Kleine kulturhistorische Betrachtung bekannter Gerichte


Kasseler, Hoppelpoppel & Schnitzel Holstein

Kasseler
Das Kasseler hat nichts mit der hessischen Stadt Kassel zu tun, wie mitunter fälschlich zu lesen ist, sondern es ist ein Berliner Gericht, erfunden von dem am Potsdamer Platz lebenden Fleischermeister Cassel. Er kam vor mehr als 125 Jahren auf die Idee, ein Schweinerückenstück vor dem Räuchern mehrere Tage in Salzlake zu pökeln. Das auf diese Weise vorbereitete Fleisch entfaltet nach dem Garen vorzügliche Geschmackseigenschaften, so dass Kasseler rasch über die Grenzen Berlins hinaus Einzug in die allgemeine Küche hielt. Doch es blieb nicht nur beim Pökeln und Räuchern von Schweinerücken. auch Kamm, Blatt, Haxe, Bauch und Keule können ebenso zubereitet werden.
Übrigens: Kasseler Rippenspeer heißt so, weil das Rippenstück ursprünglich am Spieß gebraten wurde.

Hoppelpoppel
Hoppelpoppel ist sowohl Speise als auch Getränk, der Rohstoff Ei ist dabei das gemeinsame Merkmal. Entstanden ist das Essen in den Küchen der ärmeren Leute. Sie nahmen übriggebliebene Kartoffeln und Bratfleischreste, ehe diese "hops" gingen (verdarben), vermengten sie mit Eiern und anderen Zutaten, und so entstand eine sättigende Speise. Es bleibt aber trotz aller Verbesserungskünste ein "popeliges" (gewöhnliches) Essen. Und so ergab sich im Laufe der Zeit, als Kopplung beider Begriffe, der Name Hopelpopel, später wurde daraus etwas klangvoller der Name Hoppelpoppel. In Berlin avancierte die Speise zu einer Spezialität, wobei sich die Zutaten verfeinerten.
Das Getränk Hoppelpoppel ist ein Punsch aus Sahne, zerstoßenem Kandiszucker, Eigelb, Rum oder Weinbrand und heißem Wasser, Vanille, Zitronensaft und geriebene Muskatnuss dienen als Gewürze.
Um 1800 war es ein beliebtes Getränk der exklusiven Gäste im ersten deutschen Seebad Heiligendamm.

Schitzel Holstein
Die Besonderheit dieses Schnitzels liegt nicht in der Verwendung von Kalbfleisch, sondern in der Kombination einer Vorspeise mit einem Hauptgang.
Baron Friedrich von Holstein, Regierungsbeamter in der Ära Bismarcks, speiste in Restaurants und bevorzugte mehrere Gänge. Als er es einmal ganz besonders eilig hatte verlangte er Vorspeise und Hauptgang gleichzeitig.
Das bestellte Kalbsschnitzel naturell, obenauf ein Setzei mit Kapern garniert, servierte man ihm einfach auf einem Teller zusammen mit der Vorspeise - 3 Weißbrot-Croutons mit Sardellen, Sardinen, Kaviar, Zitronenscheibe und Petersilie.
Hinzu kamen appetitfördernde Gewürzgurkenstreifen sowie marinierte Rote Bete. Natürlich gehörten noch Kartoffeln zu diesem Gericht.
Weil aber alles schnell gehen musste, erhielt der eilige Gast einfach Bratkartoffeln. Und um nicht öffentlich zu zeigen, dass Holstein nur Bratkartoffeln dazu aß, kamen dieselben unter das Schnitzel. Dieses Gericht machte von Berlin aus bald die Runde und wurde vielerorts gern gegessen.
Eine Reihe von Verfälschungen entstanden allerdings auch, so das Mehlieren und Panieren des Fleisches, das Abändern der kalten Vorspeise in unzulässiger Weise, das Weglassen der Umlage (Rote Bete und Gewürzgurke) und dergleichen mehr.
Da hier die personenbezogene Namensgebung als gesichert gilt, muss es Schnitzel Holstein heißen.


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Artikel vom 31.01.2006
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