Das Stollenbacken war früher zumeist eine Sache der ganzen Familie und eher ein Fest als wirkliche Arbeit und in vielen Familien ist das auch heute noch so.
Das soll nicht heißen, dass das Stollenbacken leicht wäre oder einfach - es ist körperlich schwere Arbeit, wenn man den Teig noch, wie unsere Großmutter oder die Mutter, mit den Händen knetet. Aber man wechselte sich ab und die Vorarbeiten wurden meist von allen Familienmitgliedern, vor allem auch den Kindern, mit geleistet. Mandeln abziehen, Rosinen verlesen und die Zutaten abwiegen macht natürlich Spaß - vor allem, wenn man weiß, wie lecker das Produkt dann schmecken wird und naschen kann man auch schon mal ein bisschen.
Die wohl wichtigste Regel ist - man muss sich Zeit nehmen. Nun ist das heutzutage so eine Sache mit der Zeit, aber hier bestätigt sich das alte Sprichwort: “Gut Ding will Weile haben”.
Über gute Zutaten und die Vorbereitungen konnten Sie schon im ersten Teil lesen - nichts ist ärgerlicher als wenn letztendlich etwas fehlt. Am besten ist es, man schreibt sich alles auf von den Zutaten angefangen bis zur letzten Vorbereitung, dann kann nichts schief gehen.
Kennen Sie den Unterschied zwischen einem “Schrei -Stollen” und einem “Flüster - Stollen”? Nein? Dann wird es Zeit, dass sie diesen kennen lernen: bei einem Schrei - Stollen sind so wenig Rosinen und Korinthen im Teig, dass sie “schreien” müssen, wenn sie sich unterhalten wollen - bei einem Flüster - Stollen sind genügend von ihnen im Teig und sie können sich im Flüsterton unterhalten.
Nun ja, das ist nicht so ganz ernsthaft, aber wer einen guten Rosinenstollen backen will, sollte mit den Rosinen und Korinthen nicht sparen.
Gewürze sollte man, wenn die Möglichkeit besteht, im Ganzen kaufen und erst kurz vorm Verbrauch mahlen.
Ein Stollen sollte nie sofort angeschnitten werden auch wenn er noch so gut duftet. Mindestens 2 - 3 Wochen, möglichst noch länger, muss er durchziehen.
Wickelt man den Stollen in Alu - Folie, dann bitte darauf achten, dass diese locker darum gewickelt wird - es sollte etwas Luft bleiben, damit der Stollen “atmen” kann.
Eine Unsitte ist es, Stollen einzufrieren und später “aufzubacken” - das geht eigentlich gar nicht, denn dadurch verändert sich das Aroma der Zutaten, der Stollen schmeckt garantiert nicht mehr so herrlich aromatisch, wie wir das eigentlich wollen.
Zum Schluss der Regeln, die man beachten sollte kommt etwas ganz wichtiges, von Generation zu Generation übermittelt und man tut gut daran, diese letzte Regel zu beachten: denjenigen, die sich beim Stollenbacken zanken und streiten wird er nicht gelingen, denn werden die Zutaten oder gar der fertige Teig erschreckt, dann ist es aus mit einem guten, leckeren Weihnachtsstollen - er wird nicht schmecken. ;-) Fröhlichkeit und ein gutes Hand in Hand arbeiten dagegen bringt auch einen guten Stollen hervor. Ob das nun so ganz zutrifft, kann jeder ausprobieren. In einer recht alten Anleitung eines Familienstollenrezeptes steht jedenfalls der Satz so ungefähr: Hader und Sorgen sollen für die Zeit des Stollenbackens keinen Platz haben und die Hausfrau soll guten Mutes an ihr Werk gehen.
Das jedenfalls kann keinesfalls schaden!

Henglein
Rama Cremefine

