Wie alt ist der Stollen und wo kommt er her?
So ganz genau kann das niemand beantworten, denn wer den ersten Stollen gebacken hat in dieser noch heute üblichen Form ist unbekannt. Vermutlich aber war es in Sachsen Ende des 13. Jahrhunderts und wahrscheinlich waren es Klosterbrüder, die diese Gebäck zuerst als Fastenspeise nur aus Mehl, Wasser, Hefe und vielleicht dem einen oder anderen Gewürz gebacken haben.
Nachweisbar urkundlich erwähnt wird der Stollen 1329 in einer Verordnung des Bischofs Heinrich an die Bäcker der Stadt Naumburg. Darin steht, dass diesem besagten Bischof zwei lange Weizenstollen als Abgabe zu entrichten sind und dass mindesten ein halber Scheffel vom guten Weizenmehl darin verarbeitet werden muss.
Das zeigt, dass sich zu dieser Zeit schon aus dem einfachen Klosterstollen ein recht leckeres Gebäck entwickelt hatte.
Einen weiterer Hinweis, dass dem so wahr bekommen wir aus Dresden, dort werden in einem alten Dokument, welches Aufzeichnungen von Frondiensten und Abgaben an den sächsischen Herrscher enthält, zwei Chrisstollen von jeweils eineinhalb Metern und einem Gewicht von 36 Pfund erwähnt, die die Bäcker an Weihnachten im Schloss abzuliefern haben.
1474 wir das “Christbrot” in der Rechnung an ein Hospitals erwähnt. Dort wurden sie möglicherweise an Bedürftige verteilt.
Wie die Stollen damals geschmeckt haben, wollen wir uns lieber gar nicht erst vorstellen. Da die Adventszeit Fastenzeit war, durfte nicht mit Butter gekocht und gebacken werden und Gewürze und “Spezereien” waren nur den Reichen erschwinglich, von Zucker ganz zu schweigen. In dieser Fastenzeit durfte nur Öl verwendet werden, aber das wird wohl kein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht haben, da man in Sachsen zu damaliger Zeit nur Rübenöl kannte.
Jedenfalls ist überliefert, dass Herzog Albrecht zusammen mit seinem Bruder, dem Kurfürsten Ernst in der zweiten Hälfte des 15. Jh. dem Papst die missliche Situation schilderten und um eine Aufhebung des Butter- und Gewürzverbotes nachsuchten.
Sie hatten Erfolg, der Papst erbarmte sich mit der Begründung, dass in Ermangelung von Ölbäumen in sächsischen Landen den Menschen ungesundes und schreckliches Rübenöl nicht zugemutet werden könne und ab sofort mit Butter auch in der Fastenzeit gebacken werden dürfe - allerdings bezog sich die ganze Angelegenheit vorerst nur auf den herrschaftlichen Haushalt. Später profitierten auch die Bäcker und anderen Untertanen davon. Wann genau dieses päpstliche Edikt ausgesprochen wurde, ist nicht eindeutig belegbar.
Die Stollenrezepte wurden immer mehr verfeinert, Gewürze kamen hinzu und der Stollen eroberte nach und nach auch andere Gegenden.
Heute finden wir ihn zur Advents- und Weihnachtszeit in ganz Deutschland und darüber hinaus, allerdings ist er auch heute noch in den verschiedenen Regionen von unterschiedlicher Qualität - den besten Stollen gibt es nach wie vor in Sachsen, dort, wo er wahrscheinlich “erfunden” wurde.

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