"Kann doch jeder": Bar/Cafe/Lounge eröffnen?
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![]() Mitglied seit 26.04.2011 |
ich habe den Titel bewusst gewählt, weil es ja wirklich viele gibt, die glauben, man könne so mir-nichts-dir-nichts mal eben ne Bar eröffnen. So, nun bin ich mal an der Reihe, denn ich würde eine bereits vorhandene Bar eventuell übernehmen wollen. Ich möchte mich aber zuvor ausgiebig informieren, daher mein Thread hier. Zu mir selbst: ich bin bereits seit 2005 selbstständig und betreibe einen wohlfunktionierenden Onlinehandel. Ich weiß also was es heißt Verantwortung zu übernehmen, Steuer zu machen, auf rechtliche Aspekte zu achten, finanzielle Hilfen in Anspruch zu nehmen etc. Zur bestehenden Bar: sie ist seit geschätzten 5 Jahren in Betrieb und ständig gut besucht. Sie ist in unserem kleinen Ort (ca. 15.000 Einwohner) die einzige in dieser Aufmachung. Es gibt ansonsten nur noch 2 Assi-Kneipen und eine solche "kann-doch-jeder-Diskothek" die alle paar Wochen ihren Namen wechselt. Das Publikum ist gut gesittet, die Bar ordentlich und sauber, das Personal jung und freundlich. Zum Besitzer: er hat einfach keine Lust mehr, hat aber immer für gute Stimmung gesorgt, die Gäste perfekt bei Laune gehalten. Es steht also in den nächsten Wochen die Schließung der Bar an, ein Nachfolger ist laut jetzigen Besitzer nicht in Aussicht (was ihm natürlich auch Wurst ist!). Nun komme also ich daher und denke darüber nach, diese Bar weiter zu unterhalten. Ich habe mich in so fern schon darüber erkundigt, welche Auflagen ich überhaupt erfüllen muss. Ich weiß, dass ich vor allem eine Konzession nach §4GStG benötige (kein Problem, gibts bei unserer Innung), polizeiliches Führungszeugnis (auch kein Problem), Unbedenklichkeitsbescheinigung vom F-Amt (auch kein Problem) sowie eine Teilnahme zur Erstbelehrung nach dem IfSG (müsste ich halt auch machen). Ferner muss die Betriesstätte Gaststättentauglich sein, was sie ja offensichtlich ist, weil es ja sonst diese Bar nicht schon jahrelang gäbe. Ein Mietvertrag ist daher auch kein Problem sein. Auch habe ich mich schon über die Kosten bei der Schankzulassung bei unserem Landratsamt erkundigt: €401,- (die Bar hat nur 49m²). So, worüber ich noch nicht so genau Bescheid weiß sind die laufenden Kosten: - Mietkosten sind mir noch unbekannt - GEMA ist mir bekannt und ist auch nicht sonderlich hoch (313€/a) - Gibt es sonstige laufenden Kosten wie Versicherungen, Berufsgenossenschaften oder sonstiges von dem ich vermutlich noch nie was gehört habe? In meiner jetzigen Selbstständigkeit gibt es sowas ja NICHT. - ansonsten fällt das übliche an wie Strom, Gas, Wasser, Schei**e,... bei dem ich mal mit einer monatlichen Pauschale kalkulieren muss. Da ich keinen erlernten Beruf in dieser Sparte habe (bin Automobilkaufmann), müsste ich also auch Hilfe vom jetzigen Personal zurückgreifen. Gut, ich sag mal "Bier öffnen und Drinks shaken - KANN JA JEDER". Wobei ich aber denke, dass der Gast die übliche Qualität erwartet, und ich die ihm wohl auf Anhieb nicht bieten kann! Also muss das Personal bleiben (was es nach Rücksprache auch tun würde). Da ich also dementsprechend jede Menge Kosten habe, interessiere ich mich natürlich besonders für die anstehenden Umsätze: mit welcher Marge kann man denn in diesem Gewerbe rechnen? Ich bin Kaufmann, von dem her kann ich mit solchen Analysen also gut umgehen. Was mir fehlt sind einfach die passenden Werte! Ich könnte ja einfach hergehen und sagen: "ne Kiste Bier kostet €12,- und bringt mir ca. €40,- ein. Macht ein + von €28/Kiste". Abgesehen davon, dass ich garnicht weiß, ob ich so rechnen kann, habe ich auch null Ahnung davon, wie ich am besten die gemixten Getränke berechne. Denn: Wieviel Cocktails bekomme aus einer Flasche Schnaps oder gar einem Liter Saft?!? Von daher würde ich lieber auf Erfahrungswerte zurückgreifen. Ansonsten müsste ich total naiv wie folgt rechnen: Für ein Mixgetränk brauche ich Getränke in Höhe von ca. €15,-. Aus einem Liter bekomme ich ca. 60 Mixgetränke zu je €4,50 (soviel kostet ein Cocktail da), macht also €270,-. Sieht super aus meine Rechnung, wär mir aber etwas zu naiv und vor allem zu unglaubwürdig das Ganze... Von daher würde ich mich sehr über eure Erfahrungen und Hilfe freuen. Wer weiß, vielleicht stellt sich ja raus, dass ich es lieber lassen sollte. Ich will da nicht zu euphorisch an die Sache rangehen, denn schließlich hängt da auch mein Geld dran! Ein kleines PS noch: wie ist das mit Bedienungen? Ich kann die doch nicht alle "fest" mit Vertrag anstellen, was ja jedes mal ein irrsinniger bürokratischer Aufwand wäre. Wie ist das also mit "Aushilfen" - ich sag mal Studenten, die sich hier und da ne Mark verdienen wollen? Geht das einfacher als Festangestellte zu handhaben? Ich will hier nicht darauf hinaus die Leute schwarz zu zahlen, aber mir geht es halt um die einfache Handhabe, wie man solche Leute anständig bezahlt und vor allem auch versichert. Danke euch schon mal! |
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![]() Mitglied seit 06.04.2010 |
Hallo
Ich möchte nur ein paar Punkte ansprechen, mag jetzt keinen Roman schreiben...! Ja, es ist sehr üblich, dass Mitarbeiter nur als Aushilfen angestellt sind und je nach Betriebsgang bestellt und auch wieder nach Hause geschickt werden. Das ist zwar sch... für die Mitarbeiter, aber viel einfacher für den Betreiber. Bedenklich finde ich allerdings, dass du, wie du sagst, eigentlich keine Ahnung hast vom operativen Geschäft, das sollen die MA also selbsständig erledigen. Ich kenne keinen einzelnen deiner MA, aber ich kann dir eines schwören: Die werden dich sehr schnell durchschauen und nach Strich & Faden über den Tisch ziehen! Ich habe prinzipiell ein Grundvertrauen in Leute, aber meine Jahrelange Erfahrung in der Gastronomie hat mir einfach gezeigt, dass Gelegenheit Diebe macht, und da wird SEHR schnell einmal jedes 5. Getränk in den eigenenen Sack kassiert - vor allem von Hilfskräften welche nur auf wenige Arbeitsstunden und damit auf einen geringen Lohn kommen. Das wirst du unter anderenm auch daran merken, dass eine Flasche Schnaps eben nicht für die von dir berechnete Menge an Cocktails reicht. Da wird auch mal sehr gerne grosszügig eingeschenkt (weil gibt mehr Trinkgeld) oder eben, die Drinks verschwinden sonst wo hin. Da ist UNBEDINGT ein richtiges Controlling nötig, und wenn das nicht durch eine Fachperson geschieht, hast du keine Chance - glaub mir, die MA haben die wirklich unglaublichsten Tricks auf Lager (Bons splitten, stornieren, gar nicht tippen, mehrfach abrechnen...), wenn es um die eigene Geldvermehrung geht! Dies nur mal so als Input, ich könnte noch viiiel mehr schreiben... Gruzz - Zinemin |
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![]() Mitglied seit 11.06.2005 |
Hi,
die meisten Deiner Fragen ließen sich ganz leicht beantworten, wenn DU in die Berechnungen Deines Vorgängers schauen würdest. Würdest Du von ihm außer dem Personal auch die Einrichtung gegen eine Ablöse übernehmen? Evtl. auch einen Betrag für den Kundenstamm und den Namen bezahlen? Dann würde er Dich bestimmt auch in seine Finanzen schauen lassen, und dann wärst Du erheblich schlauer, was das Risiko und die Gewinnaussichten anbelangt. Selbst wenn Du EK und VK von Drinks und Gerichten berechnest und Deine Kosten dagegen rechnest, musst Du erstmal einen realistischen Umsatz annehmen können, um schlauer zu werden, und den kannst Du ja am besten vom Vorgänger erfahren. LG Nena |
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![]() Mitglied seit 16.06.2009 |
Hallo,
und Du solltest den Mietpreis erfragen,dann kannst Du genauer kalkulieren. Daber hilft Dir ein Unternehmens- oder Steuerberater,auch was die Personalkosten betrifft! Ansonsten bedenkst Du viele Dinge,die zu einer Eröffnung oder Übernahme gehören...... und schießt nicht einfach so in ein Unternehmen!!! Viel Erfolg LG Sahnehäubchen_8557 |
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![]() Mitglied seit 19.06.2009 |
Hi!
Abrechnungen des Vorbesitzers von Deinem Steuerberater durchsehen lassen, der gibt Dir, sofern er sein Handwerk versteht, eine solide Empfehlung. ESCH |
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![]() Mitglied seit 15.03.2011 |
Hallo,
das mit den Aushilfen ist normal in der Gastronomie. Aber mit Studenten ist das immer so ne Sache. Es ist immer von Vorteil wenn die schon ein bißchen Erfahrung haben, weil du selber nicht aus der Branche kommst. Ist das denn eine "Standard" Bar oder was gehobeneres? Ich find es sehr schwer sich in dem Bereich selbstständig zu machen wenn man das nicht gelernt hat und die Tricks der Angestellten nicht kennt. LG Daphne |
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![]() Mitglied seit 26.04.2011 |
Hallo und danke erst mal für alle eure Ratschläge.
@zinemin: das von dir angesprochene Problem hat mir meine Freundin auch schon unter die Nase gerieben. Da gebe ich dir natürlich grundsätzlich recht, dass die MA es sehr genau wissen, wo sie hier und da Geld "verschwinden" lassen können. Ich will nicht behaupten, dass ich meine MAs Tag und Nacht alleine lassen will, aber es stimmt natürlich, dass ich hier vertrauenswürdiges Personal bräuchte. Was mir allerdings zugute kommt ist die Tatsache, dass ich sehr wohl weiß, wo Geld "verschwinden" kann und vor allem auch unter welchen Umständen (von dir angesprochen: Bons verschwinden, Getränke werden nicht aufgeschrieben, etc...). In meiner üblichen Branche haben wir ja auch einen Kassendienst, da ist natürlich genauso ständig diese Gefahr! @Nena, @eschbenlaub: da hast du natürlich recht, das ist eine gute Idee. Da ich sowieso das Gespräch mit dem Vorbesitzer suchen muss, wäre es gleich naheliegend, wenn ich ihn darauf anspreche in seine Daten sehen zu dürfen. Dann kann man auch über zu erwartenden Umsatz mal nachdenken. @sahnehäubchen: den Mietpreis muss ich sowieso erfragen, richtig. Ich habe jetzt einfach mal mit einem fiktiven Betrag kalkuliert, was aber natürlich total nach hinten losgehen kann. @Daphne: das ist auch der Grund, weshalb ich darauf Wert legen würde, den bestehenden Barkeeper behalten zu können. Den kennen die Gäste, zu ihm haben sie vertrauen und er weiß auch wie der Hase läuft. Bei komplett neuem Personal (reicht ja schon wenn es ein neuer Inhaber ist), werden die Gäste oft misstrauisch und kommen von Haus aus nicht mehr so gerne. Das kennt man ja auch aus eigenen Erfahrungen! Ich bezeichne es mal als "Standardbar", wobei es aber keine "Kneipe" ist. Die Bar ist hübsch aufgeräumt, sauber und ordentlich, das Publikum wirklich gesittet. Eine angenehme und wohnliche Atmosphäre auf kleinen 50m² wo sich jung und alt trifft. Was mich zu den Angestellten immer noch interessiert: eine oder zwei Bedienungen als "Aushilfen" anzustellen stelle ich mir ja genau richtig vor. Aber wie läuft denn hier dann die Bezahlung ab? Ich meine, die meisten gehen von einer Barzahlung aus (ist ja kein Problem), aber wie sieht es da mit den Sozialversicherungen und so aus?!? Ich kenn das halt aus einem "normalen" Betrieb, wo für jeden Mitarbeiter Lohnsteuerkarten und das Ganze benötigt wird... Wäre ja für eine - vielleicht auch mal wechselnde - Bedienung ziemlich aufwändig! |
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![]() Mitglied seit 12.04.2008 |
Hallo,
wenn Du geringfügig Beschäftigte hast, musst Du sie im Internet (sv-net) bei der Knappschaft anmelden (die Knappschaft ist zuständig für Minijobs). Du gibst eine Bankverbindung an, von wo die Knappschaft die SV-Pauschalbeiträge einzieht. Die Meldung ist jeden Monat aufs Neue zu machen. Das mit dem Controlling ist ein extrem wichtiger Punkt. Wir behelfen uns so, daß wir haargenaue Schichtübergaben machen lassen und fast jede Woche eine Schnellinventur. Außerdem betonen wir gegenüber den Mitarbeitern, daß wir unangekündigte Stichprobenkontrollen je Mitarbeiter durchführen (ob wir das dann tatsächlich machen, steht auf einem anderen Blatt). Differenzen müssen knallhart umgelegt werden! Aus einer 0,7L-Flasche Schnaps kommen 17 4cl-Schnäpse heraus. Laß Dir nix anderes weißmachen. Bei Bier musst Du einen Schankverlust einplanen, der bei ca. 5% liegen sollte. Du hast außerdem regelmäßige Kosten für die wöchentliche Reinigung der Schankanlage, Telefon. Du zahlst nicht nur GEMA, sondern auch GEZ. Dazu kommen IHK-Beitrag, eventuell Dehoga. Die üblichen Versicherungen (mindestens Betriebshaftpflicht!) solltest Du schon haben, auch eine Inhaltsversicherung oder Du kalkulierst, daß ein eventueller Einbruchdiebstahl und die Einbuße von Ware in Größenordnung Dich nicht umhaut bzw. die Versicherungsprämie nicht wert ist. Außerdem solltest Du Rücklagen bilden für eventuelle Investitionen oder Renovierungen. Die Banken vergeben in der Regel kaum noch Kredite an gastronomische Einrichtungen. Die Buchführung musst Du täglich machen! Gruß Silphion |
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![]() Mitglied seit 29.03.2010 |
@Silphion......besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.
und mit den Mitarbeitern ist das auch so eine Sache....man kann immer nur vor den Kopf gucken. Ich hatte eine Mitarbeiterin bereits über 3 Jahre.....trotz täglicher Kontrolle bin ich nicht dahinter gekommen wie sie beschissen hat. Aber egal....beschissen wirste immer...von den Erfahrenen sowieso...und von unerfahrenen Studenten mit extremen Schankverlust und doppeltem Wasserverbrauch.....da macht sich keiner Gedanken drüber das das auch ein sehr hoher kostenfaktor ist. LG sterzi |
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![]() Mitglied seit 27.10.2008 |
Hi,
bin ja jetzt nicht beruflich gastronomieerfahren, aber einigermaßen erfahrener Bar-Gänger. Wie die Kalkulation mit 4,50 EUR für einen einigermaßen qualitätvollen Cocktail hinhauen soll, ist mir schleierhaft - es sei denn, man kippt da Discounter-Spirituosen und Billigsäfte aus dem Tetra-Pack rein. Vom Dekor am Glasrand, wie das bei so vielen karibischen Cocktails gewünscht wird, wollen wir erst gar nicht reden... Ein klassischer Cocktail enthält i.d.R. 4-6 cl Sprit, bei den brachialen Leberquälern wie Long Island Ice-Tea, Mai Tai oder Zombie können auch schon mal 8 - 10 cl Sprit an den Start kommen. In meiner Lieblings-Bar in der Nachbarschaft führt das leider (aber verständlicherweise) dazu, dass ein qualitativ hochwertiger und handwerklich perfekt gemachter Cocktail mit ca. 7,00 - 12,00 EUR zu Buche schlägt. Beispiele für die Kalkulation von Mixgetränken (und deren Rezepte!) findest Du z.B. in dem Klassiker "Das große Lehrbuch der Bar" des schweizer Barfachmanns Harry Schraemli. Der Wälzer ist zwar schon 1955 erschienen, aber an den kaufmännisch-kalkulatorischen Grundlagen für die Berechnung der Getränkepreise im seriösen Barbetrieb dürfte sich wohl nicht soviel geändert haben. Das Buch ist im Antiquariat problemlos erhältlich, aber sicher gibt es auch moderne Fachliteratur zum Thema. VG, turbot P.S.: Werden in Deiner zukünftigen Bar eigentlich auch hochwertige Spirituosen wie Single Malt Whisky, Cognac und Rum nachgefragt? Um da einen einigermaßen attraktiven Stock aufzubauen, muss man auch erstmal einige Tausender in die Hand nehmen - und die sind solange totes Kapital, bis das Zeug getrunken wird... |
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![]() Mitglied seit 16.06.2009 |
turbot......,
auf den Punkt gebracht,alle Deine Überlegungen!!! LG Sahnehäubchen_8557 |
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