haben ihren Preis.  

Das vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft, kurz BÖLN, initiierte Projekt macht sich für die Förderung von ökologischer Landwirtschaft stark. Das BÖLN will aber "nicht nur Landwirten praxisnahe Informationen an die Hand geben, sondern auch Beratern, Verarbeitern, dem Handel und nicht zuletzt Verbrauchern“, so Elmar Seck vom BÖLN. Interessierte Blogger sollen das Thema schließlich in die breite Öffentlichkeit tragen und zeigen, was hinter den Kulissen von Bio-Landwirten abläuft.

Der ewige Kreis

Die Hauptidee der ökologischen Landwirtschaft ist das Arbeiten im Einklang mit der Natur. Ziel ist es, einen überwiegend geschlossenen betrieblichen Kreislauf zu erzeugen. Nährstoffe sollen auf dem Hof bleiben, Tiere artgerecht gehalten und die Bodenfruchtbarkeit gesteigert werden.

Verschiedene Käsesorten aus demeter-Anbau

Das Besondere an demeter-Betrieben wie dem Gut Rothenhausen ist das Konzept des "biologisch-dynamischen Anbaus", nach dem dort gearbeitet wird und das deren Grundgedanke ist. Bei dieser Wirtschaftsweise wird der Hof zu einem einzigartigen Organismus, in dem Nutztiere, Bodenfruchtbarkeit und produzierte Lebensmittel in direkter Abhängigkeit stehen und alle Bestandteile zusammenwirken. 

Ein Sinnbild für diesen Kreislauf ist die Kuh, die häufig in dessen Mittelpunkt steht, denn: Ihr Mist sorgt für gute Böden auf dem Feld – die hochwertige Lebensmittel produzieren – und nährt die Weiden; die Weiden wiederum ernähren die Kuh. Unter den Anbauverbänden hat demeter die strengsten Richtlinien. Ein Alleinstellungsmerkmal: Kühe dürfen nicht enthornt werden und das Futter für die Tiere muss aus 100% biologischem Anbau stammen.

Sich an den kleinen Dingen erfreuen

Nun ist das, was ich in meinem kleinen Gemüsegarten fabriziere nicht zu vergleichen mit größeren landwirtschaftlichen Betrieben wie dem Hof Rothenhausen. Doch eines verbindet uns ganz sicher: die Freude über etwas Selbstgemachtes und das Wissen darüber, etwas Gutes zu essen. Außerdem wäre Oma heute mächtig stolz auf mich.

Weitere Infos findet ihr unter:

Na, auf den Geschmack von regionalen und saisonalen Produkten gekommen oder macht ihr weiterhin "euer Ding" und kauft Gemüse, Fleisch, Milch und Co. ohne Nachdenken ein?