Kleine kulturhistorische Betrachtung bekannter Gerichte


Rumfordsuppe, Risotto & Pojarski

Rumfordsuppe Rumfordsuppe
 "...ihrer Entstehung und Beschaffenheit zufolge ein gelehrter, nach chemischen Erfahrungen zusammengesetzter Brei...", so charakterisierte Rumohr in seiner Schrift "Geist der Kochkunst" die 1795 entstandene Rumfordsuppe.
Dieser wohlschmeckende Eintopf aus Knochenbrühe, Erbsen, Graupen, Wurzelwerk, Kartoffelwürfeln und je nach Lage der Dinge auch Speckwürfeln, entstand tatsächlich als Ergebnis vielfältiger ernährungswissenschaftlicher Untersuchungen des amerikanischen Physikers Benjamin Thompson, dem späteren Grafen Rumford.
Thompson floh während der amerikanischen Unabhängigkeitskriege nach Europa und trat in bayerische Dienste. In München legte er den Englischen Garten an.
Er führte in Bayern die Kartoffel ein und setzte deren Anbau im großen Umfang durch.
Für die Verköstigung der Soldaten des Pfälzer Kurfürsten Karl Theodor sollte er eine billige, aber nahrhafte „Kartoffelsuppe“ erfinden und so entstand die Rumfordsuppe. Als Dank bekam er den Grafentitel.

Die Suppe ist einfach in der Zubereitung und überaus sättigend. Man nehme:

  • 2,5 kg Rinderknochen
  • 350 g Speck
  • 350 g Gerstengraupen
  • 350 g gelbe, trockene Erbsen
  • 1,250 kg Kartoffeln
  • 100 g Petersilienwurzel
  • 100 g Möhren
  • 100 g Sellerieknolle
  • Petersilie
  • Salz, Pfeffer
Erbsen einweichen, Graupen weich kochen. Knochen zusammen mit Speck, Erbsen und Wurzelgemüse unter Beigabe von Salz und Pfeffer zu einer kräftigen Brühe auskochen und diese durchseien. Alles durch ein Sieb streichen. Dann das Püree zur Brühe geben und mit gewürfelten Kartoffeln bis zum Garwerden kochen.
Dieser Eintopf wird mit Petersilie bestreut serviert.
Man reichte kräftiges, dunkles Bauernbrot dazu.

Risotto
Risotto Unbestritten: Risotto ist umstritten! Das beginnt mit unterschiedlichen Auffassungen, welche Reiskornart zu verwenden ist, ob Ö1, Butter oder Schweineschmalz benötigt wird. Man ist sich uneinig über Garungszeiten sowie über Proportionen zwischen der Reismenge und der Flüssigkeit. Wird Risotto mit Käse bestreut oder zieht man den Käse darunter? Vielleicht sollte der Käse auch gesondert gereicht werden? Das setzt sich fort in Abwandlungen bzw. Erweiterungen, so mit Pilzen, Tomaten, Schinken oder Meerestieren.
Die Heimat des Reises und seine Hauptanbaugebiete liegen in Südostasien. Von dort kam er auf dem Landweg über Persien, Vorderasien nach Italien. Im 12. Jahrhundert war der Reis, wenn auch vereinzelt, in der norditalienischen Po-Ebene anzutreffen. Nachweislich baute man ihn im 16. Jahrhundert in größerem Umfang in Italien an. Der beste Reis wuchs in den Überschwemmungsgebieten des Po, in der Provinz Piemont. Es handelt sich dort um eine Rundkornreissorte, die aufsaugfähiger war und weniger schnell zerfiel als der Patnareis (Langkornreis).
Im Staatsinteresse gehütet, existierte übrigens ein Ausfuhrverbot für das Reissaatgut. Erst gegen Ende des 18.Jahrhunderts gelang es einem Amerikaner, Reis außer Landes zu schmuggeln. Und damit war das Reismonopol Italiens gebrochen.
Wenn auch der Reis als wichtiges Nahrungsmittel erst vor wenigen Jahrhunderten in Europa bedeutend wurde, verband sich in Italien sehr schnell damit der Verzehr von Käse und zwar wurde er unter die Reismasse gezogen. Das erste Reis-Käse-Gericht hieß „Risotto a la Parma„.
Wie kam nun der Name zustande? Auf alle Fälle hat er etwas mit dem Käse zu tun!
Die alten Römer kannten vor rund 2.000 Jahren zwar noch keinen Reis, jedoch schon etliche Käsesorten. Eine davon wurde „ricotto“ genannt. Weiter wird der Bogen zur Stadt Parma geschlagen, die durch die Herstellung von Reibekäse weltbekannt ist. Die Bezeichnung „Risotto“ entstand demzufolge aus „riz“ (Reis) und „ricotto“ - a la Parma besagt, dass Parmesankäse hinzugefügt wurde. Lässt man aus irgendwelchen Verzehrgewohnheiten den Käse fort, ist die Bezeichnung Risotto nicht mehr exakt!


» leckere Risotto Gerichte

Kotelett „Pojarski“
 Bekanntlich macht Not erfinderisch. Und auf solche Weise ist das „Kotelett Pojarski“ als vorgetäuschtes Kalbskotelett entstanden.
Die "Erfindung" wird einem Gastwirtsehepaar zur Zeit der Schreckensherrschaft des Zaren Nikolaus I. zugesprochen. während einer Reise hielt im Städtchen Ostaskowo die Zarenkutsche samt Begleitung vor dem Wirtshaus von Fedor Fedorowitsch. Der Adjutant verlangte, dass dem Zaren binnen kürzester Zeit Kalbskotelett serviert wird. Anderenfalls seien schwere Strafen zu erwarten.
Da aber nur ein paar Hühner bei den verarmten Wirtsleuten zur Verfügung standen, wurde schnell davon zartes Fleisch feingehackt, dann zu Koteletts geformt.
Der Gastwirt griff noch zu einer List: Er wälzte die Hackmasse in Ei und Semmelmehl und fügte schließlich noch einen kleinen Knochen hinzu!
Der Zar lobte die delikate Speise! Der Gastwirt, ein grundehrlicher Mann, gestand jedoch seinen Betrug. Nikolaus I. soll ihm eine Belohnung zugedacht haben, sowie das Recht, das Kotelett aus gehacktem Hühnerfleisch nach seinem Vatersnamen, Pojarski, zu benennen. Übrigens ist das einer der seltenen Fälle in der Geschichte der Kochkunst, in der ein Gericht nach seinem "Erfinder" benannt worden ist. Und aus dieser kleinen Geschichte lässt sich auch unschwer ableiten, dass das „Kotelett Pojarski“ eben nicht aus Kalbfleisch zubereitet wird, wie oftmals fälschlicherweise auf Speisekarten aufgeführt steht.


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Artikel vom 31.01.2006
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