Bier: Vielfalt, Geschmack, Tradition

Bier: Tradition, Biersorten und Brauprozess

Die Deutschen lieben ihr Bier. Pro Kopf werden etwas mehr als 100 Liter Bier im Jahr getrunken – mithalten können mit dieser Menge nur die Österreicher und Tschechen. Dass Bier das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen ist, lässt sich aus vielen Fakten schließen. Nicht zuletzt daraus, dass Bier seinen eigenen "Feiertag" hat. Bei aller Tradition und der Liebe der Deutschen zu ihrem Bier, ist und bleibt Bier ein alkoholisches Getränk, das bitte nur in Maßen genossen werden sollte.

Beim Bier trinken bekommt man Appetit und greift gerne mal zu salzigen Snacks

Seit 1994 feiern die deutschen Bierbauern mit dem Tag des Deutschen Bieres alljährlich den Erlass des bayerischen Reinheitsgebots aus dem Jahr 1516. Denn der 23. April ist der Jahrestag des Erlasses und damit Grundstein für eine ganz besondere Tradition. Feiern Sie mit und genießen Sie mit uns den Tag des deutschen Bieres.

Hier erfahren Sie interessante Fakten, die zeigen, wie wichtig den Deutschen ihr Bier ist. Außerdem haben wir für Sie die gängigsten Irrtümer rund um Bier zusammengestellt. Wer gerne mal sein eigenes Bier brauen möchte, findet in unserem Artikel über das Bier brauen eine genaue Anleitung für das selbst gemachte Pils.

Brauereien: Geschichte und Entstehung der Braukunst

Das Bier, in Deutschland Volksgetränk Nummer eins, hat eine über 6000 Jahre alte Geschichte. Der Ursprung des Bierbrauens geht wahrscheinlich auf die Sumerer zurück, dem ältesten Kulturvolk der Erde, das zwischen Euphrat und Tigris lebte. Man geht davon aus, dass das Ur-Bier durch einen Zufall entstanden ist, und zwar durch einen stehen gelassenen Brotteig, der feucht wurde. Hefen aus der Luft setzten dann den Gärprozess in Gang: Der Grundstein für Bier war gelegt. Nachdem die Menschen dann in der Lage waren, den natürlich einsetzenden Gärprozess zu steuern, war der Anfang der Braukunst gemacht. Bier galt zuerst als übernatürliches Getränk mit göttlichem Ursprung und diente aus diesem Grund auch als Opfergabe.

Den Sumerern folgten die Babylonier, die vieles aus der sumerischen Kultur übernahmen, so auch die Braukunst. Sie sollen sogar schon 20 verschiedene Biersorten hergestellt haben. Von Babylonien kam das Bier zu den Griechen und Römern. Auch die Kelten kannten den Brauprozess. In unseren Breitengraden tranken die „alten Germanen“ schon vor ca. 3500 Jahren eigenes Bier – das ist durch Funde aus germanischen Gräbern belegt. Dieses Bier allerdings war um ein mehrfaches stärker als das, was wir heute darunter verstehen.

Brauereien: Im Kloster entwickelt sich der Brauprozess

Auch wenn die Braumeister heute vorwiegend Männer sind, so waren sowohl das Bierbrauen als auch das Brotbacken in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung Sache der Frauen. Kurz vor der Jahrtausendwende nahmen sich auch die Klöster des Brauens an. Schon im 9. Jahrhundert sollen Mönche Bier gebraut haben. Ursprünglich wurde das selbst gebraute Klosterbier als nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk zu den Mahlzeiten gereicht. Vor allem während der Fastenzeit kam den Mönchen Bier gelegen, denn Trinken war ja erlaubt – frei nach dem Motto: „Was flüssig ist, bricht kein Fasten“.

Über 5000 Biersorten gibt es alleine in Deutschland

Auch die erste gewerbliche Brauerei der Welt war ein Kloster: Weihenstephan in Freising bekam 1040 die Befugnis, gewerblich zu brauen. So brauten die Mönche ihre Biere bald nicht nur für ihren eigenen Bedarf. Jedem Wanderburschen und Reisenden, der an einem Kloster vorbeikam und um Unterkunft bat, wurde Bier ausgeschenkt. So entstanden zahlreiche Klosterschenken, die nicht nur Gäste bewirteten, sondern den Gerstensaft auch „über die Straße“ verkaufen durften.

In vielen Gemeinden und Städten hatte sich mittlerweile eine bürgerliche Braukunst entwickelt, die Geld in die Kassen der Fürsten brachte. Der Verkauf des beliebten Klosterbiers durch die Mönche reduzierte daher die Steuereinnahmen der Landesherren. Fazit: Viele Landesfürsten verboten den Klöstern das Brauen von Bier. Heute gibt es bei uns nur noch wenige Klosterbrauereien.

Bier: Das Reinheitsgebot gilt noch heute in deutschen Brauereien

Ein Meilenstein in der deutschen Biergeschichte war die Verkündung des Reinheitsgebots, das am 23. April 1516 von Herzog Wilhelm IV. in Ingolstadt erlassen wurde. "Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen ...". Dieser ältesten und auch heute noch gültigen lebensmittelrechtlichen Vorschrift, an die sich jeder Brauer zu halten hat, verdankt das deutsche Bier seinen weltweit guten Ruf.

Bier: Auf die Rohstoffe kommt es an

Die Rohstoffe sind das A und O eines guten Bieres.

  • Wasser spielt eine zentrale Rolle, denn die Wasserhärte wirkt sich auf den späteren Geschmack der Biere aus. Während man sich früher mit dem vorhandenen Wasser zufrieden geben musste, stehen den Brauereien heute moderne Methoden zur Verfügung, um die gewünschte Wasserhärte zu erzielen. Bestimmte Biere, wie beispielsweise das mit weichem Wasser gebraute Pils, sind durch diese technischen Möglichkeiten nicht mehr an einen bestimmten Standort gebunden.
  • Malz wird aus Braugerste hergestellt und gibt dem Bier Geschmacksfülle und Farbe.
  • Hopfen verleiht dem Bier Aroma und seinen typischen Geschmack. Ausschließlich die Blütenstände der bis zu sieben Meter hoch rankenden weiblichen Hopfenpflanzen werden verwendet.
  • Hefe benötigt man zum Bierbrauen. Sie vergärt Zucker zu Alkohol. Dabei entsteht unter anderem auch Kohlendioxid, das für die Spritzigkeit des Biers sorgt. Man unterscheidet zwischen untergäriger und obergäriger Bierhefe. Die untergärige Hefe benötigt für den Gärvorgang ca. 5 bis 10 Grad. Nach Ende der Gärung setzt sich die Hefe auf dem Boden ab. Obergärige Hefezellen benötigen etwa 15 bis 25 Grad, um aktiv zu werden. Sie steigen nach Ende der Gärzeit an die Oberfläche.

Bier brauen: Der Brauprozess der Biere

Um aus den vier genannten Zutaten Bier herzustellen, sind ein paar Arbeitsschritte notwendig:

Das Malz wird gemahlen, in Wasser eingeweicht und so zur Maische vermischt. Hitze und Wärme wandeln die Stärke in Malzzucker um.

Im Läuterbottich werden Wasser und feste Bestandteile der Maische getrennt. Die flüssige Würze wird weiterverarbeitet.

Die flüssige Würze wird mit Hopfen gekocht. Je mehr Hopfen zugegeben wird, um so herber schmeckt später das Bier. Verbleibende Trübstoffe werden entfernt. Die Flüssigkeit wird gekühlt und Hefe zugesetzt.

Wenn die Hefe den gelösten Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol umgewandelt hat, wird sie entfernt. Zum Nachgären kommt das Jungbier in große Tanks aus Aluminium oder Edelstahl in den Lagerkeller. Hier erlangt es seine geschmackliche Reife und die Trübstoffe setzen sich am Tankboden ab.

Das Nachgären dauert je nach Biersorte vier bis zwölf Wochen. Zum Schluss wird das Bier gefiltert, um die restlichen Trübstoffe zu entfernen. Bei unfiltrierten Sorten, wie beispielsweise Hefeweißbier, wird darauf verzichtet.

Wie Sie selber Bier brauen können erfahren Sie in unserem Artikel Bier brauen >>

Bier: Die Biersorten in Brauereien

Einige Biere sind im gesamten Bundesgebiet verbreitet, andere sind lokale Spezialitäten. Wo welches Bier verbreitet ist, und wieviel Hektoliter Bier in den unterschiedlichen Ländern im Jahr getrunken wird, sehen Sie in der Karte. Einfach auf das Bundesland klicken:

Jedes Bier hat seinen eigenen typischen Geschmack. So gibt es hopfenbetonte, herbere Biere oder ein Bier, das eher malzig, süßlich schmeckt und besonders süffig ist. Als hopfenbetont gelten vor allem Pils, Kellerbier, Altbier und Kölsch. Der malzige Geschmack kommt hingegen bei Lager- und Exportbier sowie beim Märzen besonders gut zur Geltung. Wer kräftige und vollmundige Biere schätzt, greift am besten zu Starkbier, das ebenfalls ein ausgeprägtes Malzaroma aufweist. Ein fruchtig, würzig und spritzig schmeckendes Weizenbier und Berliner Weisse – mit einem Schuss Waldmeister- oder Himbeersirup ist das ein beliebtes Sommergetränk. Einen außergewöhnlichen Geschmack bietet das in Bamberg beheimatete Rauchbier. Sein ausgeprägtes Rauch-Aroma entsteht durch das Räuchern des Malzes während des Darrens. Sein Geschmack ist vollmundig mit guter Hopfennote.

Alkoholgehalt der verschiedenen Biersorten

  • Bockbier über 6 %
  • Weißbier 5,1 %
  • Lager 4,2 %
  • Pils 4,8 %
  • Kölsch 4,9 %
  • Alt 4,8 %

Je nach verwendeter Hefe gibt es untergärige und obergärige Biere.

Untergäriges Bier Obergäriges Bier
Pils Alt
helles Lager/Export Kölsch
dunkles Lager/Export Weizenbier
Schwarzbier Berliner Weisse
Bockbier
Märzen
Rauchbier
Kellerbier

Bier: Fakten und Irrtümer über Bier

Deutschland ist ein Bierbrauerland: In Deutschland stellen 1349 Brauereien Bier nach dem deutschen Reinheitsgebot her (Stand: 2013).

Bier brauen hat Tradition: Das deutsche Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 ist die älteste lebensmittelrechtliche Vorschrift, die heute noch gültig ist.

In alkoholfreiem Bier ist kein Alkohol: Das stimmt so nicht, in alkoholfreiem Bier dürfen bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol stecken.

Deutschland ist ein Biertrinkerland: Pro Kopf trinken die Deutschen etwa 107 Liter Bier (mit und ohne Alkohol) pro Jahr.

Dunkles Bier ist stärker als helles: Nein, die Farbe hat in der Regel mit der verwendeten Malz-Art zu tun, ändert dabei aber nicht den Alkoholgehalt. Dunkle Biere haben meist einen intensiveren Geschmack als helle Sorten, müssen deshalb aber nicht stärker sein.

Bier ist vielseitig: Möchte man alle deutschen Biere durchprobieren, indem man jeden Tag ein anderes trinkt, bräuchte man dafür über 13 Jahre. Der Grund: Es gibt mehr als 5000 Biersorten allein in Deutschland.

Bier ist ungesund: In Maßen genossen kann Bier sogar gesund sein: Die harntreibende Wirkung des Gerstensafts unterstützt nämlich für das Ausschwemmen von Giftstoffen aus der Niere, auch enthält Bier wichtige B-Vitamine. Beides gilt vor allem für alkoholfreies Bier.

Bier macht dick und sorgt für den berühmten Bierbauch: Stimmt nicht – Bier hat ca. 44 kcal/100ml und liegt damit vom Kaloriengehalt zum Beispiel noch unter Vollmilch (66 kcal/100ml) oder Traubensaft (74kcal/100ml). Vermutlich sind es die Snacks und Knabbereien, die man oft zum Bier genießt, die den Bauch wachsen lassen.

Bier auf Wein, das lass sein: Dieser Spruch ist häufig zitiert, entbehrt jedoch jeglicher Grundlage. Denn zu viel Alkohol sorgt für Unwohlsein, egal in welcher Reihenfolge man die Getränke zu sich nimmt.

Fun Fact: Bier in der deutschen Geschichte: Die erste Fracht, die in Deutschland mit der Eisenbahn befördert wurde, waren zwei Fässer Bier im Jahr 1836.

Welches Bier passt wozu

Welches Bier passt am besten zu welcher Tageszeit oder Speise? Erlaubt ist zunächst mal alles, was schmeckt. Deshalb gibt es keine Vorschriften für den Bier-Gourmet – hier nur einige Empfehlungen:

Welche Biere zu welchem Essen?

Grundsätzlich sollten helle vor dunklen, untergärige vor obergärigen und leichte (z. B. alkoholfreies Bier, Helles, Lager, Pils, Kölsch) vor gehaltvollen (Export, Märzen, Bock) Bieren getrunken werden. Die Steigerung von leicht nach kräftig sollte auch für die Speisenfolge gelten.

Bestens zu vielen Speisen, vom saftigen Steak bis zu Aufläufen, passt das feinherbe Pils – bundesweit das liebste Bier der Deutschen.

Fischgerichte harmonieren geschmacklich gut mit Weizenbier (wobei zu gebratenem Fisch auch dunkles Lager, Alt, Export oder Schwarzbier passen).

Eine gelungene Kombination sind auch helle Fleischsorten, wie Geflügel oder Kalb, mit einem dunklen Bier.

Vollmundiges Exportbier ist ein idealer Begleiter für Wild- und Lammgerichte.

Zum kräftigen Käse passt malzbetontes Bockbier.

Bier harmoniert nicht nur zu Speisen, man kann mit Bier auch kochen und backen. Rezepte mit Bier finden Sie auf der nächsten Seite.

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