Österliche Speisen und Bräuche

Vergnügliches rund um das Ei - Rezepte für übriggebliebene Ostereier

Von jeher hat das Ei die Fantasie des Menschen beflügelt. "Ein scheinbar lebloser Gegenstand, einem glattgeschliffenen Kiesel ähnlich und bringt doch unter Umständen Leben hervor."


Durch viele Naturreligionen geistert ein Ur-Ei als geheimnisvoller Ursprung aller Dinge, als Wunder des Werdens schlechthin. Ägyptens erster Gott entsprang einem Ei, einem Gänseei, und so stand die Nilgans, wie viele Wandbilder bezeugen, dort in hohem Ansehen.

Die Griechen hielten es mehr mit den Hühnern, sahen im Ei aber auch etwas Metaphysisches, nämlich ein Sinnbild der vier Elemente. Die Schale entsprach der Erde, das Dotter dem Feuer, das Eiklar dem Wasser und die Luftblase unter der Schale der Luft. Es gab Zeiten, in denen das Zerschlagen eines Eies einem Mord gleichgesetzt und entsprechend geahndet wurde.

Überall war es das Symbol des Lebens, des ewigen Lebens sogar. Die Etrusker gaben ihren Toten ein Ei in die Hand, um ihr Weiterleben im Jenseits zu sichern. Und dieses Lebensei, das schon im Altertum häufig bemalt und verziert wurde, gibt es noch heute: unser Osterei!

Diese kultische Verklärung hinderte unsere Vorfahren natürlich nicht daran, Eier auch zu essen, denn die Geflügelhaltung nahm in den letzten Jahrtausenden v. d. Zeitrechnung in Europa sehr rasch zu. Im klassischen Griechenland muss es so viele Hühner gegeben haben, dass man ihre Eier schon nicht mehr zu schätzen wusste. Auf den Tafeln der Reichen bevorzugte man Pfauen-, Straußen- und Taubeneier.

Auch die alten Römer liebten ausgefallene Sorten von Eiern, scheinen sie aber hauptsächlich gekocht und mit scharfen Saucen als Vorspeise serviert zu haben. Den Abschluss der Mahlzeit bildete dann Obst, in der Regel Äpfel, daher die lateinische Redewendung "Ab ovo ad malum" (Vom Ei bis zu den Äpfeln).

Mit dem Christentum und seinen Fastenzeiten stieg das Ei in der Wertschätzung der Verbraucher, denn es brachte etwas Abwechslung in die eintönige Speisekarte der fleischlosen Tage. Wahrscheinlich wurden die ersten wirklichen Eierspeisen also von kochenden Mönchen erfunden. In der mittelalterlichen Küche scheint das Ei sonst eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben.

Weder der große Kessel über dem Feuer noch Bratspieß oder Rost eigneten sich besonders gut zur Eierzubereitung. Ein deutsches Kochbuch aus dem 16. Jahrhundert führt am Schluss ganze acht Eierrezepte auf. Auch auf diesem Gebiet wurde die französische Küche zum Vorreiter, rund fünfzig Jahre später notierte La Varenne in seinem Kochbuch bereits sechzig verschiedene Zubereitungsarten für Eier.

Heute könnte man allein den Eierspeisen ein ganzes Kochbuch widmen: von Vorspeisen über Schnell- und Hauptgerichte bis zu Süßspeisen und Kuchen


Eier kochen - ist doch einfach, oder?
Zuerst wäre mal zu klären, wie man ein Ei überhaupt richtig kocht! Wer kennt nicht die Redensart: "Sie/er ist so ungeschickt, dass sie /er nicht mal ein Ei kochen kann!" Das ist ein Widerspruch in sich. Ein Ei perfekt zu kochen ist wahrhaftig eine Leistung. Früher mussten Köche, die sich um eine Stelle bewarben, sogar probeweise Eier kochen nach dem alten Motto:
"Ehe Dir ein Koch beschieden, gib ihm erst ein Ei zu sieden, kann er's, bist Du stets zufrieden."

Wer den Geheimtrick beherrscht, hat gewonnenes Spiel: Eier wollen sanft gekocht werden, auf extreme Hitze reagieren sie empfindlich, geradezu beleidigt. Werden sie doch genau wie Fleisch bereits unter dem Siedepunkt gar. Daher darf das Wasser niemals sprudelnd kochen, sondern muss leise köcheln. Und Eier niemals direkt aus dem Kühlschrank in den Kochtopf legen - dann haben sie den Hang zu platzen!

Ein Tipp, um ein perfekt gekochtes weiches Frühstücksei zu erhalten: das Ei überhaupt nicht kochen! Die gewünschte Anzahl wird in eine vorgewärmte Schüssel gelegt oder einen vorgewärmten Topf. Nun übergießt man sie mit kochendem Wasser, bis sie bedeckt sind und lässt sie ca. 15 Min. zugedeckt stehen. Bei großen Eiern oder bei mehr als 3 Eiern wiederholt man diese Prozedur nach ca. 8 Min.! Versuchen Sie es einfach mal und wenn Sie alles richtig gemacht haben, erhalten Sie ein wunderbares, weiches Frühstücksei!

Was machen wir nun mit den restlichen Ostereiern?
Vor diesem Problem steht man in zahlreichen Familien alle Jahre wieder. Zwar schmecken Ostereier besser als diejenigen, die wir das übrige Jahr über essen, keine Frage, aber irgendwann hat auch der eifrigste Eieresser genug.

Grimod de la Reynière, der von 1758-1837 in Frankreich lebte und als erster den Begriff "Restaurant" im heutigen Sinne verwendete, schrieb 1805: "Die Eier sind eins der herrlichsten Geschenke, welche die Vorsehung je dem menschlichen Appetit gemacht hat... Man hat in Frankreich 543 verschiedene Arten, die Eier zuzubereiten - abgesehen von denjenigen, die noch täglich von den Küchengelehrten entdeckt werden, denn die Kochkunst ist ein Gebiet, auf dem es immer noch Entdeckungen zu machen gibt."

Wie wahr - kann man da nur sagen! Darum hier einige Anregungen für die weitere Verwendung von Ostereiern:

Für das Frühstück:
Eingelegte Eier
Eier in Aspik
Eierkränzchen
Eier auf polnische Art
Marinierte Eier (aus China)

Für das Mittagessen:
Indisches Eiercurry
Eierragout
Mexikanische Eiersuppe
Eier - Kichererbsen - Curry
Grüne Eier nach Figueira Art (aus Portugal)
Moussaka mit Ei

Für das Abendessen:
Eier mit Fisch
Eier - Ragout - fin
Eier mit Gemüse gefüllt
Eier mit Sardellen gefüllt
Gebackene Eier in Kräutersauce
Eier in Currysauce

Eier im Schlafrock

(Quelle: Kurt Drummer "Die besten Rezepte aus der Fernsehküche" vom Fachbuchverlag Leipzig)