Tofu – vielseitig und unterschätzt

Für Tofu gilt: Alles eine Frage der Behandlung

Tofu hat es in Deutschland nicht einfach: Die meisten verziehen schon beim Namen das Gesicht und denken an eine radiergummiartige, geschmacklose Masse. Sein Ruf ist schlecht - dabei ist das Problem nicht der Tofu selbst, sondern die mangelnde Erfahrung der Europäer mit seiner Zubereitung und Herstellung.


Tofu

In Asien hat Tofu eine Jahrtausende alte Tradition und so viele Zubereitungsweisen wie Fleisch. Letzteres würde schließlich auch niemand ungewürzt und roh verzehren - sondern gebraten, geräuchert, mariniert oder paniert. Schaut man einmal über den Tellerrand, entdeckt man, wie vielseitig und köstlich Tofu sein kann: im Auflauf oder als Aufstrich, als Schnitzel, Burger, Klößchen, Pastafüllung und Dessert. Man kann ihn tatsächlich als verblüffend echten Fleischersatz zubereiten, falls man das möchte - und falls nicht, kann man ihm auch einen ganz anderen, eigenen Geschmack verleihen. Dass Tofu bei uns fast nur im Zusammenhang mit Vegetarismus bekannt ist, ist ungerechtfertigt: Es gibt zahlreiche Rezepte, die sowohl Fleisch als auch Tofu enthalten und das ein oder andere Küchenexperiment wert sind.

Tofu - Aus Asien in den Rest der Welt

Tofu stammt ursprünglich aus China und hat sich über Japan in ganz Asien verbreitet. Um seine genaue Entstehung ranken sich viele Legenden - So besagt ein Mythos, dass Tofu bereits 164 vor Christus von einem Prinzen der Han-Dynastie erfunden wurde. Ob dies der Wahrheit entspricht, lässt sich kaum beweisen, denn es gibt genauso Theorien, laut denen Tofu noch viel älter ist. Es ist auch gut möglich, dass er rein zufällig bei der Vermengung von Sojamilch mit Meersalz entdeckt wurde, da damals häufig pikante Sojamilchsuppen gegessen wurden. Wie auch immer Tofu entdeckt wurde - er hat sich seitdem kontinuierlich weiter verbreitet: nach Asien auch in Europa und Amerika. Die zunehmende Verbreitung des Tofu ging auch mit der immer größer werdenden Anhängerschaft des Buddhismus einher und in den letzten Jahrzenten auch mit der immer größeren Beliebtheit des Vegetarismus.

Tofu in 1000 Sorten: Seidentofu & Co

Neben den bekannteren Sorten gibt es auch fast unzählige regionale Tofuspezialitäten, z.B. stinkenden Tofu, Tausend-Schichten-Tofu oder gefriergetrockneten Tofu. Die Vielseitigkeit der Verarbeitungsmethoden für Tofu beweist seine uralte Tradition und seine Beliebtheit in Asien.

TofuSeidentofu oder auch weicher Tofu macht seinem Namen alle Ehre und hat eine seidige, an Pudding erinnernde Konsistenz. Daher wird er besonders gerne für Desserts oder Dips eingesetzt. Seidentofu wird im Gegensatz zum festen Tofu nicht abgetropft und hat von allen Tofusorten den höchsten Feuchtigkeitsgehalt. Bei gegorenem Tofu handelt es sich um luftgetrocknete Tofuwürfel, die durch Bakterien vergoren werden. Anschließend werden die Würfel in Salzwasser, Wein, Essig und Paprikaschoten eingelegt. Er schmeckt sehr würzig und salzig. Friert man Tofu ein, so entstehen in seinem Inneren Eiskristalle und er nimmt eine gelbliche Farbe an. Dieser Effekt wird beim sogenannten Tausend-Schichten-Tofu angewandt, der in weiten Teilen Asiens als Delikatesse gilt. Tofu gibt es auch als gefriergetrocknete Variante, die auch Kouyadofu genannt wird. Zur Zubereitung wird er in Wasser eingelegt und klassischer Weise in einer Brühe aus Sojasoße, Mirin, Dashi und Sake gekocht. Er wird besonders gerne in Misosuppe gegessen, kann aber auch wie normaler Tofu gebraten oder frittiert werden. Ein Nebenprodukt aus der Tofuherstellung ist Yuba. Dabei handelt es sich um die getrocknete Haut, die sich bei der Tofuherstellung auf der Sojamilch absetzt. Geschichtet wird sie auch als Fleischersatz genutzt.

In Asien wird Tofu recht häufig erst frittiert und dann mariniert oder gewürzt. Dies liegt daran, dass der frittierte Tofu die Marinade besser aufnimmt - und einfach köstlich schmeckt. Diese einfache Zubereitungsmethode ist sehr gut geeignet, um jeden Tofuverächter vom Gegenteil zu überzeugen. Neben diesen Tofuvarianten gibt es noch zahlreiche andere Zubereitungsweisen: braten, kochen, dämpfen, backen, etc. Zudem gibt es natürlich auch unzählige Marinaden und Soßen - hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

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