Adventskalender - Adventskranz

Das Aufstellen eines Adventskranzes und eines Adventskalenders gehört heutzutage zu den beliebtesten Adventsbräuchen. Beide machen vor allem für Kinder die Vorweihnachtszeit in ihrem zeitlichen Ablauf sichtbar und vorstellbarer.
Nun könnte man annehmen, dass beide, Kranz und Kalender, ihren Ursprung wie so viele andere Bräuche in grauer Vorzeit haben, aber dem ist gar nicht so.

adventskranz Man holte zwar schon seit langer Zeit aus den Winterwäldern grüne Zweige, um sie in der Stube, im Stall oder in der Scheune aufzuhängen. Damit sollten die polternden Geister vertrieben werden, die während der Wintersonnenwende ihr Unwesen trieben. Auch Christen kannten und kennen bis heute diesen Brauch, ohne dass sie dabei unbedingt aber an böse Geister denken.
Den Adventskranz allerdings verdanken wir dem Hamburger evangelischen Pastor Johann Hinrich Wichern, der als einer der Väter der Diakonie gilt. 1838 schmückte Wichern in der Adventszeit den Kapellenraum des "Rauhen Hauses" in Hamburg mit einem Holzreifen, in den er einzelne Tannenzweige geflochten hatte.
Das „Rauhe Haus“ war ein 1833 gegründetes Erziehungsheim für sozial gefährdete Kinder und Jugendliche.
Bei der Abendandacht am 1. Dezember stellte er eine brennende Kerze auf den Kranz. An den nächsten Tagen kam jeweils eine weitere Kerze hinzu, wochentags eine kleine Kerze und sonntags eine große Kerze. Dieser Brauch, später auf die vier "Sonntagskerzen" reduziert, verbreitete sich bald in ganz Norddeutschland und von da aus im gesamten deutschen Sprachraum.
Um die Jahrhundertwende wurde der Holzreifen durch einen aus Immergrün gebundenen Kranz ersetzt.
Richtig bekannt wurde der Adventskranz übrigens durch den Ersten Weltkrieg, als ihn deutsche Soldaten in ganz Europa verbreiteten. Römisch-katholische Gemeinden taten sich anfangs etwas schwer mit dem Adventskranz, weil er als "evangelischer" Brauch galt.

Der Kranz gehört zu den ganz alten Symbolen. Ursprünglich bekränzte man jemanden, um ihn einer Gottheit zu weihen. So wurden in der Antike die Sieger bekränzt, weil sie ihren Sieg den Göttern verdankten. Vermutlich steckt dahinter noch ein alter Ringzauber. Durch einen Ring wurden böse Mächte ferngehalten.
Pastor Wichern wollte mit den Kerzen symbolisch auf Jesus als das „Licht der Welt“ hinweisen und dieses Licht wurde Tag für Tag mit jeder neuen Kerze heller, bis es endlich am 24.Dezember seinen Höhepunkt erreichte.

Heute wird der Adventskranz einfach als hübscher Schmuck für die Vorweihnachtszeit angesehen und mit dem Verlust der früheren Funktion änderte sich auch das Aussehen. So gibt es heute viele Gestecke, die weder die alte Kranzform noch die immergrünen Zweige haben. Und vielfach werden die 4 Kerzen durch eine einzige ersetzt.

Adventskalendar Noch viel jünger als der Adventskranz ist der moderne Adventskalender, der wohl in kaum einer Familie mit kleinen Kindern fehlen wird. Seine Entstehungsgeschichte ist nicht so eindeutig zu beweisen, wie es bei dem Adventskranz der Fall ist.
1903 jedenfalls, und das ist belegt, brachte der Münchener Verleger Gerhard Lang einen "Weihnachtskalender" auf den Markt, indem er einen Bogen mit 24 Feldern sowie einen Bogen mit 24 Bildern zum Ausschneiden verkaufte. An jedem Tag der Adventszeit durften die Kinder nun ein Bildchen ausschneiden und in eins der Felder kleben. Dieser Einfall erfreute sich schnell einer wachsenden Beliebtheit, und der Herausgeber machte ein recht gutes Geschäft mit seinem Produkt. Es wird erzählt, dass die Idee dazu von Langes Mutter stammte, die ihrem Sohn Jahr für Jahr einen Adventskalender bastelte, da sie die täglichen Fragen des Jungen in der Adventszeit, wie lange es denn noch bis Weihnachten dauert, einfach nervten.

Der Adventskalender in seiner heute gebräuchlichsten Gestalt, bei dem 24 kleine Türchen geöffnet werden, geht wohl auf einen evangelischen Pfarrer zurück, der die Idee Langes abwandelte und hinter den geschlossenen Türchen beschauliche Bilder aus biblischen Geschichten verbarg. Heute haben viele Adventskalender ihren religiösen Bezug völlig verloren. Auch dieser Brauch ist in den Strudel der vorweihnachtlichen Geschäftemacherei hineingeraten und stark kommerzialisiert worden. Wir alle kennen die grellbunten Adventskalender, deren Inhalte von Schokolade über Parfüm bis Spielzeug nichts auslassen. Sogar Weihnachtskalender für Tiere sind im Angebot – mag sich jeder selbst eine Meinung dazu bilden.

Vermutlich aber gab es in vielen Familien auch schon vor 1900 den einen oder anderen Brauch, den Kindern die Wartetage bis zum Weihnachtsfest begreifbar darzustellen. Noch heute backen Mütter ihren Kindern z. B. einen Adventskalender, der in 24 Stücke geteilt täglich kleiner werden darf – bis, ja bis es dann endlich soweit ist und das letzte, natürlich das allergrößte, Stück endlich verzehrt werden kann.