Der Ernährungs-Check mit Tim Mälzer

Eine Ernährungsrevolution?

Kennt man von dem Hamburger Koch Tim Mälzer bis jetzt eigentlich den Slogan „Schmeckt nicht - gibt's nicht", tischt er uns nun eine neue These auf, die sinngemäß lauten könnte: „Gesundes Essen - gibt's nicht".

So zumindest ließe sich das Ergebnis einer Ernährungsstudie interpretieren, die Tim Mälzer in Zusammenarbeit mit dem WDR und der wissenschaftlichen Unterstützung der Universität Heidelberg durchgeführt hat. Über vier Wochen bekochte Tim Mälzer 45 gesunde Männer. Dabei wurden drei Ernährungsansätze verglichen: Hausmannskost, Fastfood und leichte vitaminreiche Kost. Das Ergebnis: Die Blutwerte der Probanden vor und nach der Intervention zeigten keinerlei Abweichung.

 


Wir erklären Ihnen, warum dies jedoch keine Ernährungsrevolution ist und „gesunde" Ernährung sich trotzdem lohnt.

Die Studie

In der Studie haben sich 45 gesunde Männer zwischen 20 und 40 Jahren vier Wochen streng nach Vorschrift ernährt. Kein Naschen, kein Alkohol, alles nur aus Mälzers Küche! Die ersten zwei Wochen bekamen die Männer die gleiche Kost, um gleiche Voraussetzungen zu schaffen. Danach folgte eine Aufteilung in drei Gruppen: Fastfood, Hausmannskost und leichte vitaminreiche Kost. Der einzig gemeinsame Nenner war die Kalorienzufuhr von 2900 Kilokalorien.

Das verblüffende Ergebnis

Angeblich spielt es keine Rolle, welche Kost man zuführt. Zumindest unterscheiden sich die Blutwerte nach zwei Wochen nicht. Ist gesunde Ernährung also überflüssig?

Wäre das Ergebnis der Studie so eindeutig, wäre das eine Ernährungsrevolution! Nie mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn man zum Burger statt zum frischen Gemüse greift. Ganz so einfach ist es aber leider nicht. Denn diese Studie belegt zwar, dass eine zweiwöchige „Fastfoodkur" noch keinen messbaren Schaden anrichten kann. Jedenfalls nicht unter den gegebenen Studienbedingungen. Aber man sollte das Ergebnis kritisch betrachten.

Es ist also kein Freibrief für Fastfood und schon gar nicht für Frauen und Kinder. Frauen brauchen wegen ihrer meist kleineren Statur weniger Kalorien und Kinder je nach Größe bis zu 2000 Kilokalorien am Tag. Ein Fastfood Menü mit Cola, Pommes und Big Mac hat vergleichsweise schon rund 1000 Kilokalorien. Ernährt man sich nur davon, könnte man also zwei Menüs am Tag essen. Auf Dauer ist damit die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sicherlich nicht ausreichend.

Eine übermäßige Kalorien- und Fettzufuhr erhöht natürlich das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen. In der Studie wurde die Kalorienzufuhr begrenzt. Das hat dazu geführt, dass die Teller der Fastfood-Gruppe leerer waren, als die der leichten vitaminreichen Kost. Der Grund dafür ist, dass unser Sättigungsgefühl über die Magenfüllmenge reguliert wird. Fastfood hat eine hohe Energiedichte und deshalb weniger Volumen, als eine leichte vitaminreiche Kost mit derselben Kalorienmenge. Die Portion der leichten vitaminreichen Kost kann bei gleicher Kalorienzahl weitaus größer ausfallen. Man fühlt sich besser gesättigt, während man bei Fastfood dazu neigt weiter zu essen und übermäßig Fett und Kalorien aufzunehmen, da man normalerweise nicht wie in der Studie beschränkt wird. Da lohnt sich gesundes Essen also doppelt.

Ein anderer Einwand ist, dass ernährungsphysiologische Beobachtungen in der Praxis bei gesunden Menschen ohnehin meist keine großen Auswirkungen haben, weil diese ausreichend mit Nährstoffen versorgt sind und eine „Mehr"-Versorgung in diesem Fall keinen Mehrwert bringt. Der zu erwartende Effekt ist also sehr klein und das Ergebnis bei der kleinen Probandengruppe dementsprechend für einen Ernährungswissenschaftler nicht wirklich überraschend.

Auf Dauer ist eine ausgewogene Ernährung wichtig für Gesundheit und Wohlbefinden. Trotzdem gefällt uns das Ergebnis dieser Studie: endlich mal keine neue Diät! Sondern die Erkenntnis, Fastfood-Sünden werden nicht gleich bestraft, sodass wir gern mal zum Burger greifen dürfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

Wir sind gespannt auf die Sendung „Ernährungs-Check", in der die Studie vorgestellt wird. Die Sendung läuft am 27.02.2012 um 20:15 Uhr im Ersten, danach folgt mit dem gleichen Thema „Hart aber fair".

 

 

Autor: Laura Hennies / Redaktion Chefkoch.de
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