Überreste aus der Jungsteinzeit beweisen, dass sie schon damals die europäischen Wälder bereichert hat. Vermutlich war sie auch noch in der Antike nur Naschwerk, das man im Vorbeigehen in den Mund steckte. Das erklärt wohl auch, dass sie weder im ägyptischen noch im griechischen Schrifttum auftaucht. Auch bei den schreiblustigen Römern wie Cato, Columella oder Palladius, die uns mitteilen, was man damals verspeiste, suchen wir sie noch vergeblich. Virgil nimmt die Beere zum Anlass, um "naschhafte" junge Leute vor Schlangen zu warnen, die sich gern im Gras verstecken. Erst von Plinius dem Älteren erfahren wir, dass die Erdbeere neben Hopfen und Rüben zu den Wildpflanzen gehörte, die verspeist wurden. Angeblich haben die Römer bereits Erdbeer-Pickles gemacht - Leckerbissen für den fruchtlosen, kargen Winter. Die Mauren in Spanien sollen es gewesen sein, die die Erdbeere zuerst in ihre Gärten geholt und weitergezüchtet haben.
Im 15. Jahrhundert gelangten erste Kulturerdbeeren über die Pyrenäen in die Provence und das Languedoc. Grenzenlos ging es dann weiter durch Frankreichs Mitte und über den Rhein. Natürlich war auch den großen Gärtnern und Züchtern in England die Kultur der saftig - aromatischen Beeren bald kein Geheimnis mehr. Im 16. und 17. Jahrhundert wuchs in Europas Gärten eine weitaus würzigere Erdbeere: die Moschus-, Zimt- oder Muskatellererdbeere. Doch wie ihre amerikanische Schwester, die Scharlach- oder Virginiaerdbeere, blieb sie bedeutungslos.
Erst als der französische Marineoffizier Frezier l712 von seiner Südamerikareise mit zwei Erdbeerpflanzen aus der Familie der Chile- oder Riesenerdbeere zurückkam, gelangte "neues Blut" in die europäische Erdbeerfamilie. Keiner weiß genau, wie es kam, aber 1750 tauchte die Neue unerwartet in Holland auf: die Ananaserdbeere. Vermutlich hat sie sich still und heimlich mit der Virginiaerdbeere vermählt. Von dort nahm ihr Siegeszug seinen Lauf.
Aber aus welchem Clan die Erdbeeren auch stammen, so, wie sie sich heute präsentieren, sind sie das "Nonplusultra", frisch, mit Sahne, ein wenig Apfelsinensaft, mit einer Prise Pfeffer, als Bowle, Sirup, Wein oder Konfitüre, aber auch auf dem Kuchen.

Henglein
Rama Cremefine