Vergessene Schätze aus dem Garten


Vergessene und unbekannte Nutzpflanzen

Topinambur hat es geschafft, die Speisekarten zurückzuerobern, auch Pastinaken oder Steckrüben, noch vor einigen Jahren fast in Vergessenheit geraten, knüpfen heute wieder an ihren Geschmackserfolg an.
Dennoch ist die Liste der vergessenen Obst- und Gemüsesorten lang, viele Namen klingen heute in unseren Ohren völlig unbekannt. Dass sich darunter auch einige richtige Schätze verbergen, die unser Nahrungsangebot bereichern könnten, daran glaubt Chefkoch-User „gwexhauskoch“ und stellt uns einige der vergessenen Nutzpflanzen vor, die es verdienen wiederentdeckt, angebaut und verarbeitet zu werden!

Knollen

Glückskleerübchen - Oxalis deppeii

Diese äußerst dekorative Sauerkleeart, mit vierteiligen Blättern und tiefrosa Blüten, bildet Knollen/Zwiebeln aus. Die Pflanze ist bei uns nicht frosthart und muss daher jedes Jahr neu gesteckt werden. Ansonsten sind sie ziemlich problemlos zu ziehen.
Die Knollen haben eine wunderbar knackige Konsistenz und schmecken am besten, wenn man sie nur kurz in der Pfanne anschwenkt. Auch die Blätter und die sehr hübschen Blüten können gegessen werden, allerdings wie bei allen Sauerkleearten, wegen der enthaltenen Oxalsäure nur in Maßen. Das größte „Problem“ dieses Feinschmeckergemüses: Es muss mit einer Bürste hartnäckig sauber geputzt werden.

Knollen-Ziest - Stachys sieboldii

Diese Knollen sind in anderen Ländern, vor allem in Frankreich, unter dem Namen Crosne bekannt und noch relativ oft zu bekommen, hier bei uns ist der Knollen-Ziest relativ unbekannt. Die krautige Pflanze mit den lila Blüten bildet Rhizome an ihrer Wurzel aus, die wie kleine, dicke Raupen aussehen und essbar sind.
Ähnlich wie Kartoffeln, muss man die Knolle ausgraben, abschälen braucht man die sehr dünne Schale hingegen nicht, kurz waschen vor der Verarbeitung reicht völlig aus. Roh gegessen ist die Knolle sehr knackig und schmeckt wie eine Mischung aus Artischocken und Kohlrabi.

Rüben

Kerbelrübe - Chaerophyllum bulbosum

Diese relativ kleinen Rübchen, vielleicht manchem unter dem Namen Kälberkropf ein Begriff, findet man bei uns sehr verstreut, häufig auch als verwilderte Pflanze und dann vorrangig an Flussufern. In Frankreich hingegen gilt sie als Spezialität und sogar als Gourmetgemüse. Die Kerbelrübe erinnert geschmacklich an Sellerie mit einem Hauch Maronengeschmack, sehr einzigartig und angenehm würzig. Der Anbau ist etwas langwierig, weil sich die Rübchen erst im zweiten Jahr bilden, aber die Mühe lohnt sich.

Blattgemüse

Echter Erdbeerspinat - Chenopodium foliosum

Tatsächlich erinnert diese schöne Pflanze optisch sowohl an Spinat als auch an Erdbeeren. Allerdings schmecken die Früchte nur sehr entfernt nach Erdbeeren, die Blätter dieser hübschen Pflanze können hingegen wie Spinat zubereitet werden und sind durchaus ein schönes Blattgemüse. Sind die Blätter noch sehr jung, können sie ebenso wie Spinat, auch roh als oder im Salat gegessen werde,

Speisechrysantheme - Chrysanthemum coronarium

Diese schöne Pflanze stammt aus Asien, wo sie bis heute gerne in der Küche verwendet wird. Die Blätter dieser Chrysanthemen werden jung als Salat gegessen oder kommen zum Wokgemüse. Auch mögen sie viele als Tempura ausgebacken, sie schmecken mit ihrem leicht bitteren Ton ausgezeichnet. Der Anbau ist auch in unseren Breitengraden kein Problem und hübsch blüht die Pflanze noch dazu.

Früchte

Rattenschwanzradieschen- Raphanus caudatus

Von Rettichen und Radieschen essen wir die Wurzeln, aber von dieser Art werden die Früchte gegessen, besser gesagt die reifen Schoten. Diese haben einen ausgeprägten Radieschengeschmack und können recht scharf werden. Am besten schmecken Rattenschwanzradieschen wie ihre Verwandten roh, auf dem Butterbrot, mit einem Dip, oder in Butter oder Ghee angeschwenkt.

Litschitomate - Solanum sisymbriifolium

Eine wunderschön blühende Verwandte der Tomate, die relativ kleine rote Früchte trägt. Der Geschmack liegt irgendwo zwischen Tomaten, Physalis und Tomatillo. Die Pflanzen sind sehr ertragreich und ähnlich wie die Physalis von einem Kelch geschützt, allerdings einem recht dornigen. Auch die restlichen Pflanzenteile sind mit Stacheln versehen, was aber dem Genuss der Frucht, hat man sie einmal befreit, keinen Abbruch tut. Litschitomaten sind wie Tomaten roh oder gekocht zu verwenden.

Beeren

Wonderberry - Solanum burbankii

Diese in Amerika relativ verbreiteten Nachtschattenbeeren werden dort als Ersatz für Heidelbeeren verwendet. Der Geschmack der schwarzen Beeren ist jedoch etwas anders und etwas ganz außergewöhnliches. Sehr gut lässt sich diese Frucht auch zu Marmelade verarbeiten. Aber bitte nur völlig ausgereifte Früchte verzehren – unreife Beeren sowie die anderen Bestandteile der Pflanze sind giftig.

Taybeere - Rubus loganobaccus

Auch diese Kreuzung aus Him- und Brombeeren kommen aus Amerika. Manche Sorten sind etwas frostempfindlich, aber es gibt mittlerweile etliche Sorten in Europa die problemlos überdauern. Die Früchte selbst schmecken süß-säuerlich und eigenen sich deshalb hervorragend zum Kochen von Konfitüre, sind aber auch pur sehr lecker.

Essbare Stauden

Wald-Geissbart - Aruncus dioicus

Die heimische Staude, die weit verbreitet in unseren Gärten angepflanzt wird, wächst bis zu zwei Meter hoch. Kennzeichnend sind die zahlreichen Sprosse, die jung geerntet im Frühjahr wie Wild-Spargel verarbeitet werden können, z.B. in Suppen oder Salaten. In der Blütezeit sieht der Wald-Geissbart sehr schön aus und ziert jeden Garten.

Taglilie - Hemerocallis citriodorus

Essbar an Taglilien sind die Knospen und Blüten. Seit Jahrtausenden werden diese schönen Blüten in der chinesischen Küche verarbeitet, doch auch bei uns verschönern die gerade aufbrechenden Knospen Salate und eignen sich selbst zum Frittieren. Besonders die gelben Sorten haben einen wunderbaren Geschmack, sie erinnern an Banane mit einem Hauch Honig.

Kräuter

Bronzefenchel - Foeniculum vulgare ' Atropurpureum'

Eine Fenchelart, die vor allem durch die sehr dekorative Färbung des Laubes wirkt, aber die gleichen Inhaltsstoffe besitzt, wie andere Fenchelarten auch. Die jungen federartigen Blätter erinnern geschmacklich Anis und werten mit ihrem Aroma Salate geschmacklich auf. Optisch ähnelt das Würzkraut auch ein wenig dem Dill und wird gerne wie dieser als Dekoration verwendet.

Süßdolde - Myrrhis odorata

Die Süßdolde ist ein nahezu vergessenes, in unseren Breiten heimisch gewordenes, Kraut mit einem unwahrscheinlich intensiven Aroma nach Fenchel, Anis und etwas Lakritze. Verwendet werden die Samen, Blätter und Wurzeln, des buschigen Krautes, welches auch als „Wilder Anis“ bezeichnet wird, in Süßspeisen, Salaten, Suppen oder Eintöpfen, ist also unheimlich vielseitig verwendbar.



Wer weitere Fragen zu fast vergessenen Nutzpflanzen hat oder gerne die eine oder andere vorgestellte Sorte selbst im eigenen Garten anpflanzen möchte und Samen benötigt, der kann sich gerne an „gwexhauskoch“ wenden!


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Artikel vom 10.08.2009
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