Wer an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leidet, für den
kann das Essen schnell zur Qual werden. Milchzucker, Getreideeiweiß,
Fruchtzucker und Histamin sind die vier häufigsten Auslöser für unangenehme
Beschwerden bei Betroffenen. Was genau eine Intoleranz gegen diese Stoffe
bedeutet, erfahren Sie hier.
Zöliakie - Nahrungsmittelunverträglichkeit von Gluten
Wer an Glutenunverträglichkeit leidet, der hat eine chronische Erkrankung der Dünndarmschleimhaut, die von der Überempfindlichkeit gegen Gluten herrührt. Eine solche Zöliakie, bei Erwachsenen auch (einheimische) Sprue genannt, führt meist zu starkem Durchfall. Glutenhaltige Nahrungsmittel sorgen bei den Betroffenen für eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Die Nährstoffe aus der Nahrung werden nur schlecht absorbiert und bleiben deshalb unverdaut im Körper, bis sie mit dem Nahrungsbrei durchfallartig ausgeschieden werden. Gluten, auch Klebereiweiß genannt, ist ein Eiweiß im Samen von Getreide und findet Verwendung in vielen Getreideprodukten, da es der Stoff ist, der den Teig beim Backen zusammenhält.
Die Anlage zur Zöliakie kann erblich sein, muss sie aber nicht. Eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten kann sich auch erst im Laufe des Lebens entwickeln. Häufig geht der Beginn der Unverträglichkeit einher mit Infekten, Operationen oder einer Schwangerschaft. Fast immer bringt eine Zöliakie langfristig eine Laktoseintoleranz mit sich. Das einzige Mittel gegen die Beschwerden bei Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung. Das bedeutet den Verzicht auf Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen, Grünkern und Hafer. Zudem müssen Lebensmittel gemieden werden, die diese Nahrungsmittel enthalten. Und das ist leider nicht einfach, denn gerade industriell hergestellte Lebensmittel enthalten oft glutenhaltiges Mehl als Bindemittel oder Trägerstoff. Betroffene müssen also sehr gut hinschauen, wollen sie nur glutenfreie Lebensmittel zu sich nehmen.
Histaminintoleranz als Nahrungsmittelunverträglichkeit
Histamin spielt als Botenstoff bei vielen allergischen Reaktionen eine Rolle. Beim Kontakt mit Allergenen, zum Beispiel beim Heuschnupfen mit Pollen, setzt der Körper Histamin zur Bekämpfung von Fremdkörpern frei, was dann zur allergischen Reaktion führt. Ein hoher Histaminspiegel im Blut kann jedoch auch über die Zufuhr histaminreicher Nahrungsmittel zustande kommen. Betroffenen fehlt es an dem Enzym Diaminoxidase, das für den Histamin-Abbau zuständig ist. So bleibt das Histamin in großer Konzentration im Körper und führt zu Symptomen wie Durchfall.
Histaminreiche Lebensmittel, die gemieden werden sollten, sind zum Beispiel Rotwein, Fischkonserven, reife Käsesorten, Nüsse, Hefe, Weinessig, Hülsenfrüchte, Bier, Süßigkeiten mit Konservierungsstoffen, geräuchertes Fleisch, Meeresfrüchte, und einige Obstsorten wie zum Beispiel Bananen, Birnen, Erdbeeren, Himbeeren, Rote Pflaumen, Kiwis, Mandarinen, Grapefruits und Orangen.
Leider ist eine Histaminintoleranz nur schwer zu diagnostizieren, da nicht nur Lebensmittel bei Betroffenen zu einem erhöhten Histaminspiegel führen können. Auch viele Medikamente steigern die Freisetzung von Histamin und auch körperliche Anstrengung und seelische Belastungen können den Histaminspiegel anheben.
Nahrungsmittelunverträglichkeit Laktoseintoleranz: Immer öfter?

Ob es wirklich immer mehr Menschen mit einer Milchzuckerunverträglichkeit gibt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Allerdings kommen seit einigen Jahren mehr und mehr laktosefreie Lebensmittel auf den Markt, was für eine steigende Nachfrage spricht. Wer unter Laktoseintoleranz leidet, kann das Verdauungsenzym Laktase nur vermindert produzieren, was dazu führt, dass ein Laktasemangel entsteht und der durch Nahrungsmittel aufgenommene Milchzucker nicht verdaut werden kann. Symptome hierbei sind zum Beispiel Durchfall, Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit. Eine echte „Krankheit" ist die Laktoseintoleranz übrigens nicht. Evolutionsgeschichtlich gesehen ist es nicht notwendig, nach der Muttermilch weiterhin Milch zu sich zu nehmen, weshalb die Laktaseproduktion nicht mehr so wichtig ist. Biologisch gesehen ist also die Fähigkeit, Laktose auch im Erwachsenenalter verdauen zu können, eine Mutation, die es auch nur in Kulturen mit ausgeprägter Milchkultur gibt, denn insgesamt sind 80 Prozent der Weltbevölkerung laktoseintolerant.
Milchzucker kommt vor allem in Kuhmilch und in anderen Milchprodukten vor - weshalb der Volksmund bei Laktoseintoleranz häufig fälschlicherweise von einer Kuhmilchallergie spricht. Aber auch Fertigprodukte enthalten oft Milchzucker oder Milchbestandteile. Haben Sie den Verdacht, laktoseintolerant zu sein, sollten Sie den sogenannten Diättest machen: Vermeiden Sie mehrere Tage hintereinander gänzlich die Aufnahme von laktosehaltigen Lebensmitteln - achten Sie dabei auch auf „versteckte" Laktose in Fertigprodukten. Hören die Beschwerden auf, können Sie den Expositionstest durchführen. Hierfür lösen Sie 50 bis 100g gelösten Milchzucker aus der Apotheke, dem Reformhaus oder Drogeriemarkt in einem Glas Wasser auf und trinken es. Folgen innerhalb weniger Stunden die typischen Beschwerden, können Sie von einer Laktoseintoleranz ausgehen. Dieser Selbsttest sollte den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, denn der kann zur Sicherung der Diagnose weitere wesentlich aufwendigere Tests durchführen.
Zur Vermeidung der Beschwerden wird eine laktosearme bis -freie Ernährung empfohlen, da eine Milchzuckerunverträglichkeit nicht „geheilt" werden kann. Mittlerweile gibt es viele laktosefreie Milch-Ersatzprodukte wie Sojamilch, Reismilch, Hafermilch oder Mandelmilch. Außerdem können Tabletten oder Kapseln eingenommen werden, die dem Körper Laktase zuführen. Dies sollte allerdings nicht das Mittel der Wahl sein, da die Dosierung recht schwer zu bestimmen ist.
Eine weitere Nahrungsmittelunverträglichkeit: die Fructoseintoleranz
Wer unter Fruchtzuckerunverträglichkeit leidet kann Fructose nur sehr langsam aufnehmen. Das führt bei einer hohen Zufuhr von Fruchtzucker zu Symptomen wie Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall. Fructose ist ein Monosaccharid, also ein Einfachzucker, der nicht nur in Früchten enthalten ist. Auch Haushalts- oder Kochzucker enthält zur Hälfte Fructose - und somit enthalten alle Lebensmittel, die diesen Zucker enthalten, ebenfalls Fructose.
Eine solche Nahrungsmittelunverträglichkeit ist genetisch bedingt und nicht heilbar. Die Fructose-Menge, die nötig ist, um Beschwerden auszulösen, ist individuell sehr unterschiedlich. Während der Eine schon nach dem Verzehr von 1-5g an den typischen Symptomen leidet, kann der Andere bis zu 30g oder mehr vertragen. Die einzige Möglichkeit, beschwerdefrei zu bleiben, ist der geringe Konsum von Fruchtzucker oder Zucker und in schweren Fällen sogar der Verzicht auf fructosehaltige Lebensmittel.
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