Bier brauen: So machen Sie sich Ihr eigenes Pils

Bier brauen - und zwar Pils

Um die 107 Liter Bier trinkt ein Bundesbürger durchschnittlich im Jahr und ist somit ist das Bier das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen. Gerade bei den Herren der Schöpfung steht „das flüssige Gold“ hoch im Kurs, egal ob es sich dabei um ein untergäriges Bier wie Pils, Export oder Bock oder ein obergäriges Kölsch, Alt oder Weizen handelt.

Doch gerade jetzt, wenn die Tage wieder wärmer werden, schmeckt ein „kühles Blondes“ nach Feierabend besonders lecker und der ein oder andere füllt seinen Vorrat wieder etwas auf.
Doch sind Sie schon einmal auf die Idee gekommen, ihr Bier selbst zu brauen, wussten aber nicht so richtig, wie Sie dies angehen sollen? Dann wollen wir Ihnen ab sofort dabei behilflich sein und haben, in Zusammenarbeit mit Braumeister Michael Jovy, eine Brauanleitung für Sie zusammengestellt.

Bier brauen: Das brauchen Sie

Als allererstes natürlich Malz und Hopfen, sonst ist wirklich alles verloren, ohne diese Zutaten geht gar nichts! Ebenso benötigt man eine Bierspindel, mit der man die Stammwürze des Bieres misst, Bierhefe sowie ein paar Tropfen Jod für den Jodtest. Diese sehr wichtigen Utensilien sollte man frühzeitig besorgen, am besten bei einem Braumeister in Ihrer Nähe, denn da können Sie sich der Qualität sicher sein.

Utensilien, wie zwei große Eimer, ein Kochthermometer, ein altes Betttuch (am besten ohne Waschpulver ausgekocht) und einen 20 Liter Einmach- oder Glühweintopf, hat fast jeder im Haus, zur Not kann sicher ein Nachbar das eine oder andere Handwerkszeug für ein paar Wochen leihen. Des Weiteren benötigt man 40 Bierflaschen (0,5 Liter Fassungsvermögen) mit Bügelverschluss, in welche das fertig gebraute Bier (ca. 20 Liter Pils) abgefüllt werden soll. Diese können Sie schon einige Tage vorher gekauft haben, denn sie müssen leer getrunken werden. Wenn Sie die Brauaktion mit mehreren Freunden angehen, schaffen Sie dies sicherlich auch in kürzerer Zeit. Selbstverständlich können Sie die Flaschen auch leer kaufen, aber wer will das schon?!

Bier brauen - Schroten, Einmaischen & Co

Haben Sie alle Hilfsmittel zusammen? Dann kann der Bierbrautag festgelegt werden! Ein selbst gebrautes Bier ist innerhalb weniger Stunden gemacht, doch ein freier Nachmittag oder ein Wochenendtag ist für „Brauanfänger“ besser geeignet und man kann die Aktion stressfrei angehen. Am schönsten ist solch ein erster Brauversuch, geht man ihn mit ein paar Kumpels oder guten Freunden an. Ein Helferlein kann sowieso nicht schaden, mehr gut gelaunte Hobbybrauer verderben den „Brei“ sicherlich nicht. Doch vergessen Sie nicht, wenn Ihre Freunde helfen, mehr Bier einzukaufen, denn am Brautag selbst können Sie Ihr Werk leider noch nicht testen, denn es braucht ca. drei Wochen bis es fertig ist!

1. Schroten

Hopfen

Für 100 Liter Bier werden ca. 20kg Malz (gekeimtes und getrocknetes Getreide) benötigt.
Für einen Einmachkochtopf mit 20l Fassungsvermögen braucht man demnach 4kg geschrotetes Malz. Dafür wird das Getreide grob zerkleinert, nicht gemahlen!

Info: Je mehr Malz man hinzufügt, desto mehr Alkohol bzw. mehr Menge erhält man.

2. Einmaischen

Die 20l Wasser auf 65° Celsius aufheizen. Das Malz unter ständigem Rühren hinzugeben und weiterrühren. Die Temperatur dabei konstant auf 63° Celsius halten. In diesem Arbeitsschritt wird der langkettige Zucker in kurzkettigen umgewandelt.

Tipp: Wichtig ist, dass man die Wasser-Malz-Mischung noch rühren kann, ohne dass sie am Topfboden anbrennt. Nach 15 Minuten auf 71° Celsius aufheizen und weitere 15 Minuten weiterrühren.

3. Jodtest

Mit dem Jodtest überprüfen, ob die Enzyme richtig gearbeitet und Stärke vorhanden ist. Dafür einige Tropfen der Wasser-Malz-Mischung auf einen Unterteller geben und mit ein paar Jodtropfen mischen.
Verfärbt sich die Probe Blau: Die Enzyme brauchen noch etwas oder sind leider gestorben
Bleibt die Probe Rot/Gelb: Bestens

Nun alles noch einmal auf max. 77° Celsius aufheizen und dabei weiterrühren. Ganz wichtig: Nicht über 78° Celsius erhitzen!

4. Läutern

Maische über ein Tuch oder ein Sieb (z. B. Entsafter passend zum Einmachtopf) schütten, um die festen Stoffe von den flüssigen zu trennen.

5. „Überschwänzen“

Wasser mit max. 77° Celsius über den Treber, also die bereits gefilterten festen Malzreststoffe, schütten, um diese noch einmal auszuwaschen (ca. 2- 3 Liter).

6. Stammwürze messen

Mit einer Bierspindel (Für ca. 15€ im Handel erhältlich) die Stammwürze messen.

Hinweis: Die Stammwürze entspricht NICHT dem Alkoholgehalt, sondern bezeichnet den Anteil der gelösten unvergorenen Würze, also des Malzes.

  • Pils: ca. 11%
  • Export: ca. 12%
  • Bock: mind. 16%

7. Evtl. weiter „Überschwänzen“

Sollte die Stammwürze den entsprechenden Wert noch nicht aufweisen, müssen die zurück gebliebenen Extraktstoffe erneut mit heißem Wasser (nicht über 77° Celsius!) ausgewaschen werden. Ist die Stammwürze zu hoch, wird abgekochtes Wasser sofort eingefroren und am Schluss des Brauvorgangs hinzugefügt und somit „gestreckt“.

8. Die Würze kochen

Nun die Würze ca. 60 Minuten kochen. (Bei 100° Celsius - ja das wird im Kurs oft gefragt)

9. Hopfung

Hopfenernte

Während des Kochens wird der Hopfen (das „Gelb“) zugegeben.

  • Pils: 10g gelb ( Alpha) pro 100l geben
  • Weizen: 5g gelb

Der Hopfen sollte Aromahopfen sein und 30min vor Kochende hinzu gegeben werden.
Die Gabe kann auch auf zwei Chargen aufgeteilt werden (zu Kochbeginn und 10min vor Ende).

Achtung: Die Hopfenmenge richtet sich nach der Biermenge
Wenn am Ende noch Eiswürfel hinzu gegeben werden sollen (wie in Punkt 7 erklärt, weil die Stammwürze z. B. noch bei 15% statt bei der angestrebten 11% ist) dann zunächst die Endmenge berechnen. Beim Hopfen auf die „Gelb“-menge (Alpha) achten, diese ist in Prozent angegeben.

Beispiel: Wir brauen ein Pils, also brauchen wir 10 Gramm „Gelb“ für 100 Liter. Die Endmenge Bier entspricht 20 Litern.

Wir brauchen also 2 Gramm „Gelb“ für unser Pils.
In diesem Fall haben wir einen Hopfen mit einer „Gelb“-Menge (Alpha) von 6,7%. In 100g Hopfen befinden sich also 6,7 Gramm „Gelb“.

(100 Gramm / 6,7 Gramm x 2 Gramm = 29,86 Gramm)
Wir geben also insgesamt 29,86 Gramm Hopfen hinzu. Darin sind 2 Gramm „Gelb“ enthalten.

10. Spindeln

Eine kleine Menge des Suds entnehmen und auf ca. 20° Celsius abkühlen. Dann mit der Spindel den Stammwürzegehalt bestimmen.

Hinweis: Die Spindel MUSS steril sein. Entweder in Alkohol lagern oder abkochen.

11. Heißtrubentfernung

Den Sud wieder über ein Tuch in ein neues Behältnis geben. Das „Grüne“ muss herausgefiltert werden. Der Sud sollte nun dunkel und klar aussehen.

12. Abkühlen

Den Sud in die Badewanne stellen und kaltes Wasser rundherum einfüllen.
Wenn die Temperatur des Sudes der Hefetemperatur entspricht, kann die Hefe hinzu gegeben werden:

  • Hefetemperatur bei Pils: 9 – 15° Celsius
  • Hefetemperatur bei Weizen/Kölsch/Alt: 18 – 24° Celsius

Tipp: Wenn die Stammwürze zu hoch ist, können vor der Hefe die Eiswürfel dazu gegeben werden. Diese kühlen den Sud und senken die Stammwürze. Vorher aber bitte ausrechnen, wie viele Eiswürfel hinzu gegeben werden müssen, um die angestrebte Stammwürze zu erhalten.

Achtung: Eiswürfel müssen steril sein also kochendes Wasser einfrieren. Damit sind auch die Eiswürfelbehälter steril.

Berechung:

Menge Eis = (Menge 1 x Stammwürze 1 / Stammwürze neu) – Menge 1
In unserem Fall gehen wir von 16 Litern Sud mit einer Stammwürze von 15% aus.
Die angestrebte Stammwürze ist 12%. Menge Eis = (16 Liter x 15% / 12%) – 16 Liter = 4 Liter
Demnach müssen wir 4 Liter Eis hinzugeben und erhalten eine Endmenge von 20 Litern.

13. Hefe hinzu geben

Für 100l Bier benötigen wir 0,5l bis 1l dickbreiige Hefe. Es reichen 40g Bierhefe (obergärig). Diese nun dem Sud zugeben.

14. Hauptgärung

Bei obigen Hefetemperaturen, also für unser Pils 9-15° Celsius, gären lassen bis die Spindel 4% Würze anzeigt.

Wichtig: Wer das Bier zu früh in die Flaschen abfüllt, riskiert, dass sie platzen.

15. Abfüllen

Bierflaschen, am besten wiederverschließbare mit einem Bügelverschluss, reinigen und im Backofen sterilisieren. Die Flaschen befüllen und bei Zimmertemperatur ca. zwei Wochen stehen lassen, anschließend noch eine Woche im Kühlschrank lagern.

Achtung: Flaschen nie ganz voll machen, sonst können sie platzen!

Hinweis: Statt die Flaschen voll zu kaufen und sie dann selbst zu leeren, kann man auch leere Flaschen im Internet bestellen. Aber wer will das schon???

16. Trinken

Prost!

Wenn Ihre Vorbereitungen abgeschlossen sind, dann können Sie gleich loslegen. Viel Erfolg und gutes Gelingen bei Ihrem ersten Brauversuch!

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