
Der Silvaner
Gute Silvaner gibt es in vielen deutschen Weingebieten, in Rheinhessen, auch im Badischen, aber ganz besonders rassige, würzige Weine mit kräftiger Säure kommen aus Franken. Neben der allfälligen fränkischen Bocksbeutelromantik und vielen nichtssagenden kleinen Weinchen gibt es von guten und vor allem den traditionsbewussten Winzern z.B. vom Juliusspital oder dem genialen Hans Wirsching geradezu phänomenal gute Silvaner. In einem Weinforum bezeichnete ein Teilnehmer einen guten fränkischen Silvaner einmal als einen "Wein, der einfach nur saugut schmeckt! Und sonst nichts!" Und sonst muss ein Wein ja auch nichts – oder?
Die Franken, die das Weinmachen direkt von den Römern gelernt haben, sind eines der rebsortenreichsten Weinbaugebiete Deutschlands. Da lohnt ein Wein- und Schlemmerreise und die alten Barockstädte wie die Bischofsstadt Würzburg (nach dem Krieg vorbildlich wieder aufgebaut), Rothenburg, Bamberg usw. sind jederzeit einen Besuch wert.
Und was isst der Franke zum Silvaner?
Zum Beispiel den Nürnberger Karpfen im Bierteig oder die gefüllten Zwiebeln, zu denen die Franken sich aber gerne streiten, ob nicht ein fränkisches Rauchbier genauso gut dazu passt.
Rezeptvorschlag: Fränkische Karpfenfilets in Bierteig
Der Spätburgunder
Der Spätburgunder ist eine Rotweintraube, die in den letzten Jahren, vor allem dank des engagierten Einsatz von Winzern wie Werner Näkel oder Jean Stodden (den man schon den Rotweinpapst von der Ahr nennt) und nicht zuletzt Philip Kuhn an der Ahr zu besonderer Qualität herangeführt wurde. Von der deutschen Toskana war schon die Rede und Näkels Spätburgunder S ist eher ausverkauft als er überhaupt seine Preislisten drucken kann und wer einmal das Vergnügen hatte, diesen duftigen und dennoch vielschichtig-eleganten Wein zu verkosten, der ist ihm verfallen.
Die Ahr, das nördlichste Rotweinanbaugebiet der Welt ist dank dieses Rotweinboomes inzwischen sogar zu internationaler Anerkennung gekommen und so verirren sich immer mehr Besucher nicht nur ins Spielkasino von Bad Neuenahr und die Rotweine von der Ahr sind auch auf den internationalen Speisekarten renommierter Häuser vertreten.
Die Küche ist noch stark von der Eifel geprägt, neben deftigen Eintopfen und Kartoffelgerichten spielen die Wildgerichte eine große Rolle, und zu Wild ist ein Spätburgunder von der Ahr ein ganz feiner Begleiter. Er hat sich zum edlen Wein für die festlichen Dinners, für das Weihnachtsessen, das große Hochzeitsfest empfohlen.
Rezeptvorschlag: Wildschweinragout mit Kastanien
Der Dornfelder
Den Rotweinboom in Deutschland hat insbesondere eine Rebsorte ausgelöst – der Dornfelder. Kein deutsches Weinbaugebiet, das ihm nicht irgendwo ein paar Hektar (oder auch ganz viele Hektar) Platz gegeben hat. Und man fragt sich, warum nur? Der Dornfelder ist das Ergebnis einer Neuzüchtung aus Frühburgunder, Trollinger, Portugieser und Lemberger und er wurde eigentlich nur als Deckwein eingesetzt, d.h. er war nur für die rote Farbe verantwortlich, aufs Aroma kam's gar nicht an. Des weiteren war die Rebe recht unkompliziert, wenig krankheitsanfällig und damit natürlich attraktiv für den darbenden deutschen Winzer.
Dazu noch ein wenig gekonntes Marketing und die Deutschen hatten auch was Eigenes (in Zeiten des Rotweinbooms war der Riesling grade in Vergessenheit geraten), den Dornfelder, mehr Marke als Wein.
Inzwischen gibt es genügend gute und engagierte Winzer, die auch dem Dornfelder seine besten Seiten herauskitzeln, die Aromen von Waldbeeren, Kirsche, Pfefferwürze um nur einige zu nennen.
Und dank des Dornfelder gerät auch eine deutsche Weinregion wieder mehr ins Gespräch, die man bisher nur als Zulieferer für Kellereien und belanglose Genossenschaftsweine kannte, und um die jeder aufrechte Weinliebhaber einen großen Bogen zog: Rheinhessen - nicht mehr Rheinland und noch nicht Pfalz, ein Gebiet so mitten zwischen drin.
Einige Rheinhessenwinzer haben ihre Chance erkannt und beim Schopf gepackt und servieren uns Dornfelder, wie man sich einen Wein wünscht, aromatisch, klassisch und fein trinkbar und grade gut für den sonntäglichen Rinderbraten mit Rosenkohl, z.B. die Schneiders aus Nierstein mit ihrem rustikalen aber aromatischen Dornfelder oder die Brüder Landgraf aus Saulheim mit ihren hervorragenden fast eleganten Dornfelder aus dem Barrique.
Und zum Dornfelder gibt's:
Rezeptvorschlag: Rinderbraten in Rotwein
wobei der Dornfelder dann auch zum Braten genommen wird. So schmeckt's wie aus einem Guss!
Prost! - wünscht Ihnen susa_, die Verfasserin dieses Beitrages
Wenn sie Fragen dazu haben oder Hinweise, dann stellen Sie diese in unserem Wein - Forum!
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