Die portugiesische Küche

Artikel vom 22.06.2010

Die Küche Portugals

Der Portugiese ist kein großer Frühstücker. Viele lassen es gleich ganz ausfallen oder statten einem der zahlreichen, günstigen Cafés einen Besuch ab um eine bica – ein Espresso – (kostet in Portugal meist deutlich unter einem Euro) und ein kleines Teilchen zu sich zu nehmen. Diese Teilchen sind kleine süße Gebäckstücke, die es in großer Auswahl gibt. Am beliebtesten sind aber eindeutig die Pastéis de natas oder auch Pastéis de Belém – das sind kleine Vanillepuddingtörtchen aus Blätterteig. Sie sind so beliebt, dass sie zu jeder Tages- und Nachtzeit in Unmengen verputzt werden. Ein sehr berühmtes Café im Lissabonner Stadtteil Belém stellt täglich bis zu 14.000 Stück her – man bekommt sie dort stets frisch aus dem Ofen.

An festlichen Anlässen gibt es zuerst ein ausführlicher Aperitif. Dazu werden verschiedene kleine Tapas gereicht – z.B. gefüllte Teigtaschen mit Fisch- oder Fleischfüllung – den Rissois. Außerdem sehr beliebt sind Stockfischkroketten – bolinhos de bacalhau. Sie können warm oder kalt gegessen werden. Außerdem gibt es meist noch Garnelen, Käse, Presunto (luftgetrockneter Schinken), Oliven und Brot.

Das Mittag- und Abendessen (oftmals gibt es zwei warme Mahlzeiten am Tag) beginnt fast immer mit einer Suppe. Neben Bohnensuppe und anderen Gemüsesuppen, Brotsuppe oder Fischsuppe gibt es noch die Nationalsuppe schlechthin: Caldo verde. Die Basis dieser "grünen Brühe" ist eine einfache Kartoffelsuppe. Zum Schluß werden die Blätter einer portugiesischen Grünkohlsorte – couve galega – in sehr feine Streifen geschnitten und zugegeben. Diesen Kohl ist in jedem portugiesischen Garten zu finden. Sie wächst sehr in die Höhe (meist um die 1,50 m) und hat große grüne Blätter und hat nicht die für uns typische runde Kohlform.

Natürlich wird der Fisch in Portugal großgeschrieben. Neben Fischeintöpfen (caldeirada), Oktopus, Muscheln oder Sardinen, findet man in erster Linie den bacalhau auf der Speisekarte – das ist getrockneter Stockfisch und das Nationalgericht Portugals schlechthin. Die Beliebtheit des bacalhau basiert darauf, daß die portugiesischen Seefahrer sich auf ihren langen Fahrten nur von haltbar gemachten Nahrungsmitteln ernähren konnten und dieser getrocknete Fisch sich bestens dafür eignete. Der Stockfisch muß zuvor für 24 Stunden in kaltes Wasser gelegt werden um dem Fisch das Salz zu entziehen. Zwischendurch sollte man das Wasser öfters wechseln. Danach kann der Fisch ganz normal zubereitet werden. Es gibt unzählige Varianten des bacalhaus. Sei es nun gebraten, als Salat oder gekocht. Man sagt, es gäbe 365 verschiedene Rezepte für bacalhau – für jeden Tag eines.

Eine weitere Spezialität sind ameijoes na cataplana. Das ist ein Muscheleintopf, der in einem ganz speziellen Topf – der cataplana – zubereitet wird. Dieser Topf wird traditionell aus Kupfer hergestellt und die Eintöpfe darin über offenem Feuer gekocht. Da heutzutage die meisten Küchen nur noch Elekroherde haben, gibt es mittlerweile die Cataplana auch aus Edelstahl.

Zu den beliebtesten Hauptgerichten zählen auch diverse deftige Eintöpfe – allen voran die Feijoadaein durchaus fleischreicher Bohneneintopf, der besonders im Winter gerne gegessen wird. Daß die Eintöpfe in Portugal so weit verbreitet sind, kommt daher, weil Fleisch früher keine Alltags, - sondern eine Festtagsspeise war. In die Eintöpfe kamen dann die ganzen Fleischreste hinein – sei es nun Schweineohren, Füße, Schwänze oder Innereien.

Fleischgerichte gibt es in Portugal in großer Vielfalt. Im Sommer grillt man gerne Fleischspieße, Kalb- oder Rinderkoteletts oder Rippchen. Bifes sind natur gebratene Kalbschnitzel die wie bei uns das Wiener Schnitzel überall auf der Speisekarte zu finden sind. Sehr beliebt sind auch Schmorgerichte – sei es nun mit Rind- oder Schweinefleisch, Geflügel oder Lamm.

 Besonders lecker sind auch Fleischgerichte aus dem Ofen – z.B. Hähnchen, Spanferkel, Lamm.

Traditionell werden zu den Hauptgerichten zwei Sättigungsbeilagen gereicht. Sie besteht meist aus Reis und Kartoffeln in verschiedenen Formen. Das mag für uns Deutsche ungewöhnlich sein, passt aber hervorragend.

Gewürze werden in der portugiesischen Küche sparsamer verwendet als wir es gewohnt sind. Meist werden die Gerichte lediglich mit Salz gewürzt. Lorbeerblätter und Petersilie findet man in zahlreichen Speisen. Eine Spezialität ist Piripiri – eine kleine rote Chilischote.

Zum Abschluß gibt es natürlich noch ein Dessert. Die gibt es in Portugal in Hülle und Fülle. Es wird sogar behauptet, dass die Portugiesen Weltmeister in Sachen Süßspeisen sind. Eines haben die Süßspeisen gemeinsam: Sie bestehen fast ausschließlich aus Zucker und Eiern, evtl. noch Zimt und sind wahre Kalorienbomben. Zu den beliebtesten Desserts zählen neben Milchreis vor allem verschiedene Cremes und eine unglaubliche Vielfalt an Puddings. Diese werden hauptsächlich auf Eierbasis in einem Wasserbad zubereitet.

Die portugiesische Küche ist weitaus vielfältiger als man denkt und es wäre schön, wenn sich durch diesen Artikel neue Freunde der portugiesischen Küche finden würden.

Wir bedanken uns herzlich bei unserer Userin bienemaya für die Erstellung dieses interessanten Artikels!


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Artikel vom 22.06.2010
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