Fastnachtszeit – Narrenzeit


Wer sich mit dem traditionellen Karneval und der Fastnachtszeit beschäftigt, stößt unweigerlich auch auf den Begriff des Narren. Was aber hat der Narr mit unserem Fasching oder Karneval zu tun? Was versteht man darunter eigentlich und was leitet sich daraus ab?

Die Herkunft des Wortes „Narr“ kann nicht sicher belegt werden. Vermutlich stammt es aus dem althochdeutschen Wort „narro“, im lateinischen „nario“. Aus der Zeit um das Ende des 16. Jh. ist das Wort „Narreteidung“ bekannt, welches soviel wie Narrenstreich bedeutet. In Deutschland kam der Berufsstand des Hofnarren etwa in der Zeit der Kreuzzüge auf. Aber schon im „Symposion“ des Griechen Xenophon, der von 430 – 354 v. Chr. lebte, wird bei Festen von Spaßmachern erzählt, die die Gesellschaft zu unterhalten hatten. Früher war ein Narr also immer ein Narr, solange er seinen „Beruf“ ausübte. Heute sind die Narren und Närrinnen auf die „Narrenzeit“ beschränkt – die Fastnachtszeit eben. Bei uns üblicherweise vom 11.11. bis um 24 Uhr des Faschingsdienstages. Allerdings ist das erst seit dem 19. Jh. so, vorher begann die Karnevalszeit mit dem Dreikönigstag.

Die Berufsbekleidung des Narren, das „Narrenkleid“, war über und über mit Schellen besetzt, sehr bunt und in der Hand hielt der Narr ein Zepter mit einem Puppenkopf, der den Narren darstellen sollte - die „Marotte“. Umgangssprachlich sagen wir heute zu jemandem, der eine schrullige Eigenart hat oder von merkwürdiger Wesensart ist, er hat eine Marotte.
Das Wort kommt aus dem Französischen und bezeichnet eine kleine Marienfigur, eine Puppe oder ähnliches. Das Narrenzepter wurde wegen des Puppenkopfes so genannt.
„Marotte“, in der uns heute bekannten Bedeutung, wurde im 18. Jh. ins Deutsche übernommen. Hier passt auch der Begriff „er sieht sich im Narrenspiegel“ für Selbstverliebtheit und übersteigerte Ich-Bezogenheit – eine „Marotte“ eben.

Noch heute ist für den echten Narren eine „Narrenkappe“ ein Muss. Den Narren der vergangenen Zeit wurde der Kopf geschoren und eine runde Mütze mit Eselsohren und Hahnenkamm aufgesetzt – die „Gugel“. Wir kennen diese Mütze auch von Till Eulenspiegel. Die heute meist verwendeten Narrenkappen sehen etwas anders aus und gehen auf den Generalmajor Baron von Czettritz zurück, der diese Art von Faschingskappen Anfang 1827 in Köln einführte. Sie haben als Vorbild nicht mehr die alte Gugel, sondern die Jakobinermützen. Markant dafür ist die nach vorn gebogene Spitze. Der Schmuck aus Federn und buntem Tand sollte die lächerliche Eitelkeit des Narren symbolisieren – heute hat man oft den Eindruck, dass die Kappenträger vergessen haben, dass sie die Eitelkeiten belächeln und nicht zu ihrem Programm machen sollen.

Was hat es aber mit einem „Narrenschiff“ auf sich? Wir kennen die Redewendungen „auf dem richtigen Schiff sein“, aber auch „im falschen Boot sitzen“. Das Christentum und auch andere Religionen, lassen die Gläubigen, sinnbildlich gesehen, mit dem Schiff Gottes sicher in den Hafen der Kirche bringen.
Die Franziskaner nun erdachten dazu die Allegorie des Narrenschiffes – ohne Steuermann, ohne Kompass und nur „Narren“ können dieses Schiff wählen, das unweigerlich Schiffbruch erleiden muss. Narren sind diejenigen, die anstatt nach Gottes Gesetzen zu leben, der Völlerei, Hurerei und dem Vergnügen huldigen.

Bekannt und wirklich empfehlenswert ist das von Sebastian Brant 1494 in Basel geschriebene Buch „Das Narrenschiff“. Ihm liegen die Verteufelungen des Vergnügens, wie sie die Franziskaner probagierten, zu Grunde. Karneval KonfettiÜbrigens lebt das Narrenschiff in der Tradition der Karnevalswagenaufbauten weiter! Das Narrenschiff war die Vorlage dafür. Auch der in einigen Gegenden bekannte Narrenbaum hängt damit zusammen – Er soll den Mast des Narrenschiffes darstellen.

„Er hat einen Narren an ihm gefressen“ – wer von uns kennt diesen Ausspruch nicht? Er besagt, dass derjenige aus für außenstehende unerklärlichen Gründen in eine Person oder auch eine Sache „vernarrt“ ist. Vielleicht hängt er mit der „Narrenfreiheit“ zusammen, die wir gerne jemandem anhängen, der sich keinen Regeln unterwerfen will, der aus gesellschaftlichen und privaten Zwängen ausbricht und meint, tun und lassen zu können, was er will. Eigentlich ist mit der Freiheit des Narren aber eher sein „närrisches“ Verhalten gemeint, seine Freiheit zu reden, die er sich nimmt – denken wir an die heutigen Büttenreden – oder an die Freiheit, seine (Ver)Kleidung zu wählen.

Jeder von uns hat sich wohl schon mal demonstrativ mit dem Zeigefinger an den Kopf getippt, wenn ihm sein Gegenüber etwas unglaubliches erzählt oder einen nicht annehmbaren Vorschlag unterbreitet hat. Wir nennen das einfach „einen Vogel zeigen“ – eigentlich kommt das aber vom „Narren stechen“. Wir zeigen unserem Gegenüber mit dieser Geste an, dass wir ihn für närrisch halten oder dass er an der „ Narrheit“ erkrankt ist. Der Zeigefinger symbolisiert hier einen Bohrer, mit dem diese „Geschwulst“ aus dem Kopf geholt wird.

Damit wollen wir es bewenden lassen – einen schönen Faschingsdienstag wünschen wir noch und denken Sie daran, auch wenn die Faschingszeit vorbei ist, die nächste kommt bestimmt.



Artikel vom 06.02.2005
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