Wilde Beeren

Geschichtliches und Wissenswertes

Nehmen Sie doch mal bei Ihrem nächsten Waldspaziergang einen Sammelkorb mit, denn alle Wildfrüchte enthalten ein hohes Maß an Mineralstoffen und Vitaminen. 

Beeren

Seit frühesten Zeiten sammeln die Menschen wildwachsende Früchte wie Pilze, Beeren, Nüsse, Wurzeln, wildwachsendes Obst und anderes. Zum einen brauchte der Mensch diese Gaben der Natur als Nahrung, zum anderen aber auch als natürliche Arzneien. Schon sehr früh erkannten und lernten die “Jäger und Sammler”, dass so manches, was sie fanden, Alltagsbeschwerden lindern und heilen konnte.

In den besonders bekannt gewordenen „Schweizer Pfahlbauten„ fand man Kerne von Walderdbeeren, den Stammformen unserer Monatserdbeeren, von Himbeeren und Brombeeren. Aber auch Kornelkirschen, Schlehen und Holunderbeeren wurden schon von Menschen der jüngeren Steinzeit und der Bronzezeit als Nahrung gesammelt.
Aus weggeworfenen oder unversehrt ausgeschiedenen Kernen wuchsen in der Nähe menschlicher Siedlungen Büsche und Bäume. Indem die Menschen jeweils die größten und besten Früchte sammelten, trieben sie unbewusst eine ständige Auslese.

Durch natürliche Kreuzungen entstanden die ersten Apfelsorten, die sogenannten „Pfahlbauäpfel„ - nachgewiesen durch Rückstände in der gut konservierenden Moorerde in der Schweiz und ca. 5000 Jahre alt.
Diese Äpfel waren wahrscheinlich schrecklich sauer, hatten wenig Fruchtfleisch und viel Kerngehäuse. Heute findet man diese Urform noch in den Wäldern des Kaukasus.

Wildfrüchte und ihre Zubereitung sind leider in unserer modernen Zeit vielfach in Vergessenheit geraten.
Ebereschen zum Beispiel, die im Mittelalter angebaut. und zu Kompott, Gelees und Likören verarbeitet wurden, sind für unseren heutigen Geschmack derart sauer und herb, dass kein Mensch mehr daran denkt, sie für unsere Ernährung nutzbar zu machen. Wären da nicht „süß“ schmeckende Ebereschen aufgefunden und als „Edelebereschen“ weitergezüchtet worden, würde man sie heute nur noch als Zierbäume kennen.

Auch der Holunder ist ein Beispiel dafür, wie stark die Nutzung und Verwertung mancher Wildfrüchte zurückgegangen ist. Nur in Notzeiten erinnerte man sich ihrer wieder. Dabei wird es kaum einen Strauch gegeben haben, der in Brauchtum und Volksglauben so stark verankert war wie gerade der Holunder.
In einem alten Lexikon von 1733 kann man lesen:
„Das aus den Beeren bereitete Mus, sonst Flieder-Creite genannt, ist am meisten im Gebrauche, und gemeiner Leute Panacea und Theriac (Wundermittel, Heilmittel): treibet den Schweiß und alles Gift aus dem Leibe.“

In den letzten paar Jahren allerdings zeichnet sich eine zaghafte Renaissance um das Wissen der Verwertung von Wildfrüchten ab. So haben manche Beeren, wie Holunderbeeren oder Sanddorn Eingang in die Lebensmittelindustrie gefunden. Schmackhafte Fruchtsäfte, Gelees und Marmeladen sind das Ergebnis. Hagebuttentee und Preiselbeerkompott kann man in einschlägigen Geschäften erwerben.

So kann man hoffen, dass das Wissen um die Verwendung von Wildfrüchten doch noch nicht ganz untergegangen ist. Und wir sollten uns nicht scheuen, außer Heidel-, Preisel- und Waldhimbeeren auch andere Wildfrüchte zu sammeln und zu verwerten. Es sollte wieder Allgemeingut werden, dass man sich eine wärmende Holundersuppe und den rötlichen, duftenden Hagebuttentee einfach und billig selbst herstellen kann. Denn für den durchgefrorenen Körper ist eine heiße Holundersuppe dienlicher als ein Glas Grog. Und der feine Duft von selbstbereitetem Hagebuttentee kann mit einer Tasse schwarzem Tee durchaus konkurrieren. Das gilt auch, wenn man kein Naturnarr und Gesundheitsapostel ist.
Die gesundheitlichen Werte der Wildfrüchte sind jedenfalls unbestritten, ihre Schmackhaftigkeit vielfach erwiesen! Und die Mühen, die wir beim Sammeln auf uns nehmen, können unserer Gesundheit nur dienlich sein!

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