Die klassischen Weihnachtsgerichte – und was trinken wir dazu?


Fondue, Raclette

Fondue Seit den späten 60er Jahren hat das Fondue einen Siegeszug angetreten; es würde mich nicht wundern, wenn auch das noch auf den legendären Clemens Wilmenrod zurück zu führen ist. Eigentlich beanspruchen ja die Schweizer die Urheberschaft. Auf den Berghütten wurde halt alles aus einem Topf gegessen und von da zur gemeinsamen Zubereitung ist es halt nur ein kleiner Schritt.

Als Weihnachtsessen hat es sich schnell etabliert, weil es eine sehr gesellige Angelegenheit ist und weil jeder Mitesser durch geschicktes Kombinieren seiner Lieblingsfleisch-, Saucen- und Beilagenkomponenten sein Lieblingsessen zubereitet und es kein "das mag ich aber nicht" gibt.
Das Argument, es sei schnell vorzubereiten kann ich nur in Maßen nachvollziehen, das ganze Geschnippsele dauert auch ganz schön lange, denn in Familien, die was auf sich halten, gibt es auch keine Fertigsaucen.
Und deswegen, bevor ich auf die passenden Getränke eingehe, verrate ich noch schnell die in unserer Familie klassischen Saucenrezepte (die meine Mutter übrigens von Wilmenrod übernommen und abgewandelt hat), die es immer zum Fleischfondue gibt, unser traditionelles Erstes-Feiertag-Essen, wenn die ganze Familie beisammen ist mit Eltern, Kindern und Kindeskindern.

Klassisches Fleischfondue (Grundsauce, 5 Portionen)

  • 2-3 Päckchen Joghurt (fett, an Weihnachten ist nicht der Augenblick, über Kalorien nachzudenken)
  • 1 Päckchen Sahne
  • 1 Päckchen saure Sahne oder Schmand
  • 2 EL Senf, mittelscharf
  • Salz
  • Pfeffer (was anderes als Pfeffer aus der Mühle kenne ich gar nicht)
  • 1 paar Spritzer Worcestersauce
  • Saft einer Zitrone

Alles gut miteinander verrühren und in 5 Portionen teilen und die Saucen unterschiedlich abschmecken (Mutters Ehrgeiz ist, jedes Jahr eine neue Sauce auf dieser Basis zu kreieren); hier unsere All-time Top Five Favourites.

Mutter Marias grüne Sauce

In die Grundsauce werden frische, fein gewiegte Kräuter gegeben (Petersilie, Schnittlauch, Dill, Kerbel, Bohnenkraut mindestens, ansonsten ist der Phantasie keine Grenze gesetzt), dazu wird noch einmal mit Zitrone kräftig nachgewürzt. Die Sauce muss wirklich grün sein. Bohnenkraut ist ein Muss, wenn es kein frisches gibt, wird getrocknetes genommen, ansonsten müssen die Kräuter frisch sein.
(Diese Sauce ist der absolute Familienfavorit und ich habe Muttern im Verdacht, dass sie noch ein paar ganz fein gewiegte Spinatblätter drunter gibt.)

Mutter Marias rote Sauce

Tomatenmark, ein wenig ganz fein gehackte Chilischote, 2-3 EL Tomatenkoncassee in die Grundsauce einrühren, mit Rosenpaprika und einer Prise Zucker nachwürzen.

Mutter Marias Currysauce

Das Fruchtfleisch einer halben Babyananas und 3-4 EL Currypulver in die Grundsauce rühren, mit etwas Kurkuma und Safran würzen.

Mutter Marias Meerrettichsauce

Einen säuerlichen Apfel reiben, den Abrieb mit Zitronensaft mischen, damit er nicht zu dunkel wird; eine Meerrettichwurzel reiben, beides zu gleichen Teilen in die Grundsauce geben und mit ein wenig Muskat aromatisieren.

Mutter Marias Champignonsauce

Eine Handvoll Champignons schälen und fein blättrig schneiden, ein hart gekochtes Ei ganz fein hacken, alles mit der Grundsauce mischen und mit Muskat und rosa Pfeffer sowie einem Schuss Whisky abschmecken.

Diese Saucen, sowie eingelegte Gemüse und frisch gebackenes Brot, gibt es bei uns traditionell zum Fleischfondue, also Rind-, Schweine-, Lamm- und Geflügelfleisch, das in heißem Fett gegart wird.

Vater stellt dann einen Châteauneuf du Pâpe auf den Tisch, sein absoluter Lieblingswein (den er – wenn keiner hinschaut – mit seiner Lieblingsmarzipansorte genießt; schließlich ist Weihnachten und diesen Genuss gönnt er sich nur dann). Mutter mag gerne ihren Riesling von der Mosel (die Tradition hat sie von ihrer Schwiegermutter übernommen). Das hat den Vorteil für die anspruchsvolleren Weintrinker, dass sie, je nach gewählter Kombination, zu Weiß- oder Rotwein greifen können, z.B. zur Kombination Putenfleisch mit Meerrettichsauce nehme ich einen Schluck Riesling, zum Rind mit der Champignonsauce den Roten. Und Schwägerin Anja hält sich den ganzen Abend an den Sekt - gar keine schlechte Idee.


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Artikel vom 03.12.2006
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