Langweilige Küche ?

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11.01.2008 23:05

bierquelle

Mitglied seit 27.06.2007
52 Beiträge (ø0,02/Tag)

Hallo, an Alle!

Ich durfte gestern in einem Österreichischem Restaurant, an einem 7 gängigen Menü- gekocht von Jörg Wörther teilnehmen.
Kurz gesagt- Jeder Gang war gut, aber eben nur gut!
Unser Tisch (wahrscheinlich, der einzige mit dieser Meinung- die anderen Gäste hatten wohl ein Durchschnittsalter von 60 Jahren) war der Meinung, dass das Essen einfach zu brav und geschmacksneutral war. Die Qualität der Ingredienzen und der fertigen Speisen war absolut top- der Garungsgrad stimmte, obwohl für rund 70 Personen gekocht wurde!

Als wir Herrn Wörther unsere Kritik vortrugen (..leider konnte uns kein Gericht zu Diskussionen ermuntern, Ihre Speisen waren zwar top vom Garungsgrad, allerdings zu brav!) meinte dieser: Na dann war ja alles perfekt, denn ich möchte mit meinen Gerichten nicht zu Diskussion anregen! Und ausserdem die ganzen schrägen Gerichte mag ja in wirklichkeit sowieso niemand!

Nun meine Frage an Euch!

Kann es sein, dass der Grossteil der Gäste im oberen Hauben, und Sternebereich sich wirklich Speisen die langweilig und fade sind wünschen?

Mich würde Eure Meinung interessieren?

Liebe Grüße

Adi
11.01.2008 23:36

Cookiejens

Mitglied seit 03.12.2003
8.047 Beiträge (ø1,69/Tag)

Hallo Adi!

In den meisten Interviews haben die Spitzenköche darüber gesprochen, dass sie das kochen, was sie selbst wollen und nicht das, was die Kundschaft will. Die Gäste kommen ja deswegen her, weil sie das mögen, was dort gekocht wird. Sie mögen den Stil des Spitzenkochs. Würden die Köche andersherum handeln, wüsste man nie, was man in den Restaurants zu erwarten hätte.

Selbst McDonalds handelt nach diesem Prinzip! Die Kunden kommen, weil sie wissen, was sie zu erwarten haben.
Was würden die Kunden davon halten, wenn es bei McDo plötzlich Döner oder Currywurst gäbe?? Na!



Gruß Let´s cook baby!Jens


Die Welt gehört dem, der sie genießt.
Giacomo Leopardi
12.01.2008 16:12

susa_

Mitglied seit 17.01.2002
45.635 Beiträge (ø8,39/Tag)

Ich hoffe ich oute mich jetzt nicht total als Banause, wenn ich schreibe, dass mir der Name nichts sagt.

Im Prinzip ist es sicher in Ordnung, wenn die Speisen handwerklich perfekt zubereitet sind, aber im gehobenen Gastronomiebereich erwarte ich auch schon die eine oder andere Überraschung und neue Idee, es muss ja nicht immer gleich die hohe Schule der Molekularküche sein.

Da für mich immer der Michelin die Referenz ist, formulier ich mal so: ab einem Stern ist reine handwerkliche Perfektion zu wenig und die Köche, bei denen ich bisher gegessen habe (und über die sich zu berichten lohnt) war das auch nicht so, da zeigten die Gerichte alle eine sehr individuelle Handschrift.




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Beauty is a pair of shoes that makes you wanna die. (FZ)
12.01.2008 19:16

bierquelle

Mitglied seit 27.06.2007
52 Beiträge (ø0,02/Tag)

Hallo Susa,

danke für deine aufmunternden Worte!

Genau so sehen auch wir es!

Jörg Wörther :
Schloss Prielau - Zell am See (Österreich) 4 GM Hauben bis 2003
danach Carpe Diem - Finest Fingerfood (Mateschitz- Red Bull, in Salzburg)
und lt. Michelin der einzige Koch in Österreich der 3 Sterne verdienen würde-
na was sagst?

Liebe Grüße
Adi

Was wären Bilder oder Skulpturen, die zwar handwerklich perfekt gemacht wurden, über die man aber nicht diskutieren kann- oder es nicht lohnt zu diskutieren ?
12.01.2008 19:42

germanchef

Mitglied seit 15.11.2004
626 Beiträge (ø0,14/Tag)

versteh ich nicht? er würde lt. michelin 3 * verdienen, warum hat er sie denn dann nicht und wie viele sterne hat er denn nun?

mal abgesehen davon bin ich der meinung das man hautzutage auf ganz unterschiedliche weise seine sterne und punkte erkochen kann. auf die klassische, auf die gediegene und auf die moderne art(und sicherlich auch noch kombinationen untereinander). es muß halt eine klare linie erkennbar sein und das ist sie ja wohl bei ihm, oder?

mfg der germanchef






Köche regieren die Welt!!!
12.01.2008 20:00

bierquelle

Mitglied seit 27.06.2007
52 Beiträge (ø0,02/Tag)

Hallo Germanchef!

Jörg Wörther hat zur Zeit keine Anstellung, und als der Michelin das Erste Mal in Österreich erschien, workte Wörther bei Mateschitz im Carpe Diem (Fines Fingerfood)

Eine klare Linie hat er sicherlich, aber ist diese Linie, und die Einstellung zu anderen, modernen Linien der Zeitgeist oder nicht?

Ich zweifle ja nicht am handwerklichen Können des Jörg Wörthers, und spreche ihm auch keine Hauben etc ab, mir geht es nur um die Meinung:

Will ider Gast eine Speise über die er diskutieren kann - oder möchte er brave Speisen die rundum rund schmecken, nicht anecken, und sich nicht die Frage stellt:

Wie hat er diesen Geschmack hinbekommen- Welche Gewürze ausser Salz, Pfeffer machen wohl den gewissen Pep aus?

Mit welchen Alkoholika wurde die Reduktion zubereitet,.........

Hoffe du verstehst was ich meine!

Liebe Grüße


Adi
12.01.2008 22:06

germanchef

Mitglied seit 15.11.2004
626 Beiträge (ø0,14/Tag)

na klar verstehe ich dich. aber das ist ja genau das was ich meine. es gibt für jedem stil nen koch, bzw jeder kocht halt wie ers für richtig hält. ich sag dir ganz ehrlich es ist verdammt schwierig erstmal seinen eigenen stil zu finden und ihm vor allem treu zu bleiben. deswegen glaube ich kocht er halt den geraden mittelweg ohne mal links oder rechts abzuschweifen. und du siehst doch als du mit ihm gesprochen hast das ist genau das was er will und wenn die gäste dann zu ihm kommen ist doch ok - ziel erreicht, gäste zufrieden...

oder reden wir da grad aneinander vorbei?



mfg der germanchef





Köche regieren die Welt!!!
13.01.2008 01:25

bierquelle

Mitglied seit 27.06.2007
52 Beiträge (ø0,02/Tag)

Hallo Germanchef!

Kommen wohl auf keinen grünen Zweig!

Liebe Grüße

Adi
13.01.2008 09:39

dafredl

Mitglied seit 18.10.2007
91 Beiträge (ø0,03/Tag)

-----Ich durfte gestern in einem Österreichischem Restaurant, an einem 7 gängigen Menü- gekocht von Jörg Wörther teilnehmen. -----

wo war den das Restaurant? Kocht der Wörther dort öfter?
13.01.2008 13:08

karlschramm

Mitglied seit 20.06.2003
1.969 Beiträge (ø0,4/Tag)

Oh karl schmunzelt

Jajaja, was auch immer!

sogar im CK gibt es köche die drei sterne verdienen und sie trotzdem nicht haben sfg
das meine ich im ernst (und meine damit dennoch nicht mich )

dumdidum das männchen aus dem walde
13.01.2008 13:49

Mapi17

Mitglied seit 01.03.2004
327 Beiträge (ø0,07/Tag)

naja aber um 3 sterne zu haben reicht es eben nicht aus einfach nur gut zu kochen. sondern das ganze konzept muss passen. man muss quasi sein leben der küche widmen. ständig neue ideen haben und die qualität immer halten. gerade die qualität zu halten macht den größten druck aus.
13.01.2008 14:29

susa_

Mitglied seit 17.01.2002
45.635 Beiträge (ø8,39/Tag)

Ich denke, es kommt aber auch noch ein Aspekt hinzu.

Erstens habe ich es noch nie erlebt, dass man einem Koch bei seinem Schaulaufen im Restaurant eine rechte Kritik gegeben hat, das sind sie wahrscheinlich nicht gewöhnt und empfinden es sicher als geschäftsschädigend, zuzugeben, dass der Kritiker auch ein Stück weit recht hat. Und große Köche sind eitel - verdammt eitel - da sind Chefärzte und Dirigenten nix gegen Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen Sich auf dem Boden wälzen vor Lachen. Und: was würden denn die Umsitzenden denken, wenn er Dir recht gegeben hätte? Dass sie was gegessen haben, wovon der Koch selber nicht recht überzeugt ist und dafür noch anständig viel Geld hingelegt haben?

Außerdem, wenn er derzeit keine Anstellung hat, dann will er bei seinen Auftritten hundertprozentige Zustimmung, da kocht er halt "auf Sicherheit", wahrscheinlich erhofft er sich so eher Anschlussjobs oder Angebote.




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Beauty is a pair of shoes that makes you wanna die. (FZ)
13.01.2008 16:42

kaertle

Mitglied seit 13.04.2005
675 Beiträge (ø0,16/Tag)

Ungeachtet dessen sollte man dabei auch bedenken, dass Köche mindestens ab einem Niveau von 2* eher für sich selbst, oder ihren eigenen Anspruch , als für die Mehrheit ihrer Gäste kochen. Das einfach aus dem Grund, dass die überwiegende Mehrheit der Gäste der Hauben-, Sterne- oder Punkte-Restaurants nicht ernsthaft in der Lage sind das gekochte auf dem Teller in Bezug 2* oder 3* Sterne zu beurteilen, noch nicht einmal ob es dem Genannten entspricht oder nicht. Das Restaurant ist für die Meisten nichts anderes als das Auto, das Pferd, das Boot, etc. also ein Statussymbol.
Ähnlich verhält es sich bei der Beurteilung des Grundproduktes auf dem Teller.
Wer möchte schon von sich behaupten, dass er einen Loup de mer von Dieter Müller, oder ein Rehmedaillon von Harald Wohlfahrt "richtig" beurteilen kann ?
Der normale, wohlhabende Gast scheitert da schon an der Beurteilung der handwerklichen Fertigkeiten. Und das ist auch gut so. Es sollte mehr um Genuss als um Kritik gehen. So lange mir als Gast es das wert ist, ist das doch o.k. . Wenn es mir zu teuer wird , oder qualitativ nicht meinen Vorstellungen entspricht gehe ich nicht mehr hin.
Es bleibt immer subjektiv, nur die Profi-Kritiker haben eine größeres Erfahrungsfeld und oft auch eine klarere Schulung in Bezug auf die Produkte.
Deshalb kocht ein Wörther auch bei einer solchen Veranstaltung halt mal den aktuellen Mainstream runter, damit Alle zufrieden sind oder zumindest Keiner reklamieren kann. Das sichert ihm weitere Engagements und auch sein Auskommen (Upps jetzt habe ich susa zitiert). Müsste er sich mit einem Restaurant noch einen Namen machen, würde er das sicher anders angehen. Und was sich die Gäste einer solchen Veranstaltung wirklich wünschen, streift ihn nicht einmal.
Kaertle
16.01.2008 01:40

ala_prinz

Mitglied seit 18.08.2005
165 Beiträge (ø0,04/Tag)

hallo

als koch des jahrzehntes geadelt müsste man sich eigentlich mehr erwarten als das dargebotene auf den tellern..
wörther braucht keine eigene handschrift mehr zu erlernen er hat sie schon.. aber es gehört schon ein gewaltiger schritt nach vorn dazu,wenn er wieder in die spitzengastronomie einsteigen möchte..

punkt ist ,vom 4 haubenkoch zur "cone (tüten) revolution" und zurück in die *gastronomie gar 3* ??,wird ihm nicht gelingen,da ich der meinung bin das andere spitzenköche hier in österreich ihre handschrift bei weitem besser beheerschen

was ich glaub ist das entweder auf die kosten oder aufs etablisment (waren ja alle 60 ) geachtet wurde

so wie schon von susa und kaertle schon erwähnt... hauptsache g´schmackig wars Lächeln
aber um weitere engagements zu erhalten ist mit sicherheit nicht der grund des normalen dinners gewesen


lg markus
16.01.2008 12:32

Kavalierspitz

Mitglied seit 24.01.2006
826 Beiträge (ø0,21/Tag)

Ich habe mich vor einigen Jahren mit einem michelinbesternten Koch darüber unterhalten, wo er selbst am Liebsten isst. Wir kamen dabei auch zu Enttäuschungen: Er erzählte von einem Essen auf Schloss Prielau und dass er noch nie in dieser Hauben- und Preisklasse so belanglos und langweilig gegessen hätte. Dieser Spitzenkoch konnte den Hype um Jörg Wörther, der zu diesem Zeitpunkt wirklich sehr hochgejubelt wurde, überhaupt nicht nachvollziehen.

Du siehst, Adi, du bist nicht allein.

Von Jörg Wörthers Einstellung auf andere Spitzenköche zu schließen, ist also wohl unangebracht. Bei denen in unserer Region beispielsweise habe ich fast immer sehr spannendes Essen genossen, auch ohne molekularen Schnickschnack. Na ja, ist ja auch das kulinarische Mekka Deutschlands.

Gruß, K.
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