77 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände weltweit werden bis an ihre Grenzen befischt oder gelten als überfischt. Allein im Nordostatlantik und in der Ostsee gelten sogar 40 der 60 wichtigsten Nutzarten, wie zum Beispiel Kabeljau, Schellfisch und Scholle zurzeit als stark überfischt.
Der Grund dafür ist die immer hoch technisierte, auf schnellen Profit bedachte Fischerei der großen Fangflotten, die zu leeren Meeren führt, während die kleine Küstenfischerei vielerorts um ihre Existenz kämpft. In den europäischen Gewässern hat die gemeinsame Fischereipolitik der Europäischen Union (GFP) die Fischerei jahrelang hoch subventioniert. Mittels der Subventionen wurden vor allem die großen Fangflotten verbessert und vergrößert, was schließlich zu einer Überkapazität führte. Heute werden in den meisten Fällen mehr Fische gefangen als nachwachsen können. Zudem produzieren viele Fanggeräte hohe Beifangraten. Unter Beifang versteht man ungewollt mitgefangene Meerestiere, die später tot oder sterbend ins Meer zurückgeworfen werden. Bei manchen Fischarten fällt kaum Beifang an, bei anderen wiederum werden pro Kilogramm Fisch bis zu 20 Kilogramm Meerestiere mitgefangen.
Unterm Strich heißt das: Beifang ist eine gigantische Verschwendung, die ganze Arten an den Rand des Aussterbens bringt, die Basis der Fischerei bedroht und den empfindlichen Lebensraum Meer zerstört – ganz abgesehen von der Frage, ob wir es ethisch vertreten können, dass Lebewesen wie Müll behandelt werden.
Die Versorgung mit Speisefisch steht auf dem Spiel. Auch wenn es in der Verantwortung der Politik liegt, die Fischereikrise zu stoppen, können Konsumenten durch bewusstes Einkaufen einen wichtigen Beitrag leisten. Deshalb versucht der WWF neben seiner politischen Arbeit durch Verbraucher-Information und Zusammenarbeit mit der Fischindustrie dafür zu sorgen, dass die Fischerei nachhaltig gestaltet wird und die Bestände der begehrten Fische nicht unter rücksichtsloser Fischerei leiden.
Zu diesem Zweck hat sich der WWF 1997 an der Gründung des Umweltsiegels des Marine Stewardship Council (MSC – siehe letzte Seite unseres Artikels) beteiligt. Darüber hinaus veröffentlicht der WWF seit 2000 regelmäßig, auf Basis der aktuellsten Erkenntnisse des Wissenschaftlichen Rats zur Erforschung der Meere (ICES), einen Einkaufsratgeber Fisch mit leicht nachvollziehbaren Entscheidungskriterien, damit Verbraucher Fisch kaufen und genießen können, zugleich aber kommenden Generationen nicht das letzte Fischfilet wegessen. Die Methode für die Bewertung wurde vom WWF zusammen mit anderen internationalen Umweltschutzorganisationen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erarbeitet. Mit der Methode wurden fischereiwissenschaftliche und umweltrelevante Daten von Fachleuten ausgewertet. So kann die Nachhaltigkeit der jeweiligen Fischereien bewertet werden.
Hier finden Sie den Einkaufsführer im handlichen Brieftaschenformat zum Download.
Einige Fische möchten wir Ihnen etwas detaillierter vorstellen, unterteilt vom WWF in drei Gruppen: „Gute Wahl“, „Zweite Wahl“ und „Lieber nicht“.

Henglein
Rama Cremefine

