Veganer sein – eine Frage der Einstellung

Veganer - warum vegan ernähren?

Wer Veganer ist oder wird, also auf jegliche Produkte tierischen Ursprungs verzichtet, kann zunächst einmal mit dem Unverständnis seiner Mitmenschen rechnen - "Was isst du denn dann?", "Und was ist mit Eiern von glücklichen Hühnern?" oder "Honig etwa auch nicht?!" gehören sicherlich zu den beliebtesten Fragen. Der geübte Veganer hat auf all diese Fragen eine Antwort parat - denn sie werden ihm häufig gestellt.

Vegane Ernährung

Für Veganismus scheint zu gelten, was für viele Ernährungsweisen gilt: Jeder hat dazu eine Meinung - gerade wenn es sich um eine derart polarisierende Diät handelt. Fleischliebhaber gehen gerne direkt zum Angriff über, sobald sie in eine Diskussion mit einem Veganer geraten - ihr Gegenpart allerdings auch. Dabei sind natürlich nicht alle Veganer missionarisch - die meisten sehen die vegane Ernährung einfach als die für sich persönlich richtige Entscheidung, gestehen aber auch Andersdenkenden eine gleichwertige Meinung zu. Schwierig wird es, sobald die eigene Ernährung mit geradezu religiösem Eifer verfolgt wird - und das kann sowohl bei Veganern als auch bei Fleischessern der Fall sein.

Veganer - Warum vegan?

Die meisten Veganer sind zunächst Vegetarier und essen zuerst nur weder Fleisch noch Fisch. Die Gründe hierfür sind vielfältig und zahlreich, die häufigsten sind wohl gesundheitliche Aspekte oder ethische und moralische Bedenken. Diejenigen Vegetarier, die vorrangig auf ihre Gesundheit achten wollen, werden selten strikte Veganer: Zwar kann man sich durchaus gesund vegan ernähren und erspart sich so Antibiotika & Co, aber im Alltag erfordert eine vegane Ernährung viel Aufmerksamkeit und außerhalb der eigenen vier Wände auch Aufwand. Energie für diese Umstellung haben meist nur diejenigen, die moralische Bedenken haben und es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, tierische Produkte zu konsumieren. Die schon 1979 gegründete Vegan Society (Vegane Gesellschaft) bezeichnet die vegane Ernährung als eine „Philosophie und Lebensart", die versucht, „so weit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern."

Veganer

Veganer sein - Argumente für den Veganismus

So weit, so gut - aber warum ist es laut der veganen Ernährung Ausbeutung von Tieren, Milch zu trinken oder Eier zu essen? Die Kuh gibt doch eh Milch und die Henne legt Eier, ganz natürlich - oder doch nicht? Ganz so einfach ist es leider nicht. Milchkühe, die nicht mehr rentabel sind, werden getötet und freiwillig Milch geben sie auch nicht: Das Kälbchen muss direkt nach der Geburt von seiner Mutter getrennt werden, damit deren Milch für den Menschen genutzt werden kann. Bei den Hühnern sieht es nicht besser aus: Legehennen werden speziell gezüchtet, allerdings ist natürlich die Hälfte der gezüchteten Küken männlich. Diese werden auf der Stelle getötet - und das meist ohne Betäubung. Die meisten Milchkühe und Legehennen müssen unter grausamen Bedingungen leben - weit entfernt von den glücklichen Alm-Kühen, die die Werbung uns suggeriert. Bioprodukte und Eier aus Freilandhaltung zu kaufen, ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, aber was ist mit den Fertigprodukten, die Ei oder Milch enthalten? Für diese werden meist die billigsten Produkte verwendet, also z. B. Eier aus Käfighaltung. Sogar bei der Produktion von Honig werden teilweise Bienen getötet.

Dies sind nur einige der Argumente, die Veganer und Veganerin nennen werden. Hinzu kommen ökologische und auch gesundheitliche Aspekte - denn weniger tierische Fette und mehr pflanzliche Nahrung sind natürlich gerade in Zeiten immer neuer Lebensmittelskandale auch von Vorteil für den Veganer und stellen nicht unbedingt einen Verzicht dar. Wer sich entscheidet, Veganer zu werden, sollte sich allerdings mit Ernährungsthemen beschäftigen, sich regelmäßig von einem Arzt untersuchen lassen und auf seine Vitamin B12- und Eisenzufuhr achten. Gerade in der Schwangerschaft oder in Bezug auf die Ernährung von Kindern sollten sich Veganer von ihrem Arzt beraten lassen. Auch auf die hinreichende Einnahme von Proteinen muss ein Veganer achten - Sojaprodukte wie Tofu und Hülsenfrüchte können hier eine Hilfe für den Veganer sein. Denn eigentlich sind Menschen eher Omnivore und die Nährstoffzufuhr sollte für Veganer ein Thema sein. Wer vegan lebt, sieht dies jedoch nicht als Gegenargument, denn unsere genetischen Wurzeln sind noch keine Rechtfertigung für die Zustände in der Lebensmittelindustrie und deren Unterstützung.

Vegan kochen - Tipps

Wen man beginnen möchte, sich selbst vegan zu ernähren, hat man viele Fragen und rätselt bei einigen Produkten, wie man diese ersetzen soll. Dabei gibt es viele Möglichkeiten für Abwechslung in der veganen Ernährung - von der Reismilch bis zum Sojapudding. Eine gute Idee ist es, zu lernen, wie man Seitan und Mandelmilch selbst zubereitet – Seitan lässt sich vielfältig zubereiten und ist ein hervorragender Eiweißlieferant, Mandelmilch schmeckt wunderbar und ist günstiger als gekaufte Alternativen. Die Hauptzutat in der veganen ernährung ist aber natürlich Gemüse! Lernen Sie einfach, Gemüse in all seiner Vielfalt zuzubereiten - erkunden Sie neue Sorten und Zubereitungsverfahren und erfreuen Sie sich an der saisonalen Vielfalt. Um Tofu und Gemüsepfanne abwechslungsreich zubereiten zu können, sollte man sich ausgiebig mit Kräutern und Gewürzen beschäftigen. Viele Veganer sind wahre Gewürzkünstler – so kommt auch mit veganen Rezepten nie Langeweile auf. Eine gute Idee ist es, sich einige vegane Kochbücher anzuschaffen -so sammelt man Tipps und Tricks der veganen Küche und hat nach der Lektüre mehr Ideen für eigene Rezepte. Auch vegane Blogs sin eine wunderbare Inspirationsquelle und es gibt auch in Deutschland immer mehr von ihnen. Achten Sie auch auf Lebensmittel, die auf den ersten Blick vegan sind, in denen sich aber nicht-vegane Zutaten verstecken können: Chips und aromatisierte Lebensmittel, Brot und Süßigkeiten, Fertigprodukte und mehr.

Vegan backen

Vegan backen - Ei-Ersatz & Co.

Vegan backen ist einfacher, als man zunächst denken würde. Butter lässt sich ganz einfach durch vegane Margarine ersetzen, Zartbitterschokolade ist häufig vegan und statt Kuhmilch verwendet man Sojamilch, Reismilch oder Mandelmilch. Das größte Problem stellt meist ein Ersatz für Ei dar – doch auch dieser ist schnell gefunden: es gibt Ei-Ersatz im Reformhaus, auch Tofu, Fruchtpüree und Bananen eignen sich als Ei-Ersatz. Viele Teige, wie Mürbeteig, Hefeteig und Quark-Öl-Teig kommen auch ganz ohne Ei aus. Honig lässt sich durch Reissirup, Agavendicksaft oder Zuckerrübensirup ersetzen - oder schlichtweg durch Zucker.

Veganer sein - Alternativen für einzelne Lebensmittel

Lebensmittel  Vegane Alternative
Fleisch  Tofu, Seitan, Sojagranulat, Sojaschnitzel 
Käse   Veganer Käse, Hefeflocken 
Eier   Zum Backen: Bananen, Sojamehl, Tomatenmark, Mehl
 Zum Binden: Agar-Agar, Mehl, Sojasahne, eingeweichte Leinsamen
 Rührei: Tofu 
Butter, Margarine  Vegane Margarine 
Quark  Tofu
Sahne  Kokosmilch, Sojasahne, Hafersahne 
Milch  Sojamilch, Kokosmilch, Reismilch, Mandelmilch 
Joghurt  Seidentofu, angedickte Sojamilch (Zitronensaft), veganer Joghurt 
Süßigkeiten  Smoothies, Schokolade, Kuchen, Taro in Kokosmilch, getrocknete Früchte, Obst, Desserts mit Tofu 

 

Vegan unterwegs - Restaurant, Imbiss und Co.

Für viele neue Veganer ist das größte Problem, unterwegs vegane Gerichte zu finden – man kennt zwar inzwischen alle Finessen der veganen Küche, aber was nützen einem die besten veganen Produkte zu Hause, wenn man nicht daheim ist, während einen der spontane Hunger überfällt.
Eine gute Anlaufstelle sind meist asiatische Restaurants – vom Thailänder bis zum Inder haben diese fast immer vegane Gerichte: Wok-Gemüse, Tofu süß-sauer, Erdnusssauce, Curry, Samosas und Co. Generell gilt: Scheuen Sie sich nicht, nachzufragen, was vegan ist. Auch Restaurants, die keine veganen Gerichte auf der Speisekarte haben, machen gerne eine Ausnahme.

Unterwegs kann man auch gut Falafel essen – die frittierten Bällchen gibt es in arabischen Imbissen, die meist auch noch andere vegane Gerichte zu bieten haben. In der Dönerbude kann man sich oft auch eine Gemüsetasche oder Salattasche zubereiten lassen – achten Sie nur auf die oft nicht veganen Saucen. Beim Italiener gibt es auch vegane Gerichte: Pasta mit Tomatensauce oder Spaghetti aglio e olio, Salat und auch Pizza – traditioneller Pizzateig ist vegan und man kann seine Pizza auch ohne Käse bestellen. Auch Gerichte mit Kartoffeln sind oft vegan: Kartoffelpuffer mit Apfelmus, Ofenkartoffel mit Grillgemüse und Pommes mit Ketchup.
Wenn Sie in eine neue Stadt fahren, recherchieren Sie vorher, wo es vegane Restaurants gibt – das erleichtert die Suche vor Ort. Ein schöner Nebeneffekt: Je mehr vegane Restaurants man besucht, desto mehr Ideen kann man für die eigenen Rezepte sammeln.

Vegan

Vegane Snacks to-go

Eine gute Idee ist es, im Büro oder unterwegs kleine vegane Snacks dabei zu haben. Obst bietet sich natürlich an, aber auch Nüsse, Gemüsesticks, vegane Müsliriegel, selbstgebackene Muffins und vegane Zartbitterschokolade sind feine vegane Leckereien.

Wie wäre es mit einer veganen Bento Box? Diese können Sie sich nach Herzenslust mit Reis, Grillgemüse, gebratenem Seitan, Rohkost oder auch veganem Kuchen befüllen. Alternativ leisten auch vegane Sandwiches gute Dienste. Inzwischen gibt es eine Vielzahl an veganen Aufstrichen, die man lecker mit Gemüse und Salat kombinieren kann. Auch selbst gemachtes veganes Pesto schmeckt gut auf einem frischen Stück Brot. Oder wie wäre es mit einem Salat? Besonders Bulgursalat, Linsensalat oder Couscoussalat kann man gut zu Hause vorbereiten und mitnehmen.

Veganer oder nicht - die eigene Ernährung bleibt jedem selbst überlassen 

Im Grunde gilt: Auf was man verzichten kann und wie weit man gehen möchte, muss jeder für sich entscheiden. In jedem Fall aber sollte man sich informieren, was man isst und wo es herkommt - und anderen Einstellungen und Ernährungsweisen ohne Vorurteile begegnen. Veganer werden nicht ohne reifliche Überlegung vegan - sie haben sich häufig besser mit Ernährungsweisen und Praktiken der Lebensmittelindustrie auseinandergesetzt als ihre allesessenden Nachbarn. Schon das sollte Grund genug sein, Veganer zu respektieren - auch wenn man eine vegane Ernährung für sich selbst nicht in Betracht ziehen würde. 

Um sich eine eigene Meinung zu bilden, ist es natürlich empfehlenswert, selbst einmal ein veganes Rezept auszuprobieren! Anregungen und Rezepte für Veganer und Interessierte finden Sie auf den nächsten Seiten.

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