Die unterschiedlichen Statistiken zur Anzahl der Vegetarier
kommen wohl dadurch zustande, dass man die Frage, was genau ein Vegetarier eigentlich
is(s)t, nicht ganz einfach beantworten kann. Manche bezeichnen sich schon als
Vegetarier, obwohl sie Fisch und Meeresfrüchte essen. Andere gehen soweit, nur
diejenigen als Vegetarier zu bezeichnen, die auf alle Produkte verzichten, die
von toten Tieren stammen. Die gängige Bezeichnung für den Großteil der
Vegetarier ist Ovo-Lacto-Vegetarier: Sie verzichten auf Fleisch und Fisch,
essen aber Milchprodukte und Eier. Werden auch zusätzlich keine Eier konsumiert,
handelt es sich um einen Lacto-Vegetarier, bei Milchverzicht um einen
Ovo-Vegetarier. Veganer wiederum sind besonders strenge Vegetarier, die auf
alle tierischen Produkte, auch über reine Lebensmittel hinaus, verzichten, so
zum Beispiel auch auf Wolle und Leder. Ebenfalls beachten sollte man, dass
nicht nur Fleisch, sondern meist auch Produkte wie Gelatine oder Kraftbrühe
tabu sind. Auch wird Käse von vielen Vegetariern gemieden, da er Lab enthält - ein
Enzym, das aus dem Magen toter Kälber gewonnen wird. Falls Sie also
vegetarischen Besuch bekommen, fragen Sie einfach nach, zu welcher Art
Vegetarier er gehört. Ihr Gast wird es Ihnen danken.
Aber Steak ist doch so lecker...
Fleisch wird in fast allen Kulturen mit Wohlstand gleichgesetzt. In den Entwicklungsländern sind viele Menschen Vegetarier, weil sie sich schlicht kein Fleisch leisten können. In den Industrienationen hingegen ändert sich allmählich die Einstellung zum Fleischkonsum. Viele Verbraucher legen mehr Wert auf Qualität als auf Quantität. Auch die Beweggründe, Fleisch ganz aus dem Speiseplan zu streichen, haben sich gewandelt: Gaben noch vor zehn Jahren die Meisten an, aus gesundheitlichen Gründen Vegetarier zu sein, so gibt es heute immer mehr Vegetarier, die vorrangig ethisch-moralische oder auch ökologische Gründe nennen: die Zustände in der Massentierhaltung, mangelnde Nachhaltigkeit einer fleischbasierten Ernährung sowie Klimaschutz. Das mag zunächst überraschend klingen, aber Fleischproduktion trägt auch zum Treibhauseffekt bei. Enorme Flächen Regenwald werden gerodet, um Weideflächen zu gewinnen oder Futtermittel anzubauen. Denn man braucht 16 Kilo Getreide, um ein Kilo Fleisch herzustellen. Auch der Wasserverbrauch in der Fleischproduktion ist riesig und das von den Tieren abgesonderte Methangas trägt zur Klimaerwärmung bei.
Damit Ihnen nichts fehlt...
Dass eine abwechslungsreiche vegetarische Ernährung gesund ist, gilt inzwischen als wissenschaftlich erwiesen: In Fleisch aus Massentierhaltung stecken viele Chemikalien und auch Antibiotika, die der Vegetarier sich erspart. Auch Gesundheitsrisiken, wie Bluthochdruck und ein zu hoher Cholesterinspiegel, werden durch die geringere Fettzufuhr reduziert. Damit sinkt die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden oder an Krebs zu erkranken. Die Betonung liegt hier jedoch auf abwechslungsreich: Vegetarier sollten darauf achten, Vitamine und Nährstoffe, die vorrangig in Fleisch enthalten sind, wie z.B. Vitamin B12 oder Eisen, in ausreichenden Mengen zu sich zu nehmen. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollten Obst- und Gemüsesorten mit recht hohem Eisengehalt häufig auf dem Speiseplan stehen, wie beispielsweise Brokkoli, Endivien- und Feldsalat, Kresse, Mangold, Zucchini sowie Hülsenfrüchte. Auch Getreideprodukte, vor allem aus Vollkorn, enthalten viel Eisen. Kaum empfehlenswert ist hingegen die Ernährungsweise der sogenannten „Puddingvegetarier", die ihrem Namen alle Ehre machen und sich bevorzugt von Fertigprodukten ernähren.
Auf den nächsten Seiten finden Sie Anregungen, wie vegetarische Ernährung nicht nur gesund, sondern durch Tofu & Tempeh auch zum abwechslungsreichen Erlebnis wird.

Henglein
Rama Cremefine

