Seit fast 5000 Jahren wird der Rhabarber in China als Arzneipflanze kultiviert ...
Zunächst einmal - er ist eigentlich gar kein Obst, sondern ein "Stielgemüse", weil er botanisch eine Staude ist und weil man ja nicht die Früchte, sondern die Stängel isst.
Seit fast 5000 Jahren wird der Rhabarber in China als Arzneipflanze kultiviert - vor allem zur Darmreinigung. Allerdings wird zu medizinischen Zwecken vor allem der Wurzelstock verwendet. Heute noch treffen sich alljährlich die Pflanzeneinkäufer aus aller Welt in der chinesischen Stadt Kanton, um dort für die Herstellung von (Abführ- ) Pillen diese Wurzeln und Extrakte daraus zu kaufen, die östrogenhaltig sind.
Von China gelangte der Rhabarber zunächst ins russische Zarenreich, und die Römer sollen ihn deshalb "rheum barbarum" genannt haben, weil er "von den Barbaren" kam.
In Deutschland ist er erst seit knapp 150 Jahren zu Hause, ein Engländer brachte die ersten Rhabarberstauden hierher.
Ein Phänomen der Pflanze: Die Wurzel ist heilkräftig, die Stiele sind nahrhaft, und die Blätter sind giftig!
Der Vitamingehalt ist durchschnittlich, aber die Mineralien, voran viel Kalium, Magnesium, Phosphor, Eisen und etwas Jod, haben ein ausgesprochen herz- und kreislauffreundliches Verhältnis zueinander. Entscheidend für die Gesundheit sind aber vor allem die reichlich vorhandene Zitronen- und Apfelsäure, verschiedene Glykoside, Gerbstoffe, ätherische Öle und auch das darmfreundliche Pektin.
Reine Medizin sind die "Anthrachinone", das sind Wirkstoffe, die sich auch in Aloe und Sennesblättern finden und die stark das Gewebe des Leber-Galle-Systems und der Darmschleimhaut "reizen" und dadurch mehr oder weniger abführen.
Damit ist der Rhabarber als Kompott vorzüglich geeignet zum "inneren Hausputz", zur Reinigung der Gedärme, aber auf viel mildere, ungefährlichere Weise, wie dies zum Beispiel mit Aloe oder Sennesblättern (in Abführmitteln) geschieht.
Rhabarber enthält jedoch sehr viel Oxalsäure ( die beim Essen den Mund zusammenzieht). Das bedeutet: erstens darf er nie roh gegessen werden, und die Blätter sind absolut tabu.
Zweitens sollen die Stängel zum großen Teil geschält werden, weil die Haut die meiste Oxalsäure enthält. Und drittens enthält der grüne Rhabarber mehr Oxalsäure als der rote und der späte mehr als der frühe.
Die Oxalsäure greift nicht nur den Zahnschmelz an, sondern sie verbindet sich im Organismus auch mit dem Kalzium aus der Nahrung oder aus dem Blut zu Kalziumoxalat. Dieses ist der Grund, dass beim Verzehr von Rhabarber, besonders zusammen mit Milchprodukten, unsere Zähne "stumpf" werden - es haftet darauf. Deshalb soll Rhabarber immer nur in mäßigen Mengen und zur Saison nicht täglich gegessen werden (wenn er auch noch so gut schmeckt). Und Menschen mit Neigung zu Rheuma, Arthritis, Gicht und Nierensteinen müssen leider auf ihn verzichten.
Es gibt zwei simple Tricks, die Oxalsäure zu verringern: gleich nach dem Schälen und Kleinschneiden werden die Stücke kurz in kochendes Wasser getaucht (blanchiert); dieses Wasser wird weggeschüttet.
Der Rhabarber wird mit milchhaltigen Speisen kombiniert, wie Flammeri, Pudding, Vanillesoße, Milchreis etc. - das mildert die Säure und gleicht das Kalzium im Körper aus.


