Esskastanien


ein höchst wohlschmeckenden Kern in einer stacheligen Schale


Dieser Artikel wurde aktualisiert: "Herbstliche Genüsse - süße Kastanien"

 

Egal, ob wir sie Esskastanie, Edelkastanie, Marone oder wie die Engländer sweet chestnut nennen, es handelt sich dabei um einen höchst wohlschmeckenden Kern in einer stacheligen Schale, dessen süßer Duft uns von November bis zum Winterende an so mancher Straßenecke, geröstet, zum Zugreifen animiert.


Schon vor der Zeitenwende war der Kastanienbaum in Kleinasien zu Hause. Die Kastanie wurde schon von vielen Dichtem der Antike besungen, nicht nur, weil sie wunderschön ist, sondern weil ihre Früchte gar so gut schmecken. Virgil hat sie in Versen gepriesen, er aß sie am liebsten zusammen mit Quark und Äpfeln. Andere ließen schon damals, wie heute noch viele Italiener und Spanier, die Kastanien in einer großen durchlöcherten Eisenpfanne in der Glut des Herdes gar rösten und aßen sie dann als Grundlage zum Wein.
Überhaupt waren Kastanien, ehe die Kartoffeln aus Südamerika nach Europa gelangten, rund ums Mittelmeer ein unentbehrliches Grundnahrungsmittel der kleinen wie der feinen Leute und kamen täglich auf den Tisch: als Suppe, zu Gemüse und Fleisch, als Mehl, ins Brot mitverbacken und zu Süßigkeiten verarbeitet. Das Zentrum der Kastanienkultur, so sagt man, sei die Insel Korsika.
Seit Karl dem Großen ist die Kastanie auch in unseren Breiten bekannt; und als um das Jahr 800 das berühmte Kloster von St. Gallen gebaut wurde, waren Kastanienbäume schon von Anfang an im Bauplan vorgesehen.
Im Mittelalter wuchsen Maronen in der Schweiz in Massen und dienten den Menschen ebenso als Nahrung wie den Tieren als Kraft- und Mastfutter. Erst die Kartoffel, die weniger mühsam anzubauen, zu ernten und zu verarbeiten ist, drängte die Kastanie in den Hintergrund. Aber: Auch heute noch hat zum Beispiel der Schinken, den es rund um die Marmorberge von Carrara gibt, seinen einzigartigen Geschmack, weil die Schweine dort mit Maronen gefüttert werden, die an den Berghängen dicht an dicht wachsen. Kastanienbäume können übrigens steinalt und riesengroß werden!
Erst wenn die Hüllen, die kleinen grünen "Igel", aufspringen und die Kastanien auf den Boden fallen, sind sie reif!
Zu uns kommen Edelkastanien ab Oktober und heute vor allem aus Italien, Spanien, Portugal. Aber auch in Japan wachsen sie in Mengen.

Esskastanien enthalten 4 bis 6 Prozent Eiweiß, 2 bis 4 Prozent Fett, 30 bis 40 Prozent Kohlenhydrate. Die Angaben schwanken sehr, wenn man einige Tabellen vergleicht. Ebenso gibt es bei der Angabe der Kalorien größere Unterschiede - sie werden mit 170 bis 225 pro 100 g angegeben und das ist recht viel, weil man ja in der Regel Kastanien in größeren Mengen isst als zum Beispiel Nüsse. Sie haben einen sehr hohen Nährwert, sind reich an Stärke (die freilich erst durch Rösten und Kochen aufgeschlossen werden muss), enthalten viel weniger Eiweiß und Fette als Nüsse dafür aber zahlreiche lebenswichtige Mineralien und Spurenelemente: besonders viel Kalium, Natrium, Kalzium, Phosphor, Schwefel, Eisen, Magnesium, Kupfer und Mangan; dazu Carotin, viele B- Vitamine, Pantothensäure und im Rohzustand fast soviel Vitamin C wie Zitronen, sowie Vitamin E.

Auf Grund des hohen Gehaltes an B-Vitaminen und Phosphor wirkt die Kastanie nährend und ausgleichend auf das Nervensystem und sie wird für geistig und körperlich Erschöpfte empfohlen. Schon Hildegard von Bingen empfahl, durch schwere Krankheit geschwächten Menschen, vermehrt Maroni zu essen. Unter anderem solle man immer einen Vorrat an Maronihonig haben, der vor allem die Leber stärke und von dem über einen längeren Zeitraum frühmorgens ein Kaffeelöffel voll einzunehmen ist. Maronihonig eignet sich aber auch als Brotaufstrich.

Auch als Betthupferl (vor dem Zähneputzen) sind ein paar Maroni gut, denn am Abend unterstützen sie durch die Aminosäure Tryptophan die Entspannung und das Einschlafen.
Weil Edelkastanien basenüberschüssig sind, helfen sie auf ideale Weise, unsere (durch reichlich Fleisch) oft übersäuerte Ernährung auszugleichen, und tun der Verdauung ausgesprochen gut. Sie gleichen auch dyspeptische Zustände ( übersäuerter Magen, Aufstoßen, Gären im Darm usw. ) aus und sind günstig für Rheumatiker, bei Blutarmut, in der Rekonvaleszenz, nach Krankheit oder Operation sowie bei starkem Stress.
Die Kombination von Kalzium und Phosphor stärkt Knochen und Zähne, deshalb sind sie auch eine gute Speise für Kinder und alternde Menschen. Da Kinder ja gerne mal naschen, wären diese Maroniriegel hier sicher eine gute Alternative.

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Artikel vom 10.10.2003
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