Jedoch: Im falschen Glas präsentiert, schmecken Weine bestenfalls flach oder gar nicht, schlimmstenfalls schlecht.
Die Erklärung ist ganz einfach: Auf der menschlichen Zunge sind die Rezeptoren für süß, sauer, salzig, bitter auf verschiedenen Stellen angeordnet, und so ist es wichtig, dass die entsprechenden Aromen des Weines auch per Physik des Glases mit genau diesen Rezeptoren in Verbindung gebracht werden. Ein Süßwein, der auf die Salzig-Rezeptoren trifft, wird nichtssagend schmecken, weil diese keinen entsprechenden Geschmack finden, den sie dem Gehirn melden können und die Süß-Rezeptoren, die nur am Rande gestreift werden, melden auch nur eine schwache Süße.
Und - egal wie hoch die Gläser sind, sie werden nur zu etwa 3 Fingerbreit gefüllt, der restliche Raum soll die Aromen zusammenhalten, denn mit der Nase werden die meisten Aromen zuerst wahrgenommen und nur, was vorher gerochen wurde, wird auch später im Mund richtig geschmeckt.
Zur Mindestausstattung sollten daher folgende Gläser gehören:
- ein tulpenförmiges hohes Bordeauxglas, welches die Röst- und Bitteraromen weit hinten auf die Zunge befördert, für Bordeaux, sehr reife Chianti
- ein kleineres etwas runderes Rotweinglas für Burgunder, deutsche Rotweine und spanische Alltagsweine
- in kleines schlankes Glas für alle Weissweine
- eine Champagnerflöte für Champagner, Sekt und Schaumweine
- ein kleines Glas, wie eine Champagnerflöte geformt für Sherrys und Portweine, kann auch für Dessertweine genommen werden.
Die empfohlenen Trinktemperaturen sind sicher allgemein bekannt und werden deshalb nur ganz kurz erklärt: Grosse reife Rotweine (Bordeaux, Baroli, Burgunder, Hermitage usw.) bei 18°, jüngere leichtere Rotweine bei 16°-17°.
Schwere barriquegereifte Weißweine bei 12°, manchmal kann es auch ruhig ein Grad mehr sein, einfache Weißweine bei 8° - 10°, Süßweine, Schaumweine und Champagner bei 6°, alte Sauternes bei 10 - 12°.
Dass die Temperierempfehlung "Zimmertemperatur" aus einer Zeit stammt, in denen ein Zimmer im Höchstfall 18° warm wurden, hat sich inzwischen wohl herumgesprochen.

Henglein
Rama Cremefine

